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Dortmunds Rückrunde 2017

I – Der Start in die Rückrunde

Rückblick

Vor Beginn der Rückrunde soll zunächst ein Blick auf den Effekt der Sommertransfers geworfen werden. Sollte sich Dortmund als Ballbesitzmannschaft sehen, wurden hier große Fehler gemacht. Die neuen Offensivspieler – inbesondere Dembélé – täuschen über das Fehlen von Aufbauspielern hinweg. Dass sehr viel Hoffnung von so mancher Seite (inklusive dieser) auf Guerreiro im zenralen Mittelfeld gesetzt wird, einem eigentlichen Linksverteidiger, der diese Position zuvor noch nie gespielt hat, spricht dabei für sich.

In der Hinrunde gab es Dominoeffekte zu sehen, die mit den Transfers einhergingen. Nach den Abgängen von Hummels und Gündogan wurden Bartra und Rode verpflichtet. Bartra zeigte zwar in einigen Spielen sehr gute Leistungen, war aber noch nicht – verständlicherweise – in der Lage, über einen längeren Zeitraum konstant zu spielen. Rode ist ein guter Spieler im Gegenpressing und Pressing, kann jedoch Dortmund spielerisch kaum weiterhelfen. Götze kann ähnlich wie Kagawa die höhere Rolle als (Doppel-)Zehn spielen, aber Verbindungen zwischen defensivem und offensivem Mittelfeld – die Stärke Gündogans – höchstens situativ schaffen. Und auch Castro ist zwar gut darin, enge Situationen aufzulösen, aber niemand, der das Spiel an sich zieht und strukturiert. Die fehlende Verpflichtung eines Gündogan-Ersatzes ist ein klarer Fehler. Die Vielzahl an spielstarken Aufbauspielern in der letzten Saison (in Grafik gelb hinterlegt) führte auch dazu, dass Dortmund schwer zu pressen war.

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Dortmunds Aufbau im 2-3-4-1 aus der Hinrunde 2015

In dieser Saison hingegen konnten sich gegnerische Mannschaften dafür stark auf Weigl konzentrieren, der in Ballbesitz oft auf sich allein gestellt war. Sokratis und Ginter steigerten sich zwar spielerisch unter Tuchel, sind aber weit davon entfernt, in diesem Bereich besondere Stärken zu haben – was eigentlich der Anspruch für eine starke Ballbesitzmannschaft sein sollte. Im Spiel gegen Frankfurt, als beide zusammen aufliefen, war auffällig, dass – obwohl bestimmte Mechanismen mit Ball einiges wieder ausgleichen können – das Innenverteidigerpaar spielstarke Partner an ihrer Seite braucht.

Weiter vorne gibt es viele erfolgversprechende Spieler im BVB-Kader. Vor allem Dembélé spielte eine sehr erfolgreiche Hinrunde, während auch Pulisic den Aufwärtstrend fortsetzte. Schürrle und Götze blieben zwar hinter den Erwartungen zurück, aber das Problem liegt eigentlich darin, Angriffe überhaupt konstant in den vorderen Bereich zu bringen. Denn oft waren die Dortmunder Angreifer sonst nach Anspielen isoliert. Die Gegner verfolgten diese teilweise sehr weit und spielten nah an der Grenze zu Fouls. Dies wurde dadurch erleichtert, dass immer mehr Bundesligamannschaften regelmäßig mit Fünferkette spielen. So waren sie z.B. geübt darin, mit Halbverteidigern weit herauszurücken.

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Halbverteidiger Heintz verfolgt Dembélé sehr weit (14. Spieltag).

Dembélés auffällige Leistungen sind daher auch durch den großen Effekt von Dribblings gegen mannorientierte Spielweisen zu erklären.Wurde er allerdings (wie in der Grafik) weit mit dem Rücken zum Tor verfolgt, wodurch er schwieriger zu Läufen nach vorne ansetzen konnte, hatte der BVB gruppentaktisch Probleme, auch aufgrund der regelmäßigen Verletzungen, die entstandenen Lücken zu bespielen. Die Schwierigkeiten lassen sich also so zusamenfassen: durch mangelnde Verbindungen zwischen defensivem und offensivem Mittelfeld werden Angriffe selten strukturiert in den vorderen Bereich gebracht, den der Gegner anschließend, vor allem mit mannorientierter Spielweise, leichter verteidigen kann. Insgesamt blieb Dortmund so mit 30 Punkten und vielen Anwärtern für Platz drei bis sechs hinter den Erwartungen zurück – in diesem Artikel soll die weitere Entwicklung analysiert werden.


18 – Mainz

M05 1:1 BVB

In der ersten Rückrundenpartie des BVB kamen Guerreiro und Bürki zu ihren ersten Startelfeinsätzen seit Anfang bzw. Mitte November, wohingegen Weigl, Castro und die Viererkette bereits eine Woche zuvor in dieser Form aufliefen. Im Sturm war Aubameyang vom Afrika-Cup zurück und bildete mit Reus und Schürrle sehr schnellen Dreierangriff. Zu Spielbeginn gab es eine klare Mannschaftsteilung mit tiefen Aufbauspielern und hohen Achtern. Als diese später zurückfielen, blieben die von ihnen zuvor besetzten Räume allerdings frei. Stattdessen wurde den Flügel doppelt besetzt, was den Aufbau berechenbar machte. Während Dortmund in der ersten Halbzeit noch durch tiefe Ballzirkulation und eroberte zweite Bälle fast zwei Drittel Ballbesitz (64,1%) hatte, setzte man sich im zweiten Durchgang kaum von Mainz ab und trug nur selten strukturierte Angriffe vor.

M05BVB_AusrichtungBVB.png

Mainz lief den BVB in einem tiefen Mittelfeldpressing an. Muto und Frei orientierten sich hierbei zunächst an Weigl, bis einer von beiden blitzartig auf Dortmunds ballführenden Innenverteidiger herausrückte. Durch das diagonale bzw. bogenförmige Anlaufen gelang es oft, sowohl den Passweg auf Weigl als auch den auf den ballfernen Innenverteidiger zu schließen. Eventuelle Aufrückbewegungen der Innenverteidiger mit Ball wurden durch eine horizontal kompakte Mittelfeldreihe der Mainzer und den daraus folgenden fehlenden Anspielmöglichkeiten nutzlos gemacht. Waren Dortmunds drei erste Aufbauspieler zunächst tiefer positioniert, liefen Muto und Frei diese regelmäßig höher als üblich an, während die hinteren Mannschaftsteile weiterhin tief blieben. Bürki rückte in solchen Situationen regelmäßig hoch auf, um eine weitere Anspielstation zu bieten, was jedoch keinen klaren Vorteil brachte, da die Stürmer weiterhin erst den jeweiligen Innenverteidiger anliefen.

Der Dortmunder Spielaufbau war durch das Mainzer Pressing vor Schwierigkeiten gestellt. Zwar gab es hohe Spielanteile, aber die flache Ballzirkulation von der ersten Linie nach vorne war nicht möglich. Teilweise wurden die Außenverteidiger auf den Flügeln gesucht, die nur etwas höher als die Innenverteidiger spielten. Die häufigste Reaktion auf das Anlaufen waren jedoch lange, hohe Bälle der Innenverteidiger. Die Pässe waren in verschiedenen Arten an Schürrle, Aubameyang oder Reus adressiert: Sokratis spielte meist in der Mitte oder im rechten Halbraum auf Schürrle, während Ginter nach kurzem Aufrücken Reus lang schickte. Diese Versuche kamen selten an, waren jedoch für Duelle um zweite Bälle sinnvoll, bei denen sich auch die hohen Achter einschalten konnten. Die letzte Linie der Mainzer musste sich daraufhin noch weiter fallenlassen, köpfte entweder in relativ ungesicherte Räume oder musste versuchen, sich aus tiefen Positionen zu befreien.

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Ginter rückt mit Ball auf, findet aber keine Anspielstation (4. Minute).

Der BVB kam in der Anfangsphase zu einigen Chancen nach Ballgewinnen, entweder nach den beschriebenen eigenen langen Bällen oder nach Mainzer Aufbaufehlern. Hier war besonders Gbamin auffällig. Direkt am Anfang des Spieles nahm er den Ball ungenau mit und verlor ihn an Schürrle und Castro, woraufhin Dortmund in einer 4v3-Situation kontern konnte – mit Spielern die genau in diesem Bereich ihre Stärken haben. Bungert rückte auf Castro heraus, woraufhin Aubemeyang in dessen blind-site lief und Bell mitnahm, sodass Reus ballfern am Sechszehner frei zum 0:1 treffen konnte (3.).

Gbamin passierte zudem etwas später ein ähnlicher Fehler (11.). Dortmunds Achter orientierten sich im hohen Mittelpressing an den Mainzer Sechsern, von wo Castro auf einen Innenverteidiger herausrückte. In einer 3v2-Situation hatte Gbamin eine eigentlich gute Positionierung und Körperstellung, um zwischen den Stürmern mit Ball aufzurücken, nahm diesen allerdings wieder schlecht mit, sodass Castro einen Konter einleitete. Die Gastgeber versuchten insgesamt, sich – solange dies mit wenig Risiko möglich war – spielerisch zu lösen, was jedoch meist in langen Bällen des Torwarts endete. Allerdings gab es auch sehr gute Einzelaktionen, die das Pressing auflösten, wie ein langer, hoher Ball von Öztunali auf Frei (7.), der dadurch vor Bürki auftauchte. Ein Tor nach einer Ecke in dieser Phase wurde fälschlicherweise als Abseits aberkannt (14.) .

Dortmund erarbeitete sich im Laufe der ersten Hälfte keine Kontrolle durch Ballbesitzspiel. Der generelle Spielrhythmus blieb wie beschrieben, wobei sich die Aufbaustruktur veränderte. Guerreiro positionierte sich durchgehend sehr dynamisch. Während es anfangs vor allem ein kurzes Fallenlassen für einen Pass mit z.B. Ginter war, um anschließend direkt wieder vorzustoßen, gab es mit zunehmender Spieldauer situativ (halb-)links ein klares Herauskippen zu sehen. Zwar konnte sich Dortmund so nur teilweise etwas befreien, aber für Folgeaktionen gab es – genauso wie beim oben genannten Aufrücken von Ginter – kaum angemessene Strukturen gegen die Mainzer Kompaktheit. Nach etwa 25 Minuten kippte Castro regelmäßig rechts zwischen Piszczek und Sokratis heraus und konnte von dort manchmal mit Ball aufrücken. Auch Weigl ließ sich situativ zwischen die Innenverteidiger fallen. All diese Bewegungen erfüllten einen gewissen Zweck, allerdings ändert sie wenig daran, dass der nächste Schritt aufgrund von fehlenden Verbindungen wenig erfolgversprechend war.

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Absurde Staffelungen: Castro und Guerreiro lassen sich gleichzeitig fallen (40. Minute).

Dabei waren vor allem die Halbräume nicht miteinander verbunden. Dies lag vor allem an der grundsätzlichen Positionierung. Die Flügel wurden nämlich fast durchgehend doppelt besetzt. Zwar gab es dort einige kleine gute Angriffsversuche und kurze Überladungsansätze, aber meist – und besonders nach langen Bällen – war hier alles vorhersehbar. Da die Verbindung von der Innenverteidigung gekappt war, hatte Weigl auch keine Möglichkeit, die Achter aus etwas kürzerer Entfernung anzuspielen. Und ließen sich Castro oder Guerreiro fallen, fehlte ein Spieler in dem Halbraum, aus dem sie gerade kamen, sodass wieder nur zwei Spieler auf dem Flügel anspielbar waren. Teilweise fielen sogar beide zurück, sodass ein großer Raum vor ihnen klaffte. Bei all den Bewegungen des zentralen Mittelfelds gab es dann zudem den Nachteil, dass Mainz genug Zeit hatte, um genau zu verschieben.

Nach der Pause hatte der BVB zunächst einige Aufbausituationen, die sich aber nach der Anfangsphase auflösten. Dortmunds Achter kippten gegen das unveränderte Pressing der Gastgeber weiterhin heraus, wobei besonders Castros anschließendes Aufrücken in der formativen Lücke Mainz‘ nun etwas erfolgversprechender war, da Schürrle sich klarer im Halbraum anbot und schnell auf Piszczek weiterleitete. Allerdings änderte dies nichts an einem unbalancierten Spielaufbau. Im Laufe der Zeit schlichen sich einige unnötige Fouls von BVB-Spielern ein (48., 49., 53.), die den Rhythmus weiter unterbrachen. Zudem fand das Spiel nun stärker im zweiten Drittel mit vielen Ballbesitzwechseln statt. Die einzige Chance entstand nach einer Kombination auf dem linken Flügel, mit anschließender Flanke von Castro auf Schürrle (61.). Nach einer Wechselphase (62. bis 74.) spielte Götze als rechter Achter neben Castro, während Dembélé Reus von Linksaußen in die Mittelstürmerposition verschob. Dabei war Dortmund kaum kombinativ, in einem wenig ansehnlichen, chancenarmen Spiel. Gleichzeitig blieben die Gastgeber ebenfalls weiterhin harmlos mit vielen langen Bälle und einem Flügelfokus.

Mainz erzielte plötzlich den Ausgleichstreffer. Schürrle und Götze übersahen beim hektischen Schieben auf den rechten Flügel Ramalho, der anspielbar war und verlagern konnte. Daraufhin schlug Öztunali eine präzise Flanke, die Latza hinter Piszczeks Rücken verwandelte (83.). Der BVB brachte noch Pulisic für Castro (86.), erarbeite sich noch einige Freistöße, aber kam zu keinen klaren Chancen. Stattdessen erzielte De Blasis noch kurz vor Schluss (90.+2) fast den Siegtreffer. Beide Mannschaften kamen zuvor nur in der Anfangsviertelstunde zu Chancen, in der Dortmund traf, weshalb sie den Sieg mitzunehmen schienen. Zwar kontrollierten sie das Spiel selbst wenig, aber es gab auch für Mainz kaum Torchancen. Problematisch ist der mangelnde spielerische Fortschritt des BVB. Obwohl der Spielaufbau mit doppelter Flügelbesetzung auch in der ersten Hälfte wenig ideal war, entsprachen vor allem die zweiten 45 Minuten, in denen sich die eigene Spielweise kaum von (soliden aber wenig spektakulären) Mainz absetzte, nicht den eigenen Ansprüchen.

BVB. Bürki – Piszczek, Sokratis, Ginter, Schmelzer – Castro, Weigl, Guerreiro (66. Götze) – Schürrle, Aubameyang (72. Dembélé), Reus

M05. Lössl – Donati, Bell, Bungert, Brosinki – Öztunali, Gbamin (62. Ramalho), Latza, Jairo – Frei (69. Seydel), Muto (74. De Blasis)

Tore: 0:1 Reus (3.), 1:1 Latza (83.)


19 – Leipzig

BVB 1:0 RBL

Dortmund startete gegen Leipzig überraschend in einem 3-1-4-2. Diese Formation – die defensiv zu einem 5-3-2 wurde – hat Tuchel bislang nur in zwei Spielen gegen Bayern verwendet: im Pokalfinale 2015-16 und im Hinrundensieg in dieser Saison. In beiden Partien gab es je eine ungewöhnliche Besetzung der Achterposition; hier wurden in der Vergangenheit mit Mkhitaryan bzw. Schürrle zwei schnelle Umschaltspieler eingesetzt. Dies war auch diesmal mit Dembélé der Fall, der normalerweise höher auf dem Spielfeld zu finden ist. Er spielte mit Guerreiro als Doppelzehn hinter Aubameyang und Reus, statt tief Verbindungen zu Weigl zu suchen. Dadurch trat Dortmund mehr in einem 3-1-0-4-2 mit zwei getrennten Mannschaftsteilen auf. Diese hohen Positionen füllten eine formative Lücke der Gäste, die im 4-2-2-2 hinter den Außenspielern und neben den Sechsern ensteht (s.Grafik, weiß markiert). Tuchel sagte dazu in der Pressekonferenz, man wollte „eine Ordnung finden, um auch hinter ihre Mittelfeldreihe flach zu spielen und dort Spieler zu haben, die gut und schnell drehen können – das kann Ous[mane Dembélé] und das kann Rapha[el Guerreiro].“

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Dortmunds Ausrichtung, Leipzigs Pressing.

Zunächst ließen Piszczek, Sokratis und Bartra einige Meter vor dem eigenen Sechszehner den Ball laufen. Selke und Poulsen orientierten sich derweil abwartend an Weigl und starteten anschließend von hier Läufe auf Dortmunds Halbverteidiger. Das Pressing war teilweise etwas asymmetrisch: die Stürmer konzentrierten sich mehr auf Bartra als auf Piszczek, auf den regelmäßig erst Keita herausrückte. Dadurch hatte Piszczek zwar etwas Zeit, aber Bartra im anderen Halbraum wurde stärker kontrolliert. Nach ruhiger Zirkulation spielten die drei Verteidiger lange, hohe Bälle Richtung Offensive. Die hohe Positionierung der Doppelzehn, die aufgrund der Lücke vor Weigl zwar für Kurzpasspiel problematisch ist, wurde bei diesen Zuspielen aus der letzten Linie zum Vorteil. Denn nun bestand zwischen Dortmunds vorderen Spielern und Leipzigs hinteren Spielern eine Gleichzahl.

Die Gleichzahl konnte vor allem von Dembélé und Durm genutzt werden. Hier wurde der Raum hinter dem aufgerückten Halstenberg bespielt. Nach 21 Minuten rückte dieser nach einem Leipziger Angriff weit auf Durm heraus, der den Ball mit etwas Glück auf Dembélé weiterleiten konnte. Dieser hatte viel Platz und eine Gleichzahlsituation vor sich, in denen er seine Schnelligkeit und Driblings ausspielen kann (s. Grafik unten). In diesem Fall verlor er zwar doch noch den Ball, aber ein wenig später gab es zwei erfolgreiche Aktionen: nachdem er zunächst Compper überlief und flankte (33.), ließ er kurz danach Khedira und Orban stehen – diesmal verwandelte Aubameyang die Hereingabe (1:0, 34.). Alle diese Situationen entstanden nach Kontern, in denen Halstenbergs Aufrücken von Dembélé ausgenutzt werden konnte, der sich gezielt in die offenen Räume auf dem rechten Flügel bewegte. Die Räume, die im Spielaufbau zunächst nicht gefunden werden konnte, wurden also nun bei Kontern sehr stark bespielt. In der Schlussphase der ersten Hälfte gab es weniger klare Aufbausituationen und stattdessen viele Ballbesitzwechsel auf Dortmunds linker Seite, über die Leipzig in der dieser Phase den Großteil ihrer Angriffe spielte.

Bürki wirft nach einem Leipziger Angriff weit auf Durm ab. Halstenberg rückt sehr weit auf diesen heraus. Der Ball springt kurz zwischen beiden hin und her – bis Durm mit etwas Glück seinen Lauf fortsetzten kann. Ilsanker rückt aggressiv nach und versucht ebenfalls, ihn zu stoppen. In der Zwischenzeit setzt sich Dembélé in den frei gewordenen Raum ab, wird von Durm angespielt und kann anschließend ohne Gegnerdruck auf die restliche Viererkette zulaufen (21. Minute).

In der Halbzeitpause veränderte Tuchel Dortmunds Ausrichtung. Guerreiro besetzte bei eigenem Ballbesitz nicht mehr den offensiven linken Halbraum, sondern blieb als zentraler Mittelfeldspieler neben Weigl. Dafür rückten Schmelzer links und Durm rechts konstanter auf, sodass Reus und Dembélé die Halbräume besetzen konnten. Im enstandenen 3-2-4-1 konnte mit fünf Spielern gegen Leipzigs Viererkette gespielt werden. Diese wurde vor allem für lange Bälle genutzt, mit demselben Vorteil rechts gegen Halstenberg. Gleichzeitig gab es seltener klare Aufbausituationen. Leipzig spielte offensiver und hatte mehr Ballbesitz als zuvor, während Dortmund auf eine direktere Spielweise setzte. Besonders Reus, der sich schnell nach vorne bewegte und einige Weiterleitungen von Schmelzer und Aubameyang bakem, wurde her fokussiert. Zwei starke Dortmunder Konter nach einer Ecke (50.) bzw. nach einem langen Ball der Gäste (58.) führten nur aufgrund von Abschlusspech nicht zum Tor.

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Leipzig stellte für die letzten 25 Minuten um. Khedira wurde durch Upamecano ersetzt (66.), der sich als rechter Halbverteidiger einreihte, wodurch defensiv ein 5-1-2-2 entstand. Kaiser und Keita positionierten sich zwar teilweise etwas tiefer und enger, aber blieben meist so in den Halbräumen wie zuvor, nur eben nun mit einem Sechser hinter sich. Dadurch entstanden große Räume neben Ilsanker. Die Umstellung belebte jedoch Leipzigs Offensive. Bernardo und Halstenberg rückten sehr weit auf, während sich die restlichen Angreifer – die mit Burke (73.) und Palacios (80.) frische Kräfte bekamen – schnelle Läufe starteten, mit Keita hinter sich als Kreativspieler, der nun überall auftauchte. Sokratis entschärfte dabei einige Angriffe. Gleichzeitig blieb Dortmunds Ballzirkulation relativ stabil, sodass die Gäste keine langen oder regelmäßigen Ballbesitzphasen in gefährlichen Zonen hatten. Kurz vor der Einwechslung Ginters (77.) stellte Tuchel auf ein 5-2-1-2 mit Pulisic als Zehner um. Dieser konnte nach Ballgewinnen aus der jetzt stabileren Formation Dribblings in den Halbräumen neben Ilsanker starten (s. Grafik unten). Nach Kontern entstanden kurz vor Schluss drei große Chancen (83., 88., 90.+1), die allesamt vergeben wurden, sodass Leipzig in der Nachspielzeit mit ihrer einzigen Chance des Spieles fast noch ausgleichen konnte (90.+ 4).

Der BVB presst im 5-2-1-2. Aubameyang läuft Compper etwas ungenau an, sodass Keita auf dem linken Flügel anspielbar ist. Ginter rückt auf diesen heraus, erobert den Ball und legt auf Pulisic ab, der ein Dribbling beginnt und nur mit einem Foul gestoppt werden kann. Sonst hätte er zusammen mit Reus und Aubameyang auf die Dreierkette zulaufen können (86. Minute).

BVB: Bürki – Piszczek, Sokratis, Bartra – Weigl – Durm, Dembélé (61. Pulisic), Guerreiro (77. Ginter), Schmelzer – Aubameyang, Reus

RBL: Gulacsi – Bernardo, Orban, Compper, Halstenberg – Ilsanker, Khedira (66. Upomecano) – Kaiser (80. Palacios), Keita – Selke (73. Burke), Poulsen

Tore: 1:0 Aubameyang (35.)




Kommentar zur Pressekonferenz nach #D98BVB

Tuchels Worte nach der Niederlage in Darmstadt wurden als Resignation aufgefasst. Er biete der Mannschaft gar ein Alibi dafür, schlecht zu spielen. Diese Interpretationen sind jedoch abwegig – und führen weg von den eigentlichen Problemen. Ein Kommentar.

„Wir brauchen erstmal einen Neuaufbau,“ sagte Thomas Tuchel nach dem Pokalfinale der letzten Saison, angesprochen seine vermeintlich hohen Erwartungen, die gegen Bayern nicht erfüllt wurden. Aus neutraler Sicht war es ein ausgeglichenes Spiel mit ähnlich guten Chancen für beide Teams (0,8/0,7 xG). Der Dortmunder Trainer ärgerte sich jedoch: „[Das] können wir besser. Wir können es einfach so viel besser.“ Vor allem störte ihn die eigene Spielweise: „[Wir haben] unglaublich verteidigt: super diszipliniert und sehr intensiv. Aber mit Ball waren wir weit hinter unseren Ansprüchen. Wir wollten uns einfach auch festsetzen in der gegnerischen Hälfte. Das haben wir nicht geschafft.“

Ein halbes Jahr später siegte der BVB 1:0 im nächsten Spiel gegen Bayern. Tuchels Wortwahl war eine ganz andere: „[Uns war] bewusst, dass es Phasen und Minuten heute geben wird, in denen wir leiden werden – in denen es uns nicht gelingen wird, unsere Dominanz auf den Platz zu bekommen. Das war zum jetzigen Zeitpunkt […] einfach nicht möglich und auch nicht unser Anspruch heute.“ Statt der Erwartung, Bayern spielerisch zu dominieren, steht hier eine Herangehensweise, die weniger an eine bestimmte Spielweise gebunden ist. Ein wichtiger Faktor für den Sieg war ein aufwendiges Pressing in einer 5-3-2-Formation.

Weitere drei Monate später hat Dortmund gerade gegen Darmstadt verloren. Die Hoffnung, durch das Trainingslager im Januar zu einer klareren Identität als Ballbesitzmannschaft zu kommen, stellte sich jedoch bereits vier Spiele zuvor als nicht erfüllt heraus: Bremen konnte man trotz Überzahl spielerisch nicht kontrollieren. Tuchel betonte: „Vielleicht müssen wir eher lernen damit umzugehen, dass es etwas instabil ist, als dass wir permanent dem hinterherhecheln, was uns offensichtlich schwerfällt.“ In den folgenden Partien gegen Mainz und Leipzig setzte man zum Großteil auf einen vergleichsweise wenig spielerischen Ansatz mit vielen langen Bälle und Kontern (siehe Analysen oben). Die Leistung variierte – aber die Probleme dabei, das Spiel stabil aufzubauen und zu kontrollieren, blieben gleich.

Tuchel sagte nun zu den schlechteren Leistungen dieser Saison: „Ja, vielleicht sind wir das auch.“ Man solle nicht nur die besten Auftritte heranziehen, um den eigenen Stand zu beurteilen. Stattdessen sei es wichtig, sich Schwankungen „einzugestehen.“ Dies unterscheidet sich sehr stark von dem „Das können wir besser.“ nach dem Pokalfinale. Wie passt das also zusammen? Was wurde aus dem Tuchel, der kaum damit aufhören konnte, mehr Leistung zu fordern?

Die offensichtlichste Antwort lässt sich mit Blick auf den Kader und die Sommertransfers finden. Gerne wird in dieser Saison von einem starken BVB-Kader gesprochen, mit dem man doch vieles erreichen müsse. Bei solchen Aussagen stehen jedoch oft Einzelspieler – vor allem in der Offensive – im Mittelpunkt. Starke Angreifer ohne Ball oder in ungefährlichen Zonen bringen jedoch relativ wenig. Die wichtigeren Fragen sollten lauten: Sind defensives und offensives Mittelfeld miteinander verknüpft? Hat Dortmund (genug) Spieler, mit denen man das Spiel konstant nach vorne bringen kann, um anschließend gefährlich zu werden?

Und die Antworten darauf sind klar. Die Transfers haben nicht zu einer ambitionierten Ballbesitzmannschaft gepasst. Im Sommer blieb Weigl als der einzig verlässliche Aufbauspieler im Kader. Vor allem fehlt ein spielstarker und erfahrener Achter. Vielleicht ist es ein guter Zeitpunkt, um die eigenen Erwartungen an die Kaderzusammensetzung anzupassen und damit auch die Abgänge von Hummels, Gündogan und Mkhitaryan als das anzunehmen, was sie sind: schwerwiegende Einschnitte. Das sollte – anstatt von emotionalisierten Interpretationen von Traineraussagen – ständig im Mittelpunkt stehen. Natürlich kann mit etwas Glück in den nächsten Monaten noch so manches erreicht werden. Das ist aber bei weitem nicht selbstverständlich. Vor allem die jungen und unerfahren Spieler sind noch nicht in der Lage, konstant Leistung abzurufen. Wenn hoher Anspruch wieder Normalität werden soll, braucht der BVB erstmal Zeit für einen Neuaufbau. Und einen ausgewogeneren Kader.



Kommentar zum Anschlag auf den BVB

Eine Woche nach dem Sprengstoffanschlag auf die Dortmunder Mannschaft war in diesen Tagen viel von Normalität zu lesen. Der Alltag der Spieler solle wieder hergestellt werden, ohne Angstzustände oder Schlafprobleme. Situationen wie vorgestern, als das Team auf dem Weg zum Stadion über eine Viertelstunde im Bus warten musste und Erinnerungen an die vorherige Woche aufkamen, sind daher unbedingt zu vermeiden. Wie dieser Weg Richtung Normalität für die Spieler – nachdem die Ansetzung des Hinspiels direkt am Tag nach dem traumatischen Erlebnis klar falsch war – in Zukunft aussehen könnte, soll an dieser Stelle jedoch von außen nicht beurteilt werden.

Stattdessen geht es in diesem Artikel um eine andere Art der Normalität: die der Öffentlichkeit. Und hier scheint es ganz und gar nicht erstrebenswert, zu bekannten Muster zurückzukehren. Nach der Niederlage am Mittwoch bewertete „ran“ das BVB-Team: „fünfmal Note 5, einmal Note 6.“ An anderer Stelle war von „Versager“ die Rede. Dass dies in Anbracht der letzten Tage überaus geschmacklos ist, steht außer Frage. Aber das „Versager“ berührt noch eine weitere, übergreifendere Art von Reaktionen auf Fußballspiele, die sehr fragwürdig ist: die grenzenlose Wut auf Einzelspieler.

In dem Block, in dem ich in den letzten Jahren einige Spiele von Hannover 96 gesehen habe, gibt es einen sehr eigenen Mann. Häufig springt er von seinem Platz auf und schreit wütend üble Beleidigungen Richtung Spieler; er ist völlig außer sich, weil „Zieler den Ball zu lange hält.“ Achso. Verstörend ist dabei nicht die Kritik an sich, die in seinen Aussagen schon auch irgendwo vorhanden ist, sondern die Grenzenlosigkeit: heftige Schimpfwörter übertreffen sich einfach immer weiter, scheinbar ohne ein Ende.

Der Mann aus dem Niedersachsenstadion und „ran“ haben eine interessante Gemeinsamkeit: beide geben vor, Leistungen von Einzelspielern für sich beurteilen zu können, und folgern daraus klare Standpunkte – sei es in Form eines Zurufs von der Tribüne oder einer Note. Es ist jedoch alles andere als leicht, in einem komplexen Mannschaftssport die Leistungen eines einzelnen Spielers isoliert zu betrachten: zu viele Wechselwirkungen gibt es dafür. Für einigermaßen verlässliche Urteile müsste man sich über 90 Minute auf einen, vielleicht zwei Spieler konzentrieren. Sonst bleiben nur bestimmte – besonders auffällige – Einzelaktionen, gemischt mit einem groben Gesamteindruck.

Aber vielleicht wollen wir das gar nicht. Vielleicht wollen wir gar nicht annehmen, dass Spieler Teil mannschaftlicher und gruppentaktischer Kontexte sind. Vielleicht wollen wir gar nicht verstehen, dass sie verschiedenen Schwankungen unterworfen sind. Vielleicht wollen wir auch überhaupt keine Menschen. Vielleicht wollen wir lieber Maschinen, die konstant und perfekt optimiert funktionieren. Und bitte alle drei Tage. Und die verdienen doch so viel. Vielleicht wollen wir viel lieber feiern, dass Leon Goretzka mit Gehirnerschütterung weiterspielt.

Mehr Menschlichkeit heißt nicht, den Anspruch auf Höchstleistung fallenzulassen. Aber es bedeutet, anzuerkennen, dass dieses Ideal nur schwer konstant zu erfüllen ist. Und wir sollten auch nicht aufhören, Spieler oder Trainer zu kritisieren. Es gibt Szenen, in denen Einzelspieler klare Fehler machen, die man benennen kann – ohne den Respekt für sie zu verlieren. Aber wenn es Normalität ist, reflexartig bei jeder Situation einen einzelnen Sündenbock finden zu wollen und an den Pranger zu stellen, dann lasst uns mal mit dieser Normalität aufhören. Dann lasst uns das mal besser machen.



30 – Gladbach

#erste10minuten: Notizen zu den ersten zehn Minuten des Spiels.

BMG (2-2-2-4): Sommer – Christensen, Vestergaard – Strobl, Dahoud – Elvedi, Wendt – Traoré, Hahn, Stindl, Hofmann

BVB (3-2-5): Bürki – Ginter, Bender, Schmelzer – Castro, Sahin – Durm, Dembélé, Reus, Pulisic, Guerreiro

Dortmunds Linksfokus mit Chipbällen und Rochaden

Gladbach trat zuhause mit einem horizontal und vertikal kompaktem Mittelfeldpressing an. Dagegen baute Dortmund in einer 3-2-5-Struktur auf, bei der Guerreiro meist etwas tiefer, auf der Höhe des zentralen Mittelfelds, spielte, während Durm klar bis in die letzte Linie aufrückte. Dabei gab es auf der linken Seite interessante Rochaden zu sehen. Ginter – sowie die gesamte rechte Seite – wurde im Spielaufbau größtenteils ignoriert: Bender und Schmelzer passten sich die Bälle zu, bis Dortmunds Halbverteidiger die Angriffe fortsetzte. Hier gab vor allem zwei erfolgversprechende Optionen.

Schmelzer spielte entweder Chipbälle im linken Halbraum, die von Pulisic und Guerreiro erlaufen wurden. Oder es gab kurze Pässe mit passende Rochaden zu sehen, bei denen Guerreiro auf dem Flügel aufrückte während sich Pulisic halblinks fallen ließ und den Ball bekam. Dabei boten sich anschließend weitere Passoptionen an, sei es durch den dann etwas aufrückenden Schmelzer oder durch Sahin, der diese kleinen Überladungen im linken Halbraum bzw. Flügel ebenfalls bereicherte. Dortmund drängte den Gegner jedoch nicht klar nach hinten; Gladbach hatte durch einen mutigen Aufbau sogar etwas mehr Spielanteile (46 zu 38 Pässe).

Gladbachs mutiger Spielaufbau, Dortmunds wechselhaftes Pressing

Die Gastgeber hatten große Ambitionen im Spielaufbau. Bei Abstößen positionierten die Innenverteidiger sich breit neben dem eigenen Sechszehner, während sich direkt vor diesem beide Mittelfeldspieler anboten. Mutige Doppelpässe wie LIV-LV-LIV, bei denen Vestergaard dann in den freien Raum aufrückte, sowie tiefe unterstützende Läufe der ZM in Lücken – vor allem von Strobl – unterstrichen dieses Vorhaben.

Dortmund versuchte es mit einem Angriffspressing, das wechselhaft funktionierte. Zunächst orientierten sich Dembélé und Pulisic in einem 5-2-1-2/5-2-3 an Christensen und Vestergaard, wobei der ballferne Spieler von ihnen weit ins Zentrum einrückte, um mit Reus Gladbachs Mittelfeldspieler vor Probleme zu stellen. Teilweise klappte dies ganz gut (z.B. Ballbewinn 2. Minute), aber regelmäßig war entweder Strobl oder Dahoud zumindest potentiell anspielbar. Dies änderte sich auch durch eine tiefere Positionierung Pulisics und eine 5-2-3-artigere Herangehensweise wenig, da Sahin und Castro recht tief blieben.

Gladbach war jedoch – in Bewegungen und Pässen – etwas inkonsequent. In eigenem Ballbesitz schoben die Innenverteidiger regelmäßig nicht immer direkt und klar neben den Sechszehner, sondern blieben weiter innen und vorne, was Dortmund das Pressing erleichterte. Zudem spielten einzelne Spieler lange Bälle, obwohl klare Passoptionen bereitstanden (z.B. Sommer, 6. Minute). Diese konnte der BVB durch Gladbachs gestreckte Staffelungen gut erobern und anschließend die fehlende Kompaktheit gut bespielen. Auch bei hohen Balleroberungen (9., nach Ausrutschen Christensens) kombinierten sich besonders die vorderen drei Spieler sehr clever (Dribblings, Läufe, Pässe) nach vorne.

Fazit: Dortmund zeigte auf der linke Seite durch Rochaden und Chipbälle interessante Ansätze, ohne das Spiel durch Ballbesitz zu dominieren. Gladbach hatte einen mutigen Spielaufbau, der noch konsequenter ausgeführt werden kann.



31 – Köln

Für beide Mannschaften waren vor Spielbeginn Formationen mit Vierer- oder Fünferkette denkbar. Bei Dortmund hätte Schmelzer wie am letzten Spieltag als linker Halbverteidiger in einem 3-2-4-1 mit Durm und Pulisic als Flügelverteidiger auflaufen können. Stattdessen setzte Thomas Tuchel auf ein 4-2-3-1 mit relativ tiefen Außenverteigern sowie Kagawa als Zehner, der Flügelangriffe auf beiden Seiten unterstützte. Bei Köln kann Hector sowohl im zentralen Mittelfeld als auch als linker Flügel- oder Außenverteidiger auflaufen. Die Gäste entschieden sich jedoch ebenfalls für die Viererkette – obwohl die erste Umstellung nicht lange auf sich warten ließ.

Anfangsphase: Flügelangriffe und viel Ballbesitz beim BVB

Köln begann mit einem horizontal kompaktem und relativ raumorientiertem 4-1-4-1-Mittelfeldpressing. Mittelstürmer Modeste orientierte sich an Weigl, um situativ auf den ballführenden Innenverteidiger herauszurücken. Teilweise schob auch ein Achter vor, während sich die Außen durchgehend in den Halbräumen positionierten. Sokratis spielte einige lange Bälle auf den linken Flügel oder Halbraum, z.B. in der 6. Minute, als Aubameyang nach einem Kopfballduell gemeinsam mit Reus RV und RIV aussteigen lassen. Durch situativ höheres Pressing erhielt Köln keinen Vorteil – aufgrund der langen Bälle sowie auch Lupferversuchen von Bürki auf die Außenverteidiger.

Der BVB konzentrierte sich mit Ball klar auf die Flügel. Durm konnte rechts, auch durch die Positionierung Bittencourts im Halbraum, einige Meter mit Ball aufrücken, mit Pulisic vor sich, der die rechte Seite ebenfalls durchgehend besetzte. Letzterer löste mit kurzen Dribblings einige Drucksituationen Richtung Mitte oder Richtung Innenverteidigung auf. Beide erhielten Hilfe durch Kagawa, mit dem teilweise erfolgversprechende Kombinationen möglich waren. Grundsätzlich waren die Angriffe über rechts jedoch relativ vorsehbar. Links gab es durch Castro einen Spieler mehr als links, der Angriffe entweder vorantreiben oder zumindest absichern konnte, sodass auch ein höheres Risiko und direkteres Spiel für Reus möglich war. Nach einer Chance, die durch einen genauen Pass Castros eingeleitet wurde (12.), kombinierten Reus und Kagawa kurz darauf am Sechszehner (14.) – allerdings aus Abseitsposition. Eine Minute später wurde das Tor nach einem Ballverlust Sörensens wieder nur knapp verfehlt (15.).

Links: Dortmunds Aufbau gegen Kölns 4-1-4-1. Rechts: Umstellung zum 5-3-2 sowie Linksüberladungen des BVB.

Umstellung Köln zum 5-3-2

Nach den drei Dortmunder Chancen stellte Köln um. Die Flügelangriffe bereiteten den Gästen einige Probleme, da die Außenverteidiger die Breite abdeckten musste, aber gleichzeitig Spieler in die entstehende Schnittstelle zwischen Außen- und Innenvereidiger eindrangen (v.a. halblinks Kagawa und Reus). Zudem gab es nach Verlagerungen wenig Zugriff auf die doppelt besetzte rechte Seite des BVB, sodass der Ball dort sicher zirkuliert werden konnte. Diese Probleme sollten durch ein 5-3-2 behoben werden, ohne die Vorteile ihres 4-1-4-1 zu verlieren: das Mittelfeld verteidigte weiterhin ballnah horizontal kompakt und erhielt gleichzeitig eine vertikale 1-2-Tiefenstaffelung, sodass selten klar bespielbare Räume entstanden.

Köln verteidigte die Flügel asymmetrisch. Achter Jojic lief häufig Schmelzer an und ließ sich in tiefen Phasen auch teilweise in eine Sechserkette zurückfallen. Auf der anderen Seite orientierte sich meist Flügelverteidiger Hector an Durm. Spekulierte der Kölner auf einen Pass und schob etwas hoch, entstand quasi ein verschobenes 4-4-2, in dem Heintz auch Pulisic leicht auf dem Flügel aufgenehmen konnte. Der Hauptvorteil bestand jedoch in flexiblen, mannorientierten Herausrückbewegungen der Halbverteidiger, besonders in tieferen Phasen. Nun konnten die Läufe der Dortmunder mit einem eher geringen Risiko direkt aufgenommen werden. Allerdings gab es hier auch kleinere Timingprobleme, z.B. in der 27. Minute, als Sörensen zu spät auf Aubameyang herausrückte, der diesen mit Geschwindigkeitsvorteil einfach überlief und auf Reus in vielversprechender Position zurücklegte.

Ballbesitz Köln und Ende 1. Hälfte

Die Umstellung hatte ebenfalls einen großen Effekt auf den Ballbesitz Kölns. Während der Ball zuvor oft etwas hektisch in unpassenden Staffelungen verloren ging, kehrte nun durch weite Verlagerungen ein wenig Ruhe ein. Hierbei reihte sich Pulisic defensiv in Dortmunds letzte Reihe ein. Zudem löste die Fünferkette einige Male Dortmunds Pressing clever vom Flügel Richtung Mitte auf. Nach zentralen Kombinationen (23.), einem Konter (29.) sowie einem Dribbling Bittencourts (32.) kamen die Gäste nun zu einigen Chancen.

Beim BVB leitete Kagawa kurz darauf einen Ball an Reus weiter (34., Grafik unten) – wobei Castros anschließender Kopfball wieder aus Abseitsposition kam. In der Schlussviertelstunde der ersten Hälfte verschob sich Dortmunds Spiel noch stärker nach links: Pulisic war kaum mehr eingebunden und hatte in diesem Zeitraum nur drei Ballkontakte. Direkt nach der Pause kam Reus nach einer Kombination mit Castro halblinks an der Sechszehnergrenze zum Abschluss (46.); die Direktheit im Spiel beider ergänzte sich wieder einmal gut.

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Weigl bewegt sich aus Rudnevs‘ Deckungsschatten und spielt Kagawa an, zu dem sich zunächst weder Sörensen noch Bittencourt orientiert. Der Japaner schirmt den Ball clever ab und leitet af Reus weiter, der diagonal Richtung Zentrum startet. Horn gewinnt das 1v1 (34.)

Veränderter Flügelfokus und 5-4-1-Umstellung Kölns

In der zweiten Hälfte bespielte der BVB beide Flügel wieder gleichmäßiger. Kagawas horizontale Läufe wurden durch eine klarere Positionierung im rechten Halbraum ersetzt. Nach Angriffen über rechts konnte der Raum vor Kölns 5-3-Block, also zwischen Mittelfeld und Stürmern, nun besser für flache horizontale Verlagerungen genutzt werden. Schmelzer rückte nach diesen, wie auch Durm rechts, regelmäßig bis weit in den Halbraum ein. So wurden die Gäste stärker und konstanter an den Sechszehner gedrängt. Dortmund zirkulierte den Ball nun geduldig, verteidigte vereinzelte Konter aufmerksam, aber kam gleichzeitig zu keinen klaren Chance, mit Ausnahme eines Schmelzer-Fernschusses (50.) nach einer ebensolchen Verlagerung.

Nach 55 Minuten stellte Stöger ein weiteres Mal um und ersetzte Rudnevs durch Zoller. Köln verteidigte fortan in einem 5-4-1. Zoller orientierte sich im rechten Mittelfeld an Schmelzer, wodurch die horizontalen Verlagerungen erschwert wurden. Drei Minuten nach der Einwechslung spielte Kagawa, wohl aus Gewöhnung, einen solchen Pass wie zuvor, also beachtete Zoller nicht, der den Ball abfing und konterte. Ginter konnte durch das 5-4-1-nun zwar in den linken Halbraum vorrücken, was aber aufgrund von unpassenden Staffelungen und Passwinkeln nur selten effektiv genutzt werden konnte. Die nun isoliertere Zirkulation auf der rechten Seite führte zu vielen Ecken, die weder für Gefahr sorgten noch den Ball hielten. Gleichzeitig hatte Dortmund weiterhin sehr viele Spielanteile in dieser Phase und drückte Köln tief nach hinten.

Umstellungen BVB und Schlussphase

Nach 66 Minuten kamen Kagawa und Reus für Guerreiro und Dembélé. Letzterer war durch viele Dribblings in unterschiedlichen Räumen präsent. Gerade Kölns Achter, die kurz vor dem Strafraum zuvor gut verteidigten, ließ er dort einige Male für Schüsse (67.) oder gefährliche Pässe (70.) stehen. Gleichzeitig dribblelte er sich auch teilweise fest und leitete Kölns Konter ein (69., 76.).

Nach 74 Minuten wurde Piszczek für Sokratis eingewechselt, wodurch Dortmund nun auch klar formativ umstellte. Piszczek und Schmelzer waren die Halbverteidiger in einem 3-2-4-1, wobei Castro sich gerade gegen Ende der Partie fast durchgehend hoch im rechten Halbraum aufhielt. Auf der rechten Seite lag nun auch ein klarer Fokus. Zudem waren links einige interessante Rochaden von Pulisic und Guerreiro zu sehen. Letzterer gab zunächst am Flügel Breite, rückte aber bei Rochaden situativ bis weit ins Zentrum ein. Beide wurden durch Schmelzer abgesichtert, der mögliche Gefahren durch hervorragendes Gegenpressing entschärfen kann. In den letzten Minuten tauschten Pulisc und Dembélé die Seiten.

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Rochaden auf links: nach einer weiten Verlagerung von Dembélé spielte Guerreiro Schmelzer an und rückt dann in den Halbraum ein. Pulisic bewegt sich gleichzeitig auf den Flügel und erhält den Ball von Schmelzer (83.).

Nach einem langen Diagonalball von Piszczek traf Guerreiro kurz vor Ende fast per Kopf (90.+2), aber grundsätzlich war auch die Schlussphase chancenarm. Der BVB löste kurze höhere Pressingphasen der Kölner sehr gut und geduldig auf, aber hatte wenig Mittel gegen das tiefe Verteidigen. Dortmund spielte insgesamt eine solide Partie, die mit etwas mehr Glück auch drei Punkte eingebracht hätte. Köln hatte anfangs große Probleme mit Dortmunds Flügelangriffen, erarbeitete sich nach Umstellung einige eigene Chancen und verteidigte in Durchgang zwei tief, mit wenig Ballbesitz und sichtlich mit einem Punkt zufrieden.



32 – Hoffenheim

In der Vorschau auf das Spiel haben wir beim Yellow Wall Pod diskutiert, dass es offene Fragen in Bezug auf die strategische Ausrichtungen beider Mannschaften gibt. Dortmund könnte wie oft den Spielaufbau des Gegner mit einem Angriffspressing verhindern, aber es wäre auch möglich, tiefer zu attackieren. Beide Möglichkeiten bestehen auch mit Ball: wird versucht, spielerisch zu dominieren, oder fällt die Wahl auf einen Konteransatz? Und auch für Hoffenheim, die nach Bayern und Dortmund den drittmeisten Ballbesitz der Liga haben, wäre auswärts im Westfalenstadion eine reaktivere Herangehensweise denkbar.

Außerdem haben wir eine 1-2-Staffelung gegen Rudy und Hoffenheims Dreierkette besprochen. In einem 5-2-1-2 könnte Kagawa sich am Sechser der Gäste orientieren, um situativ auf Vogt vorzurücken, während Aubameyang und Reus die Halbverteidiger anlaufen. Zudem hätte man im eigenen Spielaufbau mit drei Verteidigern einen numerischen Vorteil gegen zwei Stürmer. Allerdings legte der Aufstellungsbogen eine Stunde vor Spielstart eine Viererkette nahe. In Abwesenheit von Durm schienen Piszczek und Schmelzer Außenverteidiger in einem 4-3-3 zu spielen.

Ausrichtung BVB & frühes Tor

Im Gegensatz zu letzter Woche spielte der BVB jedoch diesmal nicht wie vermutet mit einer Vierer-, sondern mit einer Dreier- bzw. Fünferkette, in dem Schmelzer zum zweiten Mal als linker Halbverteidiger neben Ginter und Sokratis auflief. Castro und Dembélé positionierten sich als Doppelzehn hoch in den Halbräumen vor Weigl in einem 3-1-4-2 , während Piszczek und Guerreiro die Flügel besetzten. Aubameyang und Reus bildeten die Doppelspitze. Damit wurde ein ähnlicher Ansatz wie in der Schlussphase gegen Köln gewählt (siehe Analyse oben).

Hoffenheim attackierte in ihrem 5-3-2 erst kurz vor der Mittellinie. Bereits direkt nach Spielbeginn zeigten sich interessante Wege für Dortmund, dieses Pressing zu bespielen. Nach einem Pass von Schmelzer auf Guerreiro rückte Kaderabek mit etwas Verzögerung auf diesen heraus und versperrte dabei Pässe nach innen, in den linken Halbraum. Reus, der sich in diesem Raum aufhielt, bewegte sich allerdings zum Flügel und bekam einen einfachen flachen Vertikalpass von Guerreiro. Letzterer rückte daraufhin diagonal in den Halbraum vor, wo er wieder von Reus angespielte wurde. Währenddessen startete Castro einen Vertikallauf in den zuvor von Reus besetzten Raum – in der Lücke, die zwischen Süle und Vogt entstand. Guerreiro lupfte dorthin, während Reus nun diagonal nach innen startete, den Ball von Castro an Sechszehnerrand bekam und dann das 1:0 erzielte. Obwohl die Weiterleitung von Castro nicht geplant schien und Reus aus einer Abseitsposition traf, zeigte die Szene, wie der BVB mit Rochaden auf den Flügeln Gefahr erzeugen konnte. Gegen das mannorientierte Herausrücken war dies sehr effektiv. Insbesondere das Einrücken von Guerrerio war bereits letzte Woche sehr prägend (siehe Analyse oben).

Die beschriebenen Rochaden vor dem 1:0 (4. Minute).

Dortmunds Pressing

Das frühe Tor passte zu Dortmunds strategischer Ausrichtung. Mit Ball wurde zwar wurde weiterhin geduldig aufgebaut und nur in einzelnen, besonders vielversprechenden Situationen schnell nach vorne gespielt. Aber gegen den Ball war nicht wie üblich ein Angriffs-, sondern ein hohes Mittelfeldpressing zu sehen. Der BVB presste hierbei in einem 5-2-1-2, sodass die im Vorfeld diskutierte Variante doch zutraf, allerdings mit Dembélé statt Kagawa. Letzterer hätte immer wieder zwischen 6 und IV variieren können, mit einer exzellenten Nutzung des Deckungsschattens. Dembélé hatte im Vergleich dazu eine simple Rolle: er nahm Rudy in Manndeckung und rückte nur selten vor. Die Dreierkette wurde stattdessen fast komplett von Aubameyang und Reus beschäftigt. Beide waren dabei recht aktiv und versuchten nicht etwa nur Vertikalläufe der Halbverteidiger zu verhindern, sondern schnitten diese regelmäßig von den anderen zwei Verteidigern ab.

Inbesondere Aubameyang ging rechts ins Risiko, sodass Hübner auf dieser Seite teilweise mit Ball aufrücken konnte, dann aber von Aubameyang eingeholt wurde. Dies wäre links gegen Süle kritischer, da dieser solche Situationen sehr gut für genau Flachpässe nutzen kann. Hübner spielte regelmäßig hohe Bälle in den linken Halbraum Richtung Wagner, was Dortmund gut verteidigte. Und auch einfache Pässe auf die Flügelverteidiger führten, durch die direkten Gegenspieler Piszczek und Guerreiro, nur selten zu Ballbesitz in höheren Zonen.

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Dortmunds 5-2-1-2-Mittelfeldpressing gegen Hoffenheims Aufbau

Im Mittelfeld konnte Hoffenheim das mannorientierte Pressing des BVB jedoch etwas besser nutzen. Weigl und Castro spielten gegen Kramaric und Demirbay, also ohne weiteren Spieler hinter sich, der den Raum vor der Fünferkette durchgehend hätte besetzen können. Vor allem Kramaric bot sich regelmäßig tief im linken Halbraum an. Dies führte zu unangenehmen Staffelungen für Dortmund: Weigl musste den Sechserraum weit verlassen, während Castro diesen Raum ebenfalls nicht konstant besetzen konnte, da Demirbay sonst anspielbar wäre. Dies nutzte Wagner immer wieder, indem er sich halblinks oder zentral in offene Räume fallenließ und Bälle ablegte. Obwohl die breite Positionierung der Achter und das anschließende Fallenlassen eines Stürmers grundsätzlich großes Potential gegen eine mannorientierte Doppelsechs hat, hatte Hoffenheim dadurch (halb)links zwar etwas Ballbesitz, aber kam kaum in gefährliche Zonen.

Mittelfeld- statt Angriffspressing

Durch Dortmunds Pressinghöhe war grundsätzlich eine vertikale Kompaktheit vorhanden. Daher waren die Abstände relativ kurz, sodass speziell Piszczek, Ginter und Schmelzer entweder ein Fallenlassen direkt aufnehmen konnten oder zumindest auf freie Spieler herausrückten. Halblinks verfolgte Schmelzer teilweise Demirbay, während sich Piszczek oder Ginter auf der anderen Seite situativ an Kramaric orientieren, und auch Wagner und Uth wurden regelmäßig aufgenommen. Also wurden die Nachteile einer mannorientierten Doppelsechs gewissermaßen einfach durch noch mehr Mannorientierungen abgeschwächt.

Der mannorientierte Ansatz des BVB wurde zudem durch tieferes Pressing erleichtert: im Laufe der ersten Hälfte zog sich der BVB noch etwas weiter zurück, sodass die Hoffenheimer Dreierkette bis einige Meter vor der Mittellinie aufrücken konnte. Dadurch fand sich der Gegner in vertikal – und auch horizontal – noch kompakteren Staffelungen wieder, in denen selten bespielbare Räume offen waren. Eine mannorientierte Doppelsechs ist in einem Angriffspressing weitaus anfälliger bzw. risikoreicher: aufgrund der geringen vertikalen Kompaktheit – die gesamte gegnerische Hälfte muss abgedeckt werden – können entstehende Lücken schwieriger geschlossen werden. Im Gegensatz dazu konnten Einzelspieler in Dortmunds Mittelfeldpressing immer wieder weit herausrücken und wurden dabei gut abgesichert. Hierbei war insbesondere die Abstimmung der Fünferkette sehr passend.

Fazit

Hoffenheim hatte wenig Mittel gegen die Spielweise des BVB. Im der zweiten Hälfte kamen die Gäste sogar zu einem deutlichen Ballbesitzplus mit 298 zu 192 Pässen, aber erarbeiten sich keine gefährlichen Chancen. Die Partie erinnerte dabei stark an den 1:0-Sieg gegen Bayern am 11. Spieltag: nach einem frühen Tor (11. Minute), verteidigte man damals ebenfalls in einem 5-3-2-Mittelfeldpressing mit großem Laufaufwand insbesondere von Götze. Gegen die TSG war es zentral, Rudy aus dem Spiel zu nehmen. Die Dreierkette konnte dabei den Ball tief zirkulieren lassen, fand jedoch kaum Anschluss ins Mittelfeld und in gefährliche Zonen. Nach dem Dortmunder Sieg besteht nur eine zwei-Punkte-Vorsprung auf die direkten Konkurrenten, sodass Platz drei durch einen konzentrierten Endspurt in den letzten beiden Partien ein greifbarer Nähe ist.

 

 

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Dortmunds Rückrunde 2016

Nachdem Thomas Tuchel den BVB ab Sommer 2015 zu einer dominanten Ballbesitzmannschaft formte, die eine beachtliche Hinrunde spielte, war die Rückrunde sogar noch erfolgreicher: 40 Punkte, nur vier Unentschieden und eine Niederlage – und wieder die meisten erzielten Toren der Liga (35). In diesem Artikel soll besonders die Entwicklung des 3-2-4-1 nachgezeichnet werden, welches die Rückrunde prägte. Die Vorgehensweise ist dabei ist ähnlich wie die der Analyse der Hinrunde, wobei es diesmal nicht alle, sondern nur einige Spiele in zwei Teilen gibt, dafür aber mit detaillierteren Einzelteilen.


Teil 1

Spiel Beschreibung
Vorbereitung Dreierkettenideen mit Park
19 – Ingolstadt Schwierigkeiten gegen intensives Pressing
22 – Leverkusen Knapper 1:0-Sieg mit Unterbrechung
EL – Porto Debüt einer klaren 3-2-4-1-Formation
23 – Hoffenheim Später Sieg gegen zehn Hoffenheimer
 weiter zu Teil 2

Vorbereitung

In der Vorbereitung gab es einige auffällige Positionierungen im Vergleich zur Hinrunde zu sehen. Die Grundformation blieb weiterhin 4-2-3-1, 4-3-3 oder Mischformen dazwischen. Im Spielaufbau kippten die Achter aber seltener zwischen Innen- und Außenverteidiger heraus, sondern spielten zentraler. Selbst wenn Innenverteidiger bis zum Mittelkreis aufrücken konnten, blieben die Außenverteidiger nur etwas vor ihnen. Also gab es statt des 2-3-5/2-3-4-1-artigen Aufbaus der Hinrunde nun eine tiefe Viererkette zu sehen. Dies hing jedoch auch von der Personalwahl ab: Schmelzer spielte wie zuvor höher als Piszczek. Ginter hingegen bekam keine Minuten als Rechtsverteidiger, sondern war ausschließlich im zentralen Mittelfeld zu finden.

Am auffälligsten war allerdings Joo-Ho Park, der bislang, seit seinem Wechsel im Sommer aus Mainz, nur selten auflief. Der Südkoreaner spielte in der Vorbereitung generell schon tief, ließ sich dann aber zudem situativ auf die Höhe der Innenverteidiger fallen und rückte in den Halbraum, wie im Testspiel gegen Frankfurt:

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Vergleichbare Bewegungen gab es – besonders, wenn es wenig Anspielstationen im Zentrum gab – auch rechts von Piszczek. Dadurch ist entweder ein einfacher Pass möglich oder das Fallenlassen wird verfolgt, sodass das gegnerische Pressing auseinandergezogen wird. Während die Innenverteidiger dabei ihre Position dabei hielten, kam es auch zu klaren Dreierkettenbildungen in tieferen Phasen:

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Diese situative Umformung bot Torwart Bonmann eine weitere Anspielstation gegen hohes Pressing Frankfurts. Im Laufe der Saison sollte eine klare Formation aus dieser Idee werden – allerdings mit tiefem Piszczek halbrechts, während Schmelzer links weit aufrückte.

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19 – Ingolstadt

Im ersten Heimspiel der Rückrunde hatte Dortmund von Spielbeginn an große Probleme mit der Passzirkulation auf nassem Rasen gegen Ingolstadts mannorientiertes, zentrumsfokussiertes, leicht asymmetrisches Angriffspressing, das aus einer 4-3-3/4-3-2-1-Grundordnung gegen den Ball rautenartig mit tiefem Mittelstürmer und hohen Flügelspielern in den Halbräumen gespielt wurde und den einzig freien Passgebern, Bürki und Sokratis, wenig Möglichkeiten – nur situativ die Außenverteidiger – ließ. Daher wurden sehr häufig lange, hohe Pässe gespielt: regelmäßig auf Ramos, der von rechts in den Halbraum ein- und aufrückte. Speziell die Mannorientierungen auf Weigl, Kagawa und Hummels unterbanden die zentrale Spieleröffnung. Ganz selten konnten Mkhitaryan und Kagawa (halb)links kominieren, während die ohnehin relativ spielschwache rechte Seite nicht durch Gündogan aufgefangen werden konnte, der diesmal fehlte.

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Gleichzeitig gab es weniger klare Aufbausituationen als normalerweise; Ingolstadt gelang es, den BVB mit langen, hohen Bällen in dessen eigenen Hälfte – meist auf dem linken Flügel – in Kopfballduelle und Zweikämpfe zu verwickeln. Zwar konnten sich die Gäste kaum durchsetzen, aber sie erarbeiten sich immer wieder zweite Bälle und Einwürfe, wodurch sie ein Aufrücken Dortmunds verhinderten. Konnte sich der BVB doch befreien, rückte Piszczek regelmäßig relativ unbedrängt auf, spielte aber oft hastige Pässe auf Ramos oder in Richtung Sechzehner. Hier wurde die Chance verpasst, den Gegner nach einer schnellen Befreiung mit Pässen einzuschnüren statt Durchbrüche zu suchen. Zur Pause hatte Dortmund nach einer chancenarmen Hälfte nur eine Passgenauigkeit von 67%, im letzten Drittel gleichviele Pässe wie Ingolstadt sowie nur fünf bzw. zwei angekommene Pässe von Ramos und Aubameyang.

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Im zweiten Durchgang wagte der BVB zwar vermehrt tiefere Passzirkulation und verlagerte den Fokus zudem von links nach rechts, aber hatte dennoch kaum Konstanz im Herausspielen, sodass nach zehn Minuten Kagawa und Weigl durch Castro und Leitner (beide als Achter) ersetzt wurden, die sehr passsicher wirkten. Nun wurde wieder meist der rechte Flügel bespielt, wohin Mkhitaryan weit einrückte und später ganz wechselte. Allerdings konnten von dort kein Cut-Backs oder Lupfer gespielt werden, sondern es wurden simple, hohe Flanken versucht, die fast durchgehend nicht ankamen oder bereits beim Versuch geblockt wurden. Das Spiel lief so weiter, bis es nach etwa 70 Minuten hitziger wurde und vor allem im zweiten Drittel stattfand, mit nur wenig Spielfluss.

Kurze Zeit später orientierter sich Rechtsaußen Leckie vermehrt an Durm, während Dortmunds rechte Seite offenener war. Vor dem 1:0 (77.) dribbelte Hummels vor, um Piszczek rechts freizuspielen, mit weiten Wegen für Ingolstadts Achter und diesmal einer Flanke, die ankam: bei Aubameyang. Vor dem 2:0 (86.) war es ein weiter Ball auf Mkhitaryan, den dieser ins Zentrum legte, wo Castro Aubameyang in Szene setzte. Nach vielen schwierigen Phasen gewann der BVB doch mit zwei Toren Unterschied.

BVB: Bürki – Piszczek, Sokratis, Hummels, Durm – Ginter, Weigl (55. Castro), Kagawa (55. Leitner) – Ramos (68. Pulisic), Aubameyang, Mhkitaryan

FCI: Özcan – da Costa, Matip, Hübner, Bauer – Christiansen, Roger, Morales – Hartmann (71. Lex), Lezcano (88. Cohen), Leckie (81. Bregerie)

BVB 2:0 (0:0) FCI – 1:0 Aubameyang (77.), 2:0 Aubameyang (86.)

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22 – Leverkusen

Dortmund startete in Leverkusen mit einer sehr ungewöhnlichen Aufstellung: Bender spielte als Sechser in einem 4-3-3 hinter den Achtern Leitner und Ginter, während Pulisic sein Startelfdebüt auf dem linken Flügel feierte. Bender und Ginter sind eine außergewöhnlich zweikampfstarke aber auch wenig spielstarke Variante, also eine Entscheidung, Leverkusens Pressing nicht mit besonders viel Spielstärke entgegenzutreten, sondern sich auf Duelle einzulassen. Im Spielaufbau ließ sich Bender konstant zwischen die beiden Innenverteidiger fallen, die daraufhin breit bis sehr breit auffächerten. Dadurch entstanden 3-4-3-artige Staffelungen. Die Außen- bzw. Flügelverteidiger spielten dabei verhältnismäßig tief, und der Raum vor der Dreierkette wurde nicht ballfordernd von zurückfallenden Achtern besetzt, sondern blieb nach Benders Abkippen regelmäßig frei (rot in Grafik).

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Gegen diesen Aufbau pressten Kießling und Chicharito etwas nach rechts versetzt in Leverkusens 4-4-2/4-2-2-2- Angriffspressing, wodurch Hummels nur selten anspielbar war. Stattdessen bekam höchstens Sokratis Bälle. Dieser wurde dann zwar meist schon von Kießling verfolgt, aber Linksaußen Bellarabi rückte ebenfalls raus: er positionierte sich zwischen Piszczek und Sokratis und lief den Griechen regelmäßig an. Währenddessen rückte Rechtsaußen Mehmedi weit ein, sodass 4-3-3-artige Staffelungen entstanden. Diese Asymmetrie mit hohem ballnahen und tiefem, eingerückten ballfernen Außen gab es später auch andersherum bei Angriffen über Dortmunds linke Seite. Rechts spielte Sokratis oft lange, hohe Bälle Richtung Mkhitaryan oder auch Aubameyang. Diese wurden zwar relativ selten festgemacht, aber Leverkusen konnte auch nicht klar aufbauen, sondern kämpfte um zweite Bälle. Zudem waren in einigen Situationen flache Bälle von Sokratis auf Piszczek möglich, die Letzterer oft ebenfalls flach den rechten Flügel zu Mkhitaryan oder Aubameyang runterspielte. Hatte Bender den Ball, glichen dessen Passmuster denen von Sokratis. Die linke Seite wurde weniger eingebunden. Hier gab es selten – meist flache – Pässe von Durm auf Pulisic auf dem Flügel. Diese Bälle auf den Außen waren auf beiden Seiten besonders effektiv, wenn die gegnerischen Außenverteidiger zuvor rausrückten und daher die Innenverteidiger den angespielten Spieler verfolgen mussten und so weit rausgezogen wurden. Allerdings wurden die Ballstafetten insgesamt durch den beschriebenen Aufbau nur kurz gehalten. Daraus sollte außerdem klar sein, dass das zentrale Mittelfeld kaum in die Ballzirkulation eingebunden war.

Dortmund lief Leverkusen meist in einem hohen Mittelfeldpressing an. Aubameyang orientierte sich an dem ballführenden Innenverteidiger, während Leitner zwischen dem tieferen zentralen Mittelfeldspieler und dem anderen Innenverteidiger variierte. Dadurch entstanden defensiv 4-4-1-1-artige Staffelungen. Teilweise liefen die Flügelspieler die situativ herauskippenden Mittelfeldspieler oder teilweise tiefen Außenverteidiger an. Leverkusen versuchte es mit Ansätzen von tiefer Ballzirkulation, spielte sich aber nicht aus den meist auftretenen 3-gegen-2-Situationen heraus. Stattdessen schlug meist ein Innenverteidiger oder Leno mit zunehmenden Druck einen langen Ball. Manchmal landeten diese auf dem linken Flügel; meist war jedoch Kießling der Zielspieler. Dieser machte einige Bälle fest und setzte das Spiel dann regelmäßig auf dem linken Flügel fort. Jedoch gab es auch sehr viele knappe Duelle, woraufhin keine der beiden Teams den Ball klar festmachen konnte. Diese häufigen Ballbesitzwechsel und Zweikämpfe im zweiten Drittel waren typisch für das gesamte Spiel. Oft endeten kurze Kombinationen auf den Flügeln, wo nach Einwürfen erneut knappe Duelle um den Ball begannen. Ab der Mittellinie und tiefer presste Dortmund in ihrem für Viererketten üblichen 4-1-4-1, in dem Leitner als linker Achter in die Mittelfeldreihe zurückrückte. In den letzten zehn Minuten des ersten Durchgangs tauschten Bellarabi und Mehmedi die Seiten, woraufhin sich auch die Leverkusener Ballzirkulation mit Bellarabi etwas nach rechts verschob. Gleichzeitig konnte sich Dortmund nun auch durch Pässe von Hummels auf Durm befreien, die Letzterer auf Leitner ablegte. Anschließend konnte der oft offene rechte Flügel für Verlagerungen genutzt werden. In einer ähnlichen Situation kurz vor der Pause vergab Aubameyang nach einigen Abprallern frei aus etwa zehn Metern – in einer ansonsten sehr chancenarmen Halbzeit.

Nach der Pause hatte Dortmund etwa zwanzig Minuten lang deutlich mehr Ballbesitz als die Gastgeber: etwa zwei Drittel. Mit der Einwechslung Reus‘ für Pulisic (46.) änderte sich die Formation und der Spielaufbau. Hummels, Sokratis und Piszczek bauten vor der Doppelsechs Bender-Ginter in einer klaren 3-2-Struktur das Spiel auf. Leitner nahm eine eigentümliche Rolle ein. Defensiv spielte er zwar als rechte Acht (Wechsel von links) und offensiv im Laufe der Angriffe zentral (gestrichelte Linie in Grafik), aber – insbesondere im tieferen – Spielaufbau positionierte er sich in der Nähe Mkhitaryans auf dem rechten Flügel, entweder etwas tiefer als der Armenier oder etwas weiter innen. Dadurch hatte man, sollte einer der beiden erfolgreich angespielt werden, eine 2-gegen-1-Situation gegen Wendell. Der Ball bleib jedoch zum Großteil bei der Dreierkette. Leverkusens Stürmer spielten weiterhin etwas versetzt und mit asymmetrischen 4-3-3-Tendenzen, wobei sie sich mehr auf den Sechserraum konzentrierten und so Sokratis mehr Zeit am Ball hatte, die er allerdings wenig nutzen konnte. Dies lag aber auch an den beiden zentralen Mittelfeldspieler Ginter und Bender, die den Spielaufbau nicht erleichterten; besonders bei hohem Druck sind beide anfällig für Ballverluste und generell auch wenig beweglich oder pressingresistent. Dadurch hatte auch Hummels Probleme, Anspielstationen vor ihm zu finden. Im Laufe der – seltenen – Angriffe konnte Dortmund aber mehr Druck über den eingewechselten Reus auf links ausüben. Zudem rückte Leitner dann ins Zentrum. Trotz des großen Ballbesitzes blieb das Spiel jedoch relativ ausgeglichen.

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Währenddessen nutzte Leverkusen den wenigen Ballbesitz hauptsächlich auf den Flügeln. Links hatte man mit Bellarabi und Wendell zwei extrem dribbelstarke Spieler, die teilweise in für Dortmund gefährliche 2-gegen-2-Situationen kommen konnten. So – mit anschließendem Doppelpass mit Chicharito – entstand die erste große Chance des Spiels (51.). Beim BVB spielte Bender unter Gegnerdruck einen Fehlpass, gewann den Ball jedoch gerade noch zurück (64.). Den anschließend schnell ausgeführten Freistoß nutzen Reus, Durm und Aubameyang für einen blitzschnellen Konter. Diese Szenen steht gewissermaßen symbolisch für das Spiel des BVB: dieser Besetzung liegt temporeiche Angriffe mehr als Spielaufbau gegen einen Gegner mit starkem Pressing.

Nach dem Tor verwies Schiedsrichter Zwayer Leverkusens Trainer Roger Schmidt wegen Reklamierens auf die Tribüne. Dieser blieb jedoch unten, woraufhin Zwayer das Spiel für knapp zehn Minuten unterbrach. Dadurch war der Spielfluss raus; kurz danach wurde Weigl für Bender eingewechselt (69.). Allerdings gab es nur noch wenig klare Aufbausituationen. Leverkusen hatte bis zum Ende über 60% Ballbesitz, während Dortmund relativ tief in einem 4-4-1-1 verteidigte. Weiterhin waren kaum Chance im Spiel. Als der BVB einmal auf die Innenverteidiger presste, spielte Ramalho einen Fehlpass und Dortmund konterte: Reus vergab im 1-gegen-1 gegen Leno (87.). Eine Minute später gab es einen weiteren Konter. Kurz vor Abpiff konnte kein Borusse den Ball auf der linken Seite klären, sodass Leverkusen eine Gleichzahlsituation hatte. Chicharito schoss aus etwa 11 Metern knapp vorbei. So reichte es für einen knappen Dortmunder Sieg in einem von vielen Mittelfeldduellen geprägten Spiel.

BVB: Bürki – Piszczek, Sokratis (77. Subotic), Hummels, Durm – Ginter, Bender (69. Weigl), Leitner – Mkhitaryan, Aubameyang, Pulisic (46. Reus)

B04: Leno – Jedvaj (57. Hilbert), Tah, Toprak (46. Papadopoulos), Wendell – Bellarabi, Kramer, Kampl (46. Ramalho), Mehmedi – Chicharito, Kießling

B04 0:1 (0:0) BVB – 0:1 Aubameyang (64.)

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EL – Porto

Im anschließenden Spiel gegen Porto in der Zwischenrunde der Europa League spielte Dortmund zum ersten Mal mit einer klaren 3-2-4-1-Formation, die große Teile der Rückrunde prägen sollte. Nachdem bereits in der Vorbereitung mit Dreierkettenbildungen durch Park experimentiert und der BVB in Leverkusen mit einer Art 3-4-3 durch Abkippen Benders agierte, gab es in Porto zum ersten Mal eine Umformung mit Schmelzer. Der Linksverteidiger spielte defensiv in der Viererkette und rückte offensiv weit vor, auf die Höhe des offensiven Mittelfelds. Das ist mit sehr hoher Laufarbeit verbunden, was Schmelzer aber liegt. Gleichzeitig rückte Reus in den linken Halbraum ein, um neben Kagawa als eine Art Doppelzehn zu spielen. Hummels schob in den linken Halbraum oder auf den Flügel, während Ginter rechts eine ähnliche Position einnahm. Mkhitaryan blieb auf rechts breit, sodass eine klare 3-2-4-1-Staffelung entstand.

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Vereinfacht kann man sagen, dass rein formativ aus dem 2-3-4-1-Aufbau der Hinrunde nun ein 3-2-4-1-Aufbau wurde, also ein Tausch der ersten und zweiten Linie. Sowohl von den Anspielmöglichkeiten und Bewegungen unterscheiden sich beide Formationen aber natürlich stark. Ein Vorteil ist der erschwerte Zugriff auf Dortmunds Halbverteidiger, besonders bei breiter Positionierung. In den letzten Jahren hat man bei einigen Vereinen regelmäßiges Abkippen eines Sechsers gesehen, während der ballführende Innenverteidiger unter Druck aufrückt, und, leicht nach außen gedrängt, höchstens einen Flügelspieler, isoliert in der Seitenlinie, anspielen kann. Der Aufbau des BVB hingegen setzt bewusst auf die Spielstärke der Verteidiger und kommt besonders Hummels entgegen: der Rechtsfuß kann aus bereits breiter Positionierung nach innen gerichtet aufrücken und hat den Großteil des Spielfelds im Sichtfeld, wodurch er Mitspieler durch genaue Pässe im Zwischenlinienraum oder anderen Lücken erreichen kann.

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23 – Hoffenheim

Gegen Dortmunds neuem 3-2-4-1/3-2-5-Aufbau rückte der ballnahe Hoffenheimer Stürmer aus einem hohen 5-2-1-2/5-2-3-Mittelfeldpressing diagonal auf den jeweiligen Halbverteidiger raus, während der andere zwischen Halbraum und Zentrum den einen defensiven Mittelfeldspieler übernahm und Amiri den anderen. Subotic zentral wurde freigelassen. Selten rückte einer der Hoffenheimer Sechser (meist Strobl) ebenfalls raus; meist orientierten sie sich klar an Kagawa und Reus. Diese Pressingmechanismen (und der generelle Halbraum- und Zentrumsfokus davon) leiteten Dortmund auf die Außen: nach häufiger tiefer Passzirkulation nahm Piszczek regelmäßig etwas Dynamik für Flügelangriffe auf. Diese wurden alternativ durch seltene diagonale flache Pässe aus dem defensiven Mittelfeld in den rechten Halbraum auf Kagawa ermöglicht. Dadurch gab es rechts kleinere Kombinationsansätze von beiden mit dem hervorragenden Mhkitaryan, wobei diese meist in ungenauen (aber potentiell gefährlichen) diagonalen Passversuchen hinter die Abwehr mündeten. Alternativ spielte meist Sahin weite, hohe Diagonalbälle auf Schmelzer, die dieser hineinflankte oder direkt spielte statt Hoffenheim einzuschnüren.

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Bei Hoffenheim spielte Baumann besonders anfangs viele lange, hohe Bälle, aber die Gäste bauten teilweise auch unter Druck tief auf und und kamen über die Außen zu Angriffsversuche. In einer Phase, als diese abklangen, trafen die Gäste nach einer schlechten Abwehr Bürkis (25.). Kurz darauf parierte er hervorragend nachdem eine kurze Ecke Dortmunds in einem Konter endete. Etwa in der 36. Minute stellte Tuchel auf 4-2-3-1 um, was Nagelsmann sehr schnell mit einem etwas tieferem 5-4-1 konterte und so Zugriff auf Dortmunds Aufbau behielt. Nach einem Dribbling Mkhitaryans hatte Reus die erste große Chance per Freistoß (43.), in einer ansonsten chancenarmen ersten Hälfte.

Zur Pause kam Gündogan für Kagawa, und der BVB stellte auf ein 4-3-3 um. Sechser Weigl spielte dabei recht tief, kippte situativ ab bzw. Bender rückte auf, sodass auch teilweise 3-2-4-1-ähnliche Strukturen entstanden. Sahin ging als halblinker Achter etwas unter. Der Fokus lag weiterhin auf dem starken Mkhitaryan, der auch durch direkte Pässe von Gündogan oder Subotic gesucht wurde. Hoffenheim hatte im 5-4-1 wenig Zugriff auf Dortmunds defensive Halbräume – die Außenspieler liefen eher selten durch – bei gleichzeitig regelmäßig hoher Abwehrkette, sodass der Ballführende genug Zeit und Raum hatte, um derartige Bälle zu spielen. Kurz nach der Pause gewann Weigl einen „loose ball“ am gegnerischen Sechszehner und legte ihn auf Gündogan weiter, der bis zum Elfmeterpunkte dribbelte und dann den Pfosten traf (48.). Hoffenheims Konter waren weiterhin gefährlich (z.B. 52.), wurden aber im Laufe der Zeit seltener.

Nach Rudys roter Karte (57.) spielten die Gäste im ungewöhnlichen 5-4, aus dem die zentralen Mittelfeldspieler zwar teilweise herausrückten, aber dennoch nur wenig Druck auf die Gastgeber ausgeübt werden konnte. Beim BVB gab es die 3-2-4-1-Struktur mit abgekippten Weigl immer konstantner zu sehen, mit nun auch hohem Piszczek, während Mkhitaryan und Reus den linken bzw. rechten Halbraum besetzten. Dortmund schnürrte Hoffenheim zwar ein, kam aber zu keinen Chancen. In der 74. Minute wurden daraufhin Leitner und Ramos für Sahin und Weigl eingewechselt. Daraus ergab es sich eine asymmetrische Formation. Schmelzer spielte oft wie ein Halbverteidiger, rückte aber teilweise mit auf. Sowohl Leitner als auch Reus hatten Hybridpositionen: Leitner spielte als Sechs neben Gündogan, rückte dann aber weit auf, und Reus spielte auf der Höhe der Außen im rechten Halbraum und wechselte dann regelmäßig in die letzte Linie.

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Nach einer kurzen Ecke (s. Grafik unten) gelang dem BVB der späte Ausgleich (80.) und direkt danach der Führungstreffer, durch einen Pass von Gündogan auf Piszczek, der hoch auf Ramos zurücklegte (85.). Anschließend ging Hoffenheim mit mehr Risiko auf das Unentschieden und kassierte noch das 3:1.

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BVB: Bürki – Piszczek, Subotic, Bender – Weigl (74. Ramos), Sahin (74. Leitner) – Mkhitaryan, Kagawa (46. Gündogan), Reus, Schmelzer – Aubameyang

TSG: Baumann – Kaderabek, Schär, Süle, Bicakcic, Toljan – Strobl, Rudy – Amiri (63. Polanksi) – Uth, Volland (72. Hamad)

BVB 3:1 (0:1) TSG – 0:1 Rudy (25.), 1:1 Mkhitaryan (80.), 2:1 Ramos (85.), 3:1 Aubameyang (90.+2)

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Teil 2

Spiel Beschreibung
28 – Bremen Torreicher Sieg gegen viele Mannorientierungen
29 – Schalke 2:2-Unentschieden im Revierderby
30 – Hamburg Erst absichernd, dann dominant gegen 9 Hamburger
Pokalfinale Knappe Niederlage im Elfmeterschießen
Fazit Abschließende Gedanken

28 – Bremen

Werder Bremen versuchte es in Dortmund mit tiefem, mannorientiertem und zentrumsfokussiertem 5-3-2-/5-2-1-2-Mittelfeldpressing, das durch die Mannorientierungen abhängig von den Bewegungen des BVB unterschiedlich auseinandergezogen wurde. Grillitsch verfolgte Mkhitaryan in klarer Manndeckung überall hin, während sich die Achter an Weigl und Castro orientierten. Nach einer kurzen Findungsphase, in der Schmelzer noch tief spielte, rückte dieser auf und Dortmund baute wieder in einem asymmetrischen 3-2-4-1 mit häufigen Halbraumüberladungen auf der linken Seite auf. Reus konnte sich dadurch im letzten Drittel, nach mannschaftlichem Aufrücken, komplett auf risikoreiche Durchbrüche ausrichten – auch durch die Aufrückbewegugen von Bender und die gute Positionsfindung von Castro als linkem Achter, der viele Bälle bekam und gut zwischen hohen Verlagerungen und direkten, flachen Weiterleitungen (oft Richtung Reus) variierte. Reus‘ Ausrichtung war in diesem Kontext – im starken Gegensatz zum zweiten Drittel bzw. Unterzahlsituationen (speziell zur Mitte des ersten Durchgangs) – gut eingebunden und abgesichert. Zwei Großchancen (15., 23.) folgten nach anschließenden flachen Diagonalbällen auf Durm, der, ähnlich wie Ginter in der Hinrunde, im letzten Drittel weit diagonal und torgerichtet einrückte.

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Bremen hatte einen starken Rechtsfokus (49% der Angriffe); regelmäßig spielten sie lange, hohe Bälle Richtung Yatabaré, der offensiv auf den rechten Flügel auswich. Es gab aber auch kombinative Ansätze, die jedoch gegen Dortmunds asymmetrisches 5-2-2-1-Pressing mehrmals in gefährlichen Kontern endeten (23., 39.). Währenddessen konnten die Borussen offensiv in der gesamten Halbzeit den ballfernen Werderstürmer auf beiden Seiten oft in die Mitte ziehen, durch die fünf sehr präsenten Spieler in der Dreierkette und dem defensiven Mittelfeld – je 81 bis 90 Ballkontakte; andere BVB-Spieler: alle weniger als 44 – sehr stabil immer wieder den ballfernen Halbverteidiger freispielen, der anschließend mit Ball aufrückte (siehe gestrichelte Elipsen oben). Nach etwa nach einer halben Stunde orientierte sich Junusovic stärker an Weigl, und Fritz sicherte vermehrt ab, wodurch Bremen zwar eine bessere Absicherung gegen Dortmunds Linksüberladungen und zentrale Angriffe hatte, aber, speziell nach guten Einrückbewegungen Weigls, nun noch weniger Zugriff auf den rechten Halbraum bekam, in dem Piszczek noch häufiger aufrückte. Der Halbverteidiger war hier in seinem Passspiel recht stabil, aber nicht herausragend – mit einigen Geistesblitzen – und setzte die Angriffe manchmal clever über den dann oft nach innen dribbelnden Mkhitaryan fort. Flügelangriffe zu zweit von Piszczek und Durm waren weniger erfolgreich: zusammen agierten sie entweder zu hektisch-durchbrechend oder spielten sich fest – ohne verbindenen Achter in der Nähe, der diese Situationen hätte auflösen und Angriffe fortführen können.

Die erste Viertelstunde nach der Pause war weiterhin von viel Ballbesitz des BVB (63%) geprägt. Dabei waren die Gastgeber stabil und dominant in der Ballzirkulation und Positionierung, aber nicht unbedingt druckvoll. Bremen hatte, stärker als im ersten Durchgang, kurze Phasen mit etwas höherem Pressing, besonders nach gegnerischen Einwürfen, Abstößen oder eigenen Ballverlusten. Beispielweise in der der 53. Minute gingen die Gäste nach eigenem Abschlag auf den zweiten Ball, aber nach einer direkten Weiterleitung von Reus auf Mhkitaryan konnte der Armenier Aubameyang in einer 3v4-Situation in Szene setzen – 1:0. Es war auffällig, dass Bremen zwar aufrückte, aber im situavien höheren Pressing selten mit anderen Mannschaftsteilen nachschob: in der 59. Minute konnte Dortmund eine tiefe 5v3-Situation leicht ausspielen, was in einer Großchance für Durm resultierte. Hier waren Schmelzers nun vermehrt tiefe Positionierungen von Vorteil: die Gäste müssten die Flügelverteidiger weit hochschieben, um Zugriff zu erhalten.

Nachdem Bremen nach einer Stunde mehr Ballbesitz hatte, versuchte der BVB es mit Kontern bzw. Schnellangriffen gegen die nun höhere Stellung der Gäste. Mit einem Tor hätte man das Spiel beenden können, drängte Bremen aber gleichzeitig nicht nach hinten. In der 65. Minute stellte Bremen durch einen offensiven Wechsel – Öztunali für Garcia – auf eine Viererkette um. In der ersten Ballbesitzphase der Gäste im zweiten Durchgang holen sie zwei Ecken raus, von denen Castro eine unglücklich ins eigene Tor abfälschte (69.) Einige Minuten später dribbelte Öztunili Bender aus und passte flach zu Junusovic, der zum 1:2 einschiebt (73.). Fünf Minuten später bestrafte Dortmund die Mannorientierungen Bremens: Gebre Selassie verfolgte Reus weit, der clever den Passweg für Castro öffnete. Dieser spielte einen perfekten Flachpass auf Schmelzer, der den Ball flach und scharf an die Fünferkante zu Kagawa zurücklegte – 2:2.

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Der BVB stellte in der 80. durch die Einwechslungen von Pulisic und Ramos (für Reus und Schmelzer) um. Die Besetzung der Räume ähnelte der zuvor, wobei klar offensivere Akteure diese ausfüllten. Ramos spielte zentraler und höher als Reus, Kagawa tiefer als Mkhitaryan und der Armenier fortan derweil als linker Außen- bzw. Flügelverteidiger. So wurde aus die Besetzung im Zentrum und den Halbräumen aus einem 3-2-2-1 eher ein 3-2-1-2. Pulisic konnte beim starken Rechtsfokus – im Gegensatz zu Durm – viele Dribblings und Dynamik einbringen, flanken und Ecken rausholen, von denen eine Ramos zum 3:2 verwandelte (82.) und der BVB so noch gewann.

BVB: Bürki – Piszczek, Ginter, Bender – Weigl, Castro – Durm (74. Kagawa), Mkhitaryan, Reus (80. Pulisic), Schmelzer (80. Ramos) – Aubameyang

SVW: Wiedwald – Gebre Selassie, Galvez, Vestergaard, S. Garcia (65. Öztunali), Sternberg – Yatabaré, Fritz, Grillitsch – Junusovic, Ujah

BVB 3:1 (0:0) SVW – 1:0 Aubameyang (53.), 1:1 Galvez (69.), 1:2 Junosovic (75.), 2:2 Kagawa (77.), 3:2 Ramos (82.)

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29 – Schalke

Mit acht Wechseln begann Dortmund auf Schalke in einer Grundordnung, die durch Kagawas Rolle zwischen einem 5-2-2-1 (wie in den letzten Spielen) und einem 5-3-2 varrierte. Die Formation ist hier als Fünferkette angegeben, da es nur selten Phasen gab, in denen Schalke über längere Zeit nach hinten gedrängt wurde und so klare 3-2-4-1- oder 3-3-4-Staffelungen hätten auftreten könnten. Kagawa variierte zwischen einer Rolle im linken, offensiven Halbraum – etwa auf einer Höhe mit Pulisic – und der tiefer als linker Achter neben Leitner. Schalke versuchte es dagegen in einem leicht asymmetrischen 5-2-3 / 5-4-1. Sané presste dabei höher (gegen Hummels) als Belhanda auf der anderen Seite. Höjbjerg orientierte sich an Leitner, während Geis, abhängig von Hunterlaars Bewegungen, auf Sahin herausrückte. Dann hatte im Prinzip jeder Schalker einen Gegenspieler, was es schwer für den BVB gemacht hat. Allerdings gab auch selten diese klaren Aufbausituationen, da Schalke ebenfalls die Abstöße so komplett zustellte, woraufhin Bürki weit abschlug.

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Dadurch ergab sich ein ausgegliches Spiel, in dem Schalke vor allem über rechts und der BVB über links angriff. Es gab regelmäßige Spielunterbrechungen und Ballbesitzwechsel, aber keine Konter und stattdessen viele Szenen im zweiten Drittel. Nach einer chancenarmen Anfangsphase wirbelte Pulisic das Spiel mit dynamische Läufen auf (z.B. 13.). Allerdings war die Ballzirkulation durch das Zentrum schwer, da, auch aufgrund der neuen Besetzung, Mitspieler nicht erreicht werden konnten. So konnte das Spiel nicht wie üblich aufgebaut werden. Bürki schlug oft weit Richtung Ginter, der am rechten Flügel auf Höhe der Mittellinie versuchte, Kopfballduelle zu gewinnen. Auch Ramos wurde regelmäßig adressiert. Später positionierte sich Kagawa auf dem linken Flügel (s. Grafik) und ermöglichte direkte Pässe aus der Abwehrkette, um dem Zentrum zu entkommen, worauf Schalke nicht vorbereitet war. Dennoch dominierte Dortmund das Spiel nicht wie eine Ballbesitzmannschaft; die Spielanteile waren recht ausgeglichen verteilt, mit 52 zu 48 Prozent in der ersten Hälfte.

Schalke baut mit einer breiten Dreierkette auf, die von Dortmund asymmetrisch angelaufen wurde. Zentrale Pässe auf Geis und Höjbjerg wurden durch das zentrale Fünfeck des BVB verhindert (siehe unten). Bei Pässen auf den linken Halbverteidiger (Neustädter) rückte Pulisic heraus, während Leitner den ballnahen Sechser zustellte und Kagawa ballfern einrückte. Bei Pässen auf den rechten Halbverteidiger (Riether) lief Kagawa diesen an, mit dem ballnahen Sechser im Deckungsschatten. Dortmunds ballnahe Verteidiger orientierten sich an den jeweiligen Gegenspielern. Ein Vorteil war zudem, dass Matip den Ball zwar gut hielt und verteilte, aber Fährmann dahinter schnell zu langen Bällen griff – außer bei sehr geringem Druck und sehr offenen Passwegen. Der BVB verteidigte so sehr stabil gegen Schalkes Rechtsfokus. In der 33. Minute konnte sich die Heimmannschaft ausnahmsweise durchspielen und kam zudem noch zu einer weiteren Chance (40.) in einer ansonsten ruhigen und chancenarmen erste Halbzeit.

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Zur zweiten Halbzeit kam Mkhitaryan für Hummels und spielte als rechter Flügelverteidiger. Ginter und Bender schoben eine Position nach hinten bzw. innen, als Halb- bzw. Innenverteidiger, wodurch die Formation weiterhin ein 5-2-2-1 / 5-3-2 blieb. Nun gab es vermehrt Angriffe über die rechte Seite, bei denen Kagawa sich zentral oder sogar im rechten Halbraum aufhielt und so das 1:0 (49.) sowohl einleitete als auch erzielte. Schalke spielte weiterhin mit einem Rechtsfokus und kombinierte sich in der 51. Minute durch, und Sané erzielte nach einem Abpraller den Ausgleich. Mkhitaryan und Kagawa spielten weiterhin sehr dominant, und der Armenier holte einige Ecken und Freistoße raus, wie vor dem 1:2 (56.). Danach gab es nach Vorstößen Schalkes Probleme, sich herauszuspielen; durch das Fehlen Hummels‘ mangelte es an einem klar spielmachenden Akteur in der ersten Linie. Dies wurde durch einige flache Staffelungen in der letzten Linie erschwert, wodurch der Ball teilweise nur kurz gehalten wurde. Kurz darauf stieg Sokratis ungestüm ein und verursachte den Elfmeter zum 2:2 (66.), als Schlusspunkt von in torreichen zwanzig Minuten nach der Pause.

Nach einer Stunde stellte Schalke durch die Einwechslung Meyers (für Caicara) von der Fünferkettte auf ein 4-2-3-1 um. Der BVB war in dieser Phase etwas dominanter, aber es gab insgesamt wenig Spielfluss. In der 73. Minute stellte der BVB durch einen Doppelwechsel (Gündogan und Aubameyang für Leitner und Pulisic) ebenfalls um, auf ein 4-3-3 mit Ramos auf dem linken Flügel und Ginter als Rechtsverteidiger. Gündogan spielte sehr dominant mit vielen Dribblings, was zu großen Chancen führte (77. & 84.). Zwar blieb es letztendlich beim 2:2, aber das Spiel hat wieder einmal die Bedeutung von Hummels, Gündogan und Mkhitaryan unterstrichen. Die drei Spieler sind zentral für das Dortmunder System und veränderten durch ihre Einwechslungen (bzw. bei Hummels: Auswechslung) die Spieldynamik. Zum jetzigen Zeitpunkt häufen sich die Gerüchte und es ist nicht klar, ob sie über den Sommer hinaus beim BVB bleiben werden.

S04: Caicara (60. Meyer), Riether, Matip, Neustädter, Kolasinac (75. Aogo) – Geis, Höjbjerg – Sané, Hunterlaar, Belhanda (82. Choupo-Moting)

BVB: Ginter, Bender, Sokratis, Hummels (46. Hummels), Durm – Leitner (73. Aubameyang), Sahin – Pulisic (73. Gündogan), Ramos, Kagawa

S04 2:2 (0:0) BVB – 0:1 Kagawa (49.), 1:1 Sané (51.), 1:2 Ginter (56.), 2:2 Hunterlaar (66.)

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30 – Hamburg

Gegen den HSV spielte Dortmund in einem asymmetrischen 4-2-3-1 mit tiefen Außenverteidigern. Besonders auffällig war dies links, wo Passlack auch im Laufe der Angriffe nicht aufrückte und der Flügel vor ihm konsequent von Pulisic besetzt war. Kagawa positionierte sich meist im linken offensiven Halbraum, ließ sich aber auch regelmäßig fallen oder kam Passlack und Pulisic auf dem Flügel zur Hilfe. Rechts stoß Ginter zwar mit Ball bzw. im Laufe der Angriffe vor, nahm aber sonst ebenfalls eine tiefe Position ein. Vor ihm bot sich Castro bei Angriffen über rechts teilweise kurz auf dem Flügel an; meistens war jedoch im Halbraum zu finden. Durch diese Positionierungen – besonders durch die tiefen Außenverteidiger und die doppelte Flügelbesetzung links – war der BVB auf Absicherung ausgerichtet.

Der HSV variierte gegen den Ball zwischen Mittelfeld- und Angriffspressing. Im 4-4-2-Mittelfeldpressing verperrten die Stürmer gut die Pässe ins Zentrum und insbesondere zu Sahin. Der Mittelfeldblock war dabei horizontal kompakt und öffnete Pässe auf die Außenverteidiger. Dorthin schoben die Hamburger besonders auf Dortmunds linker Seite sauber und stellte die ballnahen Passoptionen zu. Nach Verlagerungen nach rechts lief dann Ilicevic regelmäßig Gündogan an, verhinderte dessen Drehung und lief teilweise durch bis zu Bender. Dadurch gab es einige Übergänge ins Angriffspressing. Meistens wurde dies jedoch anders gespielt: besonders bei Abstößen rückte Kacar hierbei auf Sahin vor, sodass sich die Stürmer in 4-1-3-2-Staffelungen klar an Bender und Hummels orientieren konnten mit weiteren losen Mannorientierungen.

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Dortmund baute anfangs besonders über die linke Seite auf und verlagerte anschließend nach rechts auf Ginter, der sehr viel Platz hatte und sehr oft flankte (5., 6., 7., 19., 21., 36.). Links waren die Angriffe vorhersehbar; besonders Pulisic ging regelmäßig in Unterzahldribblings, die er zwar selten gewann, aber dabei abgesichert war. So wurde der HSV nur selten konstant nach hinten gedrängt. Außerdem gab es im Zentrum zwischen erster und letzter Linie wenig Präsenz – mit Ausnahme von einigen Vertikalläufen Gündogans – und zudem verperrte der HSV die Passwege gut, sodass der BVB auch zu einigen Passversuchen – flach und hoch – direkt zu Ramos griff. Meist endeten die Angriffe allerdings auf den Flügeln. Von hier befreite sich der HSV mit Verlagerungen auf den ballfernen Außenverteidiger teilweise recht gut (meist links). Zudem gab es schnelle Kombinationen im Zentrum und den Halbräumen, wie bei der Großchance der 18. Minute nach einem der erwähnten langen Bälle Richtung letzte Linie.

Der BVB presste vor der Mittellinie im 4-4-2, formte sich aber kurz dahinter zu einem tiefem 4-1-4-1-Mittelfeldpressing um, was besonders in einer Ballbesitzphase der Gäste um die 25. Minute auftrat. Das, genauso wie die Positionierung Kagawas mit Ball, erinnerte an das 4-2-3-1/4-3-3-Mischsystem der Hinrunde. Die Qualität des Hamburger Ballbesitzes fiel allerdings deutlich gegenüber den Umschaltsituationen ab. In der 36. Minute unterlag Bender ein technischer Fehler, sodass Schipplock eine Großchance vor Bürki auf dem Fuß hatte, diese allerdings vergab. Kurz darauf traf Pulisic nach einer kurzen Ecke (38.). In den zehn Minuten vor der Pause verwickelte der HSV die Dortmunder in körperliche Duelle im zweiten Drittel. Aus einer solchen Situation schickte Sahin Ramos, der nach cleverer Einzelaktion zum 2:0 traf (44.) – obwohl es auch genauso gut hätte 0:2 zur Pause stehen können.

Die zweite Halbzeit begann mit sehr vielen Umschaltsituationen und offenen Stellungen. Die Gäste rückten auf, während der BVB auf das 3-2-4-1  umgestellte und oft rechts über Bender angriff. Gleichzeitig agierter der HSV kombinativer. Nach einer roten Karte für Adler (52.) schnürrte Dortmund das Hamburger 4-4-1-0 größenteils ein. Die Passzirkulation lief gut, und Castro und Kagawa ließen sich immer wieder kurz fallen. Hummels agierte als eine Art Libero mit 1-3- oder 1-4-Staffelungen. Der HSV versuchte es mit einigen Unterzahlkontern, hatte aber nun eine sehr große Distanz bis zum gegnerischen Tor. In der 75. Minute stellte der BVB durch einen Doppelwechsel um. Zudem musste Ekdal kurz danach verletzt den Platz verlassen, wobei die Gäste schon dreimal gewechselt hatten und fortan in einem 4-4-0-0 weiterspielten. Nach vielen Dortmunder Chancen fiel am Ende noch das 3:0 durch Ramos (86.).

BVB: Bürki – Ginter (75. Schmelzer), Bender, Hummels, Passlack – Gündogan (65. Leitner), Sahin – Castro (75. Aubameyang), Kagawa, Pulisic – Ramos

HSV: Adler – Sakai, Cleber, Spahic, Ostrzolek – Ekdal, Kacar (54. Drobny) – Müller (67. Gregoritsch), Holtby, Ilicevic – Lasogga (35. Schipplock)

BVB 3:0 (0:0) HSV – 1:0 Pulisic (38.), 2:0 Ramos (44.), 3:0 Ramos (86.)

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Pokalfinale

Der BVB trat im Pokalfinale mit einem neuen 5-3-2 im Angriffs- bzw. hohem Mittelfeldpressing an. Die Fünferkette stand dabei meist auf der Höhe der Mittellinie, wobei die Flügelverteidiger durch die hohe und breite Positionierung von Costa und Ribéry sich nicht ebenfalls konstant hoch positionieren konnten. Auf Dortmund linker Seite erschwerte besonders Müllers Position das Herausrücken, da dieser nah bei Hummels, und Costa nah bei Schmelzer spielte. Durch Bayerns Asymmetrie wurde vor allem die rechte Seite bespielt. Links schob Alaba neben die beiden Innenverteidiger, sodass Piszczek keinen Zugriff hatte. Gleichzeitig gab es durch die Dreierkette Breite in der ersten Linie und Unterzahl für Reus und Aubameyang, die daher nicht ausreichend Druck ausüben konnten, um hohe Ballgewinne zu erzielen. Vidal positionierte sich vor der ersten Linie in einem formativen Loch des BVB, was zu einer schwierigen Situation führte. Wenn er frei blieb, konnten sich die Bayern über ihn gut befreien. Schieb Castro raus, war meist Lahm frei und Schmelzer hatte kaum Zugriff auf ihn. Presste Weigl hoch, gab es ungünstige 2-1-Staffelungen und ein Loch im zentral vor der Fünferkette. Und wenn Reus oder Aubameyang ballfern etwas tiefer auf Vidal schoben, war Boateng oder Alaba freizuspielen. Zudem gab es keinen Druck auf Neuer, der einige Situationen gut lösen konnte. Insgesamt hatte der BVB also eine klare Unterzahl und nicht ausreichender Zugriff für hohe Ballgewinne. Gleichzeitig verschob Dortmund recht ordentlich, zwang Bayern zu einigen langen Bällen oder Fehlpässen und ließ kaum Chancen zu – allerdings steht zur Diskussion, ob nicht eine mutigere Herangehensweise gegen Bayerns tiefen Aufbau möglich gewesen wäre.

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Die Müchener liefen den BVB in einem 4-2-3-1-Angriffspressing an. Müller orientierte sich hierbei klar an Weigl, während die Außen auf den ballnahen Halbverteidiger rausrückten. Der ballferne Außen ließ sich anschließend fallen und stärkte das Zentrum. Lewandowski orientierte sich an Sokratis und lief immer wieder Bürki an. Der Dortmunder Torwart schlug in diesen Situationen den Ball meist lang nach vorne; bei kurzen Abstöße folgte ebenfalls schnell ein langer Schlag oder der Ball ging oft auf dem Flügel verloren – außer Mkhitaryan löst Engen auf. Das ist zwar relativ üblich gegen hohes Pressing in dieser Saison, allerdings drängt sich die Frage auf, ob nicht eine klare Entscheidung für tiefe Ballzirkulation und entsprechende Strukturen und Mechanismen, besonders wenn Bayern, zum Beispiel nach Ballverlust, schlecht gestaffelt war, in diesem Spiel häufiger möglich gewesen wären. Die Schnellangriffe hingegen schienen relativ logisch: hatte Dortmund den Ball im zweiten Drittel, wurde dieser nicht gesichert, sondern versucht, Gleichzahlsituationen auszuspielen. Einige Male hätte es dadurch fast Durchbrüche gegeben, aber ebenso wie Bayern hatte der BVB in der Anfangsphase keine Chancen.

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Nach 22 Minuten stellte Tuchel auf ein 4-4-1-1 um: Bender schob ins defensive Mittelfeld links neben Weigl, die Flügelverteidiger wurden zu Außenverteidigern, während Reus auf den linken und Mkhitaryan auf den rechten Flügel wechselte und Castro als Zehner mit Aubameyang vor ihm als einzige Spitze spielte. Dadurch hatte man besonders mit Bender mehr Absicherung gegen Müller und Bayerns rechten Halbraum und Flügel. Mit der Viererkette war es jedoch schwerer, die Breite abzudecken und Zugriff auf Ribéry und Costa nach Verlagerungen zu bekommen. Dadurch konnten die Münchener Dortmund leichter nach hinten drängen. Bayern passte daraufhin ebenfalls das Pressing an: Thiago orientierte sich an Weigl, Müller stattdessen an Bender, und Costa schob neben Lewandowski, um zusammen beide Innenverteidiger anlaufen zu können. Zudem gab es nun mehr Chancen: Lewandowski verpasste nur knapp einen Abpraller nach Schuss von Costa (33.); nach einem Dribbling von Schmelzer leitet Castro auf Reus weiter (35.). Durch die Änderung gab es allerdings keine klaren Vorteile für den BVB.

Nach 38 Minuten stellte Tuchel ein weiteres Mal um: diesmal auf ein 5-4-1. Bender rückte wieder zurück in die letzte Linie, als Innenverteidiger zwischen Hummels und Sokratis, und Castro spielte eine Linie tiefer. Kurz danach hätte Ribéry nach einem Gerangel rot sehen können, was das Spiel wohl stark beeinflusst hätte. Insgesamt war die erste Halbzeit allerdings chancenarm. Bayern kontrollierte das Spiel mit 61,8% Ballbesitz, während Dortmund keine klaren Durchbrüche hatte, und beide nicht zu guten Abschlüßen kamen. In der zweiten Hälfte hatte Bayern noch mehr Ballbesitz. Während sie in Halbzeit eins mit 224 zu 112 angekommenen Pässe doppelt so viel wie der BVB hatten, waren es in Halbzeit zwei mit 283 zu 93 etwa dreimal so viel wie die Dortmunder. Die Borussen verteidigten nun tiefer als zuvor, zum Großteil in der eigenen Hälfte, wurden aber nicht konstant eingeschnürt. Eigene Konterversuche und Kombinationen brachten jedoch wenig Gefahr. Im Pressing war es nun eine Mischung aus 5-4-1 und dem 5-3-2 vom Anfang. Reus lief, insbesondere bei höherem Pressing, auch immer wieder Kimmich an, ließ sich aber einige Meter vor dem eigenen Strafraum die die Kette fallen (s. Grafik). Spätestens ab der 75. Minute nahm er durchgehend die tiefe Position ein.

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Dortmund verteidigte mit recht mannorientiertem Pressing solide, während die Münchener im Laufe des Spiels keine neue Ideen entwickelten, um einen klaren Vorteil zu haben. Nur positionierte sich Alaba regelmäßig höher und hinterlief Ribéry vereinzelt; Vidal kippte selten ab. Die verletzungsbedingten Wechsel – Durm für Schmelzer (70.) und Ginter für Hummels (78.) – änderten wenig am Spielverlauf. Nach 90 Minuten hatten beide Mannschaften einen xG-Wert von 0,6 – also etwa je ein halbes Tor. Dies spiegelt recht gut das chancenarme Spiel wider. Während Bayern einige Halbchancen hatten, von denen auch eine mit etwas Glück reingehen könnte, hatte Dortmund kurz vor Ende der regulären Spielzeit vor allem eine einzelne Großchance: nach einem Dribbling von Sokratis flankte Piszczek in die Mitte auf Aubameyang, wobei der Ball kurz vor dem Schuss aufsprang und der Gabuner über das Tor schoss. In der Verlängerung verteidigte Dortmund mit schnell schwindenen Kräften und nur 38 (zu 217) angekommenen Pässen. Das Elfmeterschießen brachte schließlich den Pokalsieg für Bayern München.

FCB: Neuer – Lahm, Kimmich, Boateng, Alaba – Vidal, Thiago – Costa, Müller, Ribéry (108. Coman) – Lewandowski

BVB: Bürki – Piszczek, Bender, Sokratis, Hummels (78. Ginter), Schmelzer (70. Durm) – Mkhitaryan, Weigl, Castro (106. Kagawa) – Aubemeyang, Reus

FCB 0:0 (0:0) BVB (n.V.), 4:3 im Elfmeterschießen.

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Fazit

Nach der erfolgreichen Hinrunde im 2-3-4-1-Aufbau mit hohen Außenverteidigern blieb Borussia Dortmund nicht auf der Stelle stehen, sondern entwickelte sich stetig weiter. In einem sehr interessanten 3-2-4-1-System und einer starken Besetzung wurden viele Gegner durch gut strukturiertes Ballbesitzspiel dominiert. In der Rückrunde landete man knapp hinter Guardiolas Bayern, gegen die man sich auch im Pokalfinale geschlagen geben musste. Und leider bleib dem BVB auch in der Europa League nach einer bitteren Halbfinalniederlage in Liverpool eine Trophäe verwehrt. Dies soll jedoch die Leistung der Saison 2015-16 nicht schmälern: Dortmund hat sich wieder als klare zweite Kraft im deutschen Fußball etabliert und sich zu einer der besten Ballbesitzmannschaften Europas entwickelt.

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Dortmunds Hinrunde 2015

Nach sieben erfolgreichen Jahren mit zwei Meisterschaften und einem Pokalsieg verließ Jürgen Klopp den BVB im Sommer 2015. Dies bedeutete nicht nur das Ende einer Ära, sondern auch einen klaren strategischen Wechsel: nach dem Pressing- und Konterfokus der vergangenen Jahre konzentrierte sich Thomas Tuchel sofort auf strukturiertes Ballbesitzspiel. Mit Mix aus 4-2-3-1 und 4-3-3 in dem Großteil der Spiele erzielte man die meisten Hinrundentore der Bundesliga (47) und verlor nur drei Spiele – spätestens am Ende der Saison war Borussia Dortmund wieder fest als zweite Kraft des deutschen Fußballs etabliert.

In diesem Artikel soll dieser Neuanfang dargestellt werden: zu jeder Bundesligapartie gibt es eine Analyse, die den Kern des jeweiligen Spiels knapp in etwa 400 Wörtern und mit einigen Grafiken verständlich machen soll. Diese Texte können quasi als einzelne taktische Spielberichte für sich betrachtet werden. Genauso gut hätte es klar um übergreifende Entwicklungen gehen können – hier soll jedoch chronologisch Spiel für Spiel analysiert werden, mit nur einigen eingestreuten Vergleichen und Einordnungen.

Da Dortmund ein Ballbesitzteam mit einem recht konstanten Spielanteil von über 60 Prozent ist, gibt es keine generellen Formationen mit Laufwegen beider Mannschaften. Stattdesssen wird das Spiel mit Ball sowie das gegnerische Pressing dargestellt, entweder in schematischen Abläufen oder bestimmten Szenen. Dabei gibt es einen Fokus auf den BVB, weswegen die Namen der Gegenspieler nicht in den Grafiken, sondern übersichtshalber erst weiter unten auftauchen, was diese aber natürlich nicht weniger wichtig macht.

Neben Positionierung werden insbesondere Passwege, bestimmte Phasen und Chancen eingebaut. Die Daten stammen von WhoScored.com. Wechsel nach der 85. Minuten, die einen geringen Einfluss auf das Spiel haben, werden übersichtshalber nicht angegeben. Eine Mannschaftsanalyse vom ersten Monat ist übrigens bei Spielverlagerung zu finden. In diesem Artikel gibt es vier Teile und Sprunglinks, die die Navigation in der doch recht großen Zeitspanne von der Vorbereitung im Juli bis zum 17. Spieltag im Dezember 2015 erleichtern sollen, sodass abschnittsweise gelesen werden kann.

 


Teil 1

Spiel Beschreibung
Vorbereitung Zentraler Spielaufbau, späte Einbindung der Außenverteidiger.
01 – Gladbach Klarer Auftaktsieg gegen ungenaue Staffelungen Gladbachs.
02 – Ingolstadt  Viele Chancen gegen Ingolstadts Angriffspressing.
03 – Hertha  5-4-1-Mittelfeldpressing und offene Schlussphase.
weiter zu Teil 2

Vorbereitung

Thomas Tuchel legte von Anfang an einen klaren Fokus auf das Ballbesitzspiel, mit vielen verschiedenen Spielformen im Training. In den Testspielen kristallisierten sich dann relativ schnell bestimmte Aufbaumechanismen und Passmuster heraus, wie hier gegen die Johor Southern Tigers aus Malaysia (7.7.15, grob skizziert):

Die Passwege unterscheiden sich deutlich von dem recht üblichen Einbeziehen der Außenverteidiger: die Innenverteidiger spielen sich den Ball zu und wollen das Spiel mit kurzen Pässen über den Sechser eröffnen. Zudem bieten die Achter eine weitere Passoption und positionieren sich in Lücken zwischen den Linien. Die Flügel werden zum Großteil ignoriert; die Außenverteidiger haben im Spielaufbau nur selten den Ball. Also gibt es eine klare Spieleröffnung über das Zentrum und die Halbräume, durch relativ kurze, flache Pässe.

Auch der Sechser bezieht die Außenverteidiger kaum ein, sondern passt in Ball weiterhin zentral, über die Achter oder den Mittelstürmer/Zehner, der sich kurz fallenlässt. Mit geduldiger Ballzirkulation gibt es so wenige Situationen, in denen einzelne Spieler den Ball isoliert am Flügel haben. Im Laufe der Saison gab es immer wieder Flügelüberladungen, bei denen sich bewusst viele Spieler auf den Außen positionierten – aber nur sehr selten waren Außenverteidiger früh am Flügel größerem Druck ausgesetzt.

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01 – Gladbach

Dortmunds Bundesligasaison begann mit vielen Linksüberladungen. Die meisten Spieler positionierten sich regelmäßig im linken Halbraum und Flügel, während Sokratis (und Gündogan) mittig blieb und ausschließlich Piszczek rechts Breite gab. Reus – oder Mhkitaryan, bei regelmäßigen Positionswechseln – rückte von rechts extrem weit ein. Links konnte der Ball sicher zirkuliert werden. Auf lange Bälle wurde bis auf Ausnahmen verzichtet. Grundsätzlich lief der Spielaufbau von den Innenverteidigern jeweils direkt zu Weigl oder Gündogan. Weigl besetzte den Sechserraum zentral oder halblinks, während Gündogan halbrechts zwischen Sechser- und Achterraum wechselte. Kagawa spielte eine Mischung aus Zehner und linker Acht und ließ sich auch immer wieder in den Sechserraum fallen. Durch seine Bewegungen variierte die Formation zwischen 4-2-3-1 und 4-3-3.

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Gladbach trat im 4-4-2-Mittelfeldpressing an, das sich schnell zurückdrängen ließ und so zu einem Abwehrpressing wurde. Das sonst eigentlich sehr kompakte, raumorientierte Pressing Favres Mannschaft wurde durch weites, mannorientiertes Herausrücken einzelner Spieler – vor allem von Xkaka auf Gündogan – weit auseinandergezogen. Durch gleichzeitige tiefe, mannorientierte Positionierungen der Flügelspieler entstanden teilweise sehr ungewöhnliche und problematische Staffelungen mit tiefen Außen und hohen Sechsern. Dies nutzte der BVB sehr clever: Gündogan rückte rechts heraus, startete Lockangriffe, besonders mit Piszczek, die ein Verschieben Gladbachs provozierten. Anschließend verlagerte er nach links auf Hummels oder Kagawa. Beide hatten große Räume vor sich, die immer wieder – und besonders deutlich vor dem 1:0 (15.) – genutzt werden konnten, um langsame oder ungenaue Verschiebebewegungen und dadurch offene Staffellungen Gladbachs zu bespielen. Der BVB führte relativ schnell, nach etwa einer halben Stunde, mit 3:0. Eine Umstellung der Gäste auf 4-4-1-1 änderte wenig.

Gladbach hatte große Probleme damit, strukturierte Angriffe aufzubauen. Durch die Überladung des linken Flügels und Halbraums hatte der BVB im Falle des Ballverlustes eine bereits kompakte Staffelung, um gegenzupressen. Und auch Aufbauversuche nach eigenen Abstößen waren schwierig: Kagawa rückte neben Aubameyang in ein 4-4-2-Angriffspressing, mit dem beide Innenverteidiger und Sommer angelaufen wurden. Kam Gladbach über die Mittellinie, formierte sich Dortmund in einem 4-1-4-1/4-5-1-Mittelfeldpressing. Kagawa hatte also nicht nur offensiv eine Hybridrolle, sondern auch defensiv. Besonders die zentralen Mittelfeldspieler nahmen dabei immer wieder einzelne Mannorientierungen auf. Diese Abläufe blieben im Laufe der Hinrunde mit einigen Ausnahmen relativ konstant.

BVB: Bürki – Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Gündogan, Weigl, Kagawa – Mkhitaryan, Aubameyang, Reus

BMG: Sommer – Jantschke, Schulz, Christensen, Wendt – Traoré, Stindl, Xhaka, Johnson – Drmic, Raffael

BVB 4:0 (3:0) BMG – 1:0 Reus (15.), 2:0 Aubameyang (21.), 3:0 Mkhitaryan (33.), 4:0 Mkhitaryan (50.)

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02 – Ingolstadt

Aufsteiger Ingolstadt spielte mit einem stark ballorientierten und kompakten 4-3-3-Angriffspressing. Zwar wurden Dortmunds Innenverteidiger meist nur von dem Mittelstürmer angelaufen, der den jeweils ballführenden zur Seite drängte, aber dahinter rückte der Rest der Mannschaft weit mannorientiert auf, sodass der BVB ab dem ersten Pass am eigenen Sechszehner vor Probleme gestellt war. Der ballferne Außen der Gastgeber rückte zudem sehr weit ein, um Dortmund auf einem Flügel mit vielen Spielern gegen die Seitenlinie zu pressen. Ingolstadt agierte dabei mannorientiert, insbesondere die Achter, die sich oft an Gündogan und Kagawa orientierten, aber auch immer wieder Weigl anliefen. Sechser Roger hatte eine recht tiefe Grundposition vor der Viererkette, was auch mannorientiertes Herausrücken seiner Mitspieler erleichterte, verließ diese jedoch regelmäßig, da er seine Gegenspieler ebenfalls weit verfolgte oder versuchte, ein Herausspielen Dortmunds aus kompakten Pressingstaffelungen direkt zu unterbinden.

Der BVB hatte einige Probleme mit dieser Spielweise und etablierte nur sehr selten Ballbesitz in der gegnerischen Hälfte. Sowohl die Viererkette als auch das Dreiermittelfeld positionierte sich recht tief, um sich herausspielen – dies gelang wechselhaft. Die Ballverluste waren jedoch meist auf den Flügeln und/oder Dortmund gewann den Ball schnell zurück, sodass Ingolstadt zu keinen Chancen kam. Für das Herausspielen waren besonders kleine Dribblings gegen das mannorientierte Pressing wichtig, die den Deckungsschatten des Gegenspielers zerstörten und Passwege zur ballfernen Seite öffneten (s. Grafik). Anschließend, einmal in Ingolstadts Hälfte, spielte der BVB meist schnell nach vorne, verlor dadurch zwar manchmal den Ball, erarbeite sich aber auch viele Chancen, besonders durch gute Spielverlagerungen gegen die starke Ballorientierung (11.), weiteren, höheren Dribblings (16., 18.) und Doppelpässen bzw. direkten Weiterleitungen (18., 28., 34.). Der Ball wurde so allerdings kaum in der gegnerischen Hälfte gehalten, wodurch das Spiel hektisch blieb.

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In der zweiten Hälfte hielt Ingolstadt zunächst immer wieder den Ball im zweiten und dritten Drittel. Nach langen Abschlägen Nylands wurden einige Bälle gewonnen und Standards oder Einwürfe rausgeholt, die zu weiteren knappen Duellen führten. So kam Ingolstadt zur einer klaren Chance (49.). Gleichzeitig konnte Dortmund viel leichter als in der ersten Halbzeit aufrücken, da die Gastgeber tiefer pressten. Es gab zwar weiterhin schnelle Rausrückbewegungen einzelner Spieler, aber nur noch selten so kompakte Staffelungen wie zuvor, da Ingolstadt sich nun recht schnell in ein tiefes Mittelfeld- oder Abwehrpressing zurückzog. Der BVB nutzte sowohl die Breite in Form der Außenverteidiger als auch das zentrale Mittelfeld, um den Ball – weiterhin relativ tororientiert – zirkulieren zu lassen. Nachdem Weigl wieder einen Deckungsschatten vor dem 1:0 entblößte (55., s. Grafik), wurde Schmelzer im Sechszehner nach direkten Pässe von Gündogan und Reus gefoult (2:0, 11m, 60.), und kurz vor Ende trafen Kagawa und Aubameyang noch zum etwas hohen 4:0.

FCI05

BVB: Bürki – Ginter, Subotic, Hummels, Schmelzer – Gündogan, Weigl, Kagawa – Reus (80. Ramos), Aubameyang, Mkhitaryan (73. Hofmann)

FCI: Nyland – Levels, Bregerie, Hübner (46. Matip), Engel (74. Suttner) – Groß, Roger, Morales – Hartmann (61. Lex), Hinterseer, Leckie

FCI 0:4 (0:0) BVB  –  0:1 Ginter (55.), 0:2 Reus (60., 11m), 0:3 Kagawa (80.), 0:4 Aubameyang (90.+1).

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03 – Hertha

Hertha BSC begann mit einem tiefen, recht positionsorientierten 5-4-1-Mittelfeldpressing. Durch die Flügelverteidiger konnten sich die (ballfernen) offensiven Außen auf die Halbräume konzentrieren, obwohl sie auch zum Doppeln bereit positioniert waren. Besonders auf Dortmunds halbrechter Seite gab es so Herausrückbewegungen von Van den Bergh – aber auch von den defensiven Mittelfeldspielern – auf Gündogan. Der BVB griff vor allem über die linke Seite an, die wie gegen Gladbach mit vielen Spielern überladen wurde. Teilweise rückte auch Hummels auf, um Angriffe einzuleiten. Allerdings machte die Hertha es den Gastgebern in Sachen Kompaktheit gleich – mit Ausnahme des ballfernen Flügelspielers, der – anfangs häufige – Bälle auf Ginter durch eine breite Positionierung ballfern erschwerte. Zudem konnten die Innen- und Halbverteidiger flexibel herausrücken. Insgesamt war Dortmunds Ballzirkulation etwas träge. Hertha presste nur gegen Dortmunds Abstöße hoch. Auf der anderen Seite lief Dortmund den Gegner ebenfalls nicht komplett hoch an, sondern die ballfernen Außen – besonders rechts – rückten aus einem hohen 4-4-2-Mittelfeldpressing immer wieder heraus auf den tiefen 4-1-4-1-Aufbau Herthas mit breiten Innenverteidigern. Hertha kam zu einer Chance nach einem einfachen flachen Pass auf der von ihnen viel bespielten linke Seiten (20.), nachdem sie schon eine Möglichkeit nach langem Ball (15.) auf Haraguchi hatten, der immer wieder schnelle Läufe hinter Dortmunds Viererkette nutzte, dafür aber defensiv passiv blieb. Nach einer kurze Ecke erzielte Hummels danach das 1:0 (27.).

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Nach der Pause spielte Aubameyang als Rechtsaußen, während Reus die Rolle des Mittelstürmers übernahm. Herthas Innenverteidiger wurden in der Folge etwas konsequenter zugestellt. Dortmund überlud nun oft die rechte Seite, auch mit dem oft einrückenden Kagawa. Zwar entstanden hieraus – wie links im ersten Durchgang – keine klaren Chancen, aber der Ball konnte sicher – und nun auch etwas höher – gehalten und anschließend regelmäßig über den auch schon in Hälfte eins aufrückenden Hummels verlagert werden. Nach einem cleveren Dribbling von halblinks in die Mitte lupfte Kagawa auf Ginter, der frei auf Aubemeyang zurücklegte (2:0, 51.), was in der ersten Hälfte noch nicht klappte. Danach wirkte Dortmund sehr sicher in der Ballzirkulation und war dem 3:0 nahe (Chancen 55. und 56.). Ein paar Minuten nachdem Dardai durch die Einwechslung Baumjohanns (58.) auf ein 4-4-1-1/4-4-2 umstellte, hatte Hertha nach längerer Zeit eine Ballbesitzphase und dann in den letzen 20 Minuten etwa gleichviele Ballkontakte wie der BVB. Nach dem 2:1 des eigewechselten Kalous (71.) wurde das Spiel offen. Dortmund hatte zwischen der 72. und 83. Minute vier Großchancen; es gab einige Konter gegen offenere Herthaner, aber es wurde kein Tor erzielt – bis Ramos in der Nachspielzeit zum 3:1 traf.

BVB: Bürki – Ginter, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Gündogan (79. Piszczek), Weigl, Kagawa – Mkhitaryan, Aubameyang (71. Hofmann), Reus (79. Ramos)

BSC: Kraft – Pekarik, Langkamp, Lustenberger, Brooks, Plattenhardt – Stocker (46. Weiser), Skjelbred (58. Baumjohann), Darida, Van der Bergh (71. Kalou) – Haraguchi

BVB 3:1 (1:0) BSC – 1:0 Hummels (27.), 2:0 Aubameyang (51.), 2:1 Kalou (78.), 3:1 Ramos (90.+3)

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Teil 2

Spiel Beschreibung
04 – Hannover Sechseckpressing gegen Dortmunds Aufbau.
05 – Leverkusen Klarer Sieg gegen tiefer pressende Leverkusener.
06 – Hoffenheim 1:1 mit ausrechenbarer rechter Seite.
07 – Darmstadt Weiteres Unterschieden, gegen tiefes 6-3-1 Pressing.
08 – Bayern Deutliche Niederlage mit Raute in München.
weiter zu Teil 3

04 – Hannover

Hannover presste anders als bisherige Gegner: sie ließen die Außen frei und konzentrierten sich in einem 4-3-2-1/4-1-2-2-1-Mittelfeldpressing. Es bildete sich eine Art Sechseck, gespannt über Zentrum und beiden Halbräumen. Dabei orientierte sich  Kyotake an Gündogan und Andreasen an Kagawa, wodurch diese sich nicht ohne Gegenspieler in die formative Lücke im Sechseck bewegen konnte und sich meist außen zwischen Halbraum und Flügel positionierten. Hannovers Achter, Sorg und Prib, konnten auf das mannorientierte Verfolgen reagieren, waren generell in den Halbräumen positioniert und schoben oft in die Schnittstelle der Viererkette, sodass der eigene Außenverteidiger rausrücken konnte, oder schoben selber mit raus. Besonders auf Ginter wurden wieder einmal häufig (halb)hohe und auch selten flache Diagonalbälle versucht, die dieser teilweise auf Sechszehnerhöhe zurücklegen konnte. Rückte Hannover in ein Abwehrpressing zurück, blieb Kyotake meist etwas höher, in 4-4-2-ähnlichen Strukturen.

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Hannover reagierte also recht clever auf Dortmunds zentralen Spielaufbau. Zudem gab es außerhalb des Sechsecks mit Ausnahme von Mkhitaryan keine kreativen Spieler, die den Spielaufbau von Kagawa oder Gündogan hätten übernehmen können. In Dortmunds Pressing  war es nicht mehr Kagawa auf halblinks, der mit Herausrückbewegungen die Formation von einem 4-1-4-1 zu einem 4-4-1-1/4-4-2 machte, sondern Gündogan auf halbrechts. Hannover traf nach 18 Minuten nachdem Sokratis weit auf Kyotake herausrückte, der diesen ausstiegen ließ und einen cleveren Schnittstellenpass spielte.

Nach der Halbzeit kam Dortmund gut ins Spiel und nutzte Hannovers formative Lücken besser: Weigl rückte oft vor, und auch von Hofmann gab es einige Einrückbewegungen, wenn Schmelzer, Mkhitaryan und Kagawa den Ball links hielten. Nach dem Ausgleich Hannovers (53.) gab es allerdings eine sehr hektische Phase, in der das Spiel auf der Kippe stand und 96 regelmäßig über zentrale Dribblings von Kyotake anschließender Nutzung der Flügel konterte und auch einige Standards hatte. Nach einem hohen Diagonalball von Kagawa legte Ginter den Ball quer – und Felipe traf vor Aubameyang ins eigene Tor (67.). Daraufhin spielte Hannover etwas vorsichtiger, tiefer und nicht mit der hohen Intensität der vorherige Phasen, als der Führungstreffer möglich schien. Die Gastgeber wechselten um die 80. Minute noch sehr offensiv, konnten aber gegen die nun sehr sichere Ballzirkulation Dortmunds nichts mehr ausrichten.

H96: Zieler – Sakai, Marcelo, Felipe, Albornoz – Sorg (73. Benschop), Sané, Prib (80. Erdinc) – Andreasen, Sobiech, Kyotake (80. Saint-Maximin)

BVB: Bürki – Ginter, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Gündogan, Weigl (66. Castro), Kagawa – Hofmann (60. Januzaj), Aubameyang, Mkhitaryan

H96 2:4 (1:2) BVB – 1:0 Sobiech (18.), 1:1 Aubameyang (35., 11m), 1:2 Mkhitaryan (44.), 2:2 Sobiech (53.), 2:3 Felipe (67., Eigentor), 2:4 Aubameyang (85., 11m)

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05 – Leverkusen

Die Analyse des Leverkusenspiels erschien ursprünglich auf der mittlerweile inaktiven Taktikseite Toorschuss.de.

Wird das Dortmunder Ballbesitzspiel mit dem intensiven Pressing Leverkusens zurechtkommen? – so lautete wohl die übergreifende Frage des Spitzenspiels. Bayer hatte die Möglichkeit, die 0:1-Heimniederlage gegen Darmstadt vergessen zu machen, um nach fünf Spieltagen mit mehr als nur sechs Punkten dazustehen. Der BVB sollte hingegen, nachdem es zuvor, neben dem 4:0 schwächelnden Gladbachern, ausschließlich gegen vermeitliche schwächere Vereine ging, Tuchels Fußball gegen Topclub Leverkusen unter Beweis stellen.

Die Gäste traten in einem 4-2-2-2 an, welches, wie üblich, gegen den Ball regelmäßig zu einem 4-2-4 wurde. Weniger üblich hingegen war die Höhe des Leverkusener Pressings: sie ließen Hummels, Sokratis und Bürki frei; nur selten tasteten sich Kießling oder Chicharito, mit den zentralen Mittelfeldspielern im Deckungsschatten, weiter vor. Pässe in Dortmunds Sechser- und Achterraum wurden so erfolgreich verhindert, zumindest auf Gündogan und Weigl. Letzterer wurde immer wieder mannoriertiert von Leverkusens Stürmern verfolgt, sodass der Ex-1860er aus der Innenverteidigung meist gar nicht oder nur mit Kopf zum eigenen Tor anspielbar war. Leverkusen erschwerte so den in dieser Saison sehr erfolgreiche ruhige Spielaufbau über den linken Halbraum, in dem Weigl und Hummel, mithilfe von Schmelzer, Mkhitaryan, Kagawa und Reus, das Spiel ankurbelten. Im rechten Halbraum war Gündogan, der ballfern von Calhanoglu und sonst von Kampl eng bewacht wurde, ebenfalls nur selten anspielbar.

Sokratis, Hummels und Bürki spielten sich kurz vor dem Sechzehner geduldig die Bälle zu. Sokratis bediente Ginter teilweise bereits im ersten Drittel und dieser leitete auf Gündogan oder Hofmann weiter. Letzterer zeigte, im Gegensatz zu Reus, keine weiten Einrückbewegungen in die Mitte oder in den linken Halbraum. Es wurde also nicht versucht, die Strukturen der ersten Parteien aufrechtzuerhalten, sondern Hofmann sollte seine Stärken auf dem rechten Flügel ausspielen; durch ein gewonnenes Sprintduell (19.), Nachsetzen mit anschließendem cleveren Dribbling an der Seitenauslinie (58., alles gegen Wendell), erzielte er bzw. legte die Basis für das 1:0 und das 2:0.

Teilweise spielten Sokratis und Ginter den auf rechts herauskippenden Gündogan an. Dieser isolierte sich dadurch allerdings, weil Leverkusen den halbrechten Achter relativ simpel mit vier Spielern und der Seitenauslinie pressen konnte. In diesen selten auftretenden Szenen konnte Bayer ihre Stärken im Pressing ausspielen. Die große Chance Chicharitos (20.) entstand durch eben so eine Isolation. In Schwächephasen in der Dortmunder Ballzirkulation zwischen der 20. und 45. Minute konnte Gündogan nicht für Sicherheit sorgen und spielte nur zehn Pässe, von denen nur fünf ankamen.

Der wichtigste Passspieler war Hummels: mit unglaublicher Präzision und Konstanz bediente er Kagawa, den regelmäßig zurückfallenden Aubameyang oder auch Mkhitaryan mit flachen, scharfen Pässen zwischen den Linien. Die tieferen Bewegungen Aubameyangs waren in den Spielen eher selten zu sehen; gegen Leverkusen ließ er sich im geordneten Spielaufbau immer wieder kurz für flache Ablagen fallen, wohingegen er bei Kontern schnell mittig oder (halb)links durchstartete und meist hoch angespielt wurde.

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Nachdem die Leverkusener zur Pause Brandt und Mehmedi für Kramer und Kießling einwechselten, kamen sie nach einem Konter zu einer weiteren großen Chance (52.), bei der es womöglich hätte Elfmeter geben können. Gleichzeitig war es zu diesem Zeitpunkt auch erst Bayers dritte gute Möglichkeit, da weitere Angriffe, in Halbzeit eins und zwei, von Dortmund insgesamt und von Hummels und Sokratis im speziellen vorausschauend verteidigt wurden. Nach 74 Minuten erzielte Aubameyang schließlich noch das alles entscheidende 3:0.

Dortmund: Bürki – Ginter, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Gündogan, Weigl – Kagawa – Hofmann (Januzaj 63.), Mkhitaryan (Ramos 81.) – Aubameyang

Leverkusen: Leno – Donati, Tah, Papadopoulos, Wendell – Kramer (Brandt 46.), Kampl – Bellarabi (Henrichs 76.), Calhanoglu – Hernandez, Kießling (Mehmedi 46.)

BVB 3:0 (1:0) B04– 1:0 Hofmann (19.), 2:0 Kagawa (58.), 3:0 Aubameyang (74.)

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06 – Hoffenheim

Hoffenheim begann mit einem hohen, realativ mannorientierten 4-4-2-Mittelfeldpressing. Durch Schmids tiefer und breiter Positionierung – durch seine Mannorientierung auf Ginter – ähnelte die Formation auch teilweise einem 5-3-2. Castro oder Kagawa kippten regelmäßig aus Dortmunds 4-3-3 neben die Innenverteidiger heraus, wohin Ersterer oft von Polanski oder Schwegler verfolgt wurde. Kagawa hatte halblinks etwas mehr Freiraum, den er einige Male für genaue Pässe – durch eine eigentlich kompakte Staffelung Hoffenheims – auf Reus nutzte. Lange Bälle Richtung Ginter, die besonders in der ersten halben Stunde von Kagawa, Hummels oder Castro gespielt wurden, kamen allerdings nicht an. Auch hohe Vertikalpässe in die diagonalen Laufwege Hofmanns blieben erfolglos. Am stabilsten war die Ballzirkulation halblinks; nach einer halben Stunde gab es von dort auch einige clevere Verlagerungen zu Castro, der dann zentral oder halbrechts positioniert war und schnell weiterleiten oder dynamisch aufrücken konnte (33., 37.). Rechts war die Ballzirkulation sonst mit Sokratis, Ginter und Hofmann ausrechenbar und die Positionierungen teilweise problematisch: vor der Großchance Hoffenheims (36.) gab es für Sokratis keine Anspielstation. Dortmund kontrolliert das Spiel dennoch zum Großteil, wobei sie Hoffenheim nicht einschnürten. Beim Übergang vom Angriffspressing, auf das die Gastgeber mit langen Bällen nach (halb)rechts reagierten, in ein tieferes Pressing gab es teilweise Schwierigkeiten. Kurz vor der Pause Tor traf Rudy zum 1:0 (42.).

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Nach der Pause spielte der eingewechselte Mkhitaryan auf dem linken und Reus auf dem rechten Flügel. Allerdings konnte der BVB, ähnlich wie zu Beginn des ersten Durchgangs, das Spiel zunächst nicht kontrollieren. Stattdessen setzte sich Hoffenheim phasenweise in der gegnerischen Hälfte fest und konnte fast von einem Fehler Ginters profitieren (50.). Kurz danach kam Gündogan für Reus, sodass Castro als Rechtsaußen weiterspielte. Obwohl Dortmund nach einem sehr guten Pass von Hummels ausglich, dauerte es noch bis sie das Spiel kontrollierten. Ab etwa einer Stunde rückte der BVB gut über rechts auf. Castro ließ sich immer wieder im Halbraum kurz fallen, während Gündogan kleine Dribblings ansetzte und Ginter als Anspielstation diente. Auf der anderen Seite wurde Schmelzer, der nun höher schob, von Rudy verfolgt, sodass 6-2-2-artige Staffelungen entstanden. Das begünstigte Dortmunds Achter: Hoffenheims defensive Mittelfeldspieler konnten nicht konstant herausrücken bzw. dies eröffnete Passwege zum jeweils ballfernen Achter. Als das Spiel nach Chancen für den BVB (67., 71.) abebbte, kam Ramos für Castro. BVB setzte damit nicht auf mehr Dominanz, sondern ging auf mehr Risiko. Allerdings blieb es beim 1:1: auf der einen Seite gab es eine vergebene Großchance Hoffenheims (77.) nach Fehler Ginters; auf der anderen Seite vergab Ramos unglücklich (85.).

TSG: Baumann – Kaderabek, Bicakcic, Süle, Toljan – Rudy (78. Zuber), Polanski (64. Strobl), Schwegler, Schmid – Volland, Vargas

BVB: Bürki – Ginter, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Castro (77. Ramos), Weigl, Kagawa – Hofmann (46. Mkhitaryan), Aubameyang, Reus (54. Gündogan)

TSG 1:1 (1:0) BVB –1:0 Rudy (42.), 1:1 Aubameyang (55.)

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07 – Darmstadt

Darmstadt griff in einem tiefen Mittelfeld- bzw. Abwehrpressing an: die Flügelspielern ließen sich tief fallen, sodass ein 6-3-1 entstand. Rausch spielte dabei etwas tiefer und breiter als Heller. Rosenthal nahm eine besondere Rolle rein: bei höherem Pressing rückte er bis neben Wagner vor; im tiefen Mittelfeldpressing stand er leicht versetzt vor Gondorf und Niemeyer in Dortmunds linkem Halbraum. Erst im Abwehrpressing fielen Rosenthal und Heller in eine klare 6-3-1-Struktur zurück. Vorher gab es auch 5-3-1-1- oder 5-4-1-Formationen. Anfangs setzte sich Darmstadt phasenweise – durch lange Bälle auf Wagner oder direktes Spiel – in der gegnerischen Hälfte fest. So gab es 36 zu 28 Pässe im letzten Drittel bis sie zum 0:1 trafen (17.).

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Das Tor entstand nach einer für das Spiel wichtigen Szene: ein BVB-Spieler wurde relativ zentral vor der letzten Linie Darmstadts von einem Spieler halbrechts außerhalb des 6-3-Blocks angespielt. Aufgrund des gegnerischen Pressing konnte nicht wie häufig über die halblinke Seite angegriffen werden. Auch dadurch gab es halbrechts einige Ungenauigkeiten und Missverständnisse. Durch die Sechserkette konnten immer Spieler mannorientiert auf das 4-3-3 des BVB herausrücken; der nun sehr große Ballbesitz (1. Halbzeit: 77%) endete spätestens hier, und es gab wenig Passstafetten im letzten Drittel und Probleme nach Ballverlusten durch sehr flache Staffelung. Tuchel stellte nach einer halben Stunde um: nachdem Reus rechts anfing, dann mit Mkhitaryan tauschte (22.-32.), spielte er nun bis zur Halbzeit als Mittelstürmer mit Aubameyang rechts neben sich. Nach einigen Standards des BVB und einer Verletzungsunterbrechung endeten jedoch chancenarme letzte 20 Minuten des ersten Durchgangs.

Nach der Pause verlagerte sich Dortmunds Spiel etwas nach rechts, regelmäßig mit anschließenden Verlagerungen nach links. Reus startete dort schon früh diagonale Läufe. Kagawa blieb spielte im zweiten Drittel wie zuvor, als Achter, und rückte im letzten Drittel immer wieder mit ins Zentrum auf. Gleichzeitig ließ sich Aubameyang teilweise fallen. Durch die gleichzeitige breite Positionierung Schmelzers konnte Mkhitaryan so einige Male im eins-gegen-eins angespielt werden. Das Gegenpressing war zudem auf beiden Flügeln leichter. In der 63. Minuten ließ sich Kagawa aus höherer Positon fallen, um einen – seltenen – Diagonalball auf Ginter zu spielen, der auf Aubameyang zurücklegte – 2:1 (s. Grafik unten). Danach sah es nach Dortmunder Sieg aus: die Ballzirkulation blieb ausreichend, während nun auch Konter gegen die aufrückenden Darmstädter gespielt werden konnten. Kurz vor Abpfiff gab es noch einen Freistoß von der Mittellinie für Darmstadt, den Sulu im Sechszehner verwandelte. Von Dortmund war es eine eher mittelmäßige Leistung, die aber dennoch für einen Sieg hätte ausreichen können.

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BVB: Bürki – Ginter, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Gündogan, Weigl, Kagawa – Reus (59. Januzaj), Aubameyang, Mkhitaryan

D98: Mathenia – Heller, Garics, Sulu, Caldirola, Diaz, Rausch (67. Kempe) – Rosenthal, Niemeyer (57. Jungwirth), Gondorf (83. Stroh-Engel) – Wagner

BVB 2:2 (0:1) D98 – 0:1 Heller (17.), 1:1 Aubameyang (63.), 2:1 Aubameyang (71.), 2:2 Sulu (90.)

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08 – Bayern

Gegen Bayerns 3-3-4/3-3-3-1 begann Dortmund mit einer Raute, die gegen den Ball durch Kagawas Vorrücken immer wieder zu einem 4-3-2-1 bzw. einem engen 4-3-3 wurde: Mkhitaryan und Aubameyang orientierten sich an Boateng bzw. Alaba, während Kagawa zwischen einer häufig auftretenden Mannorientierung gegen Xabi Alonso und seltenen Aufrückbewegungen Richtung Martinez pendelte. Der Innenverteidiger hatte regelmäßig Platz und Zeit, nutzte beides aber meist nur für kurze Pässe auf die Achter. Bayern konnte sich so zwar manchmal nach vorne arbeiten, aber dann ihre Angriffe nicht viel versprechend fortführen, da Dortmund durch die Positionierung der Achter Castro und Gündogan sowohl die Flügel, die mit den Außenverteidigern doppelten, sowie den Strafraum in tieferen Staffelungen gut verteidigte.

Gleichzeitig spielte Dortmund sich regelmäßig gut heraus. Kagawa blieb meist tief und setzte, wie auch teilweise Gündogan und Mkhitaryan, Dribblings an. Das Spiel fand meist in Engen statt, wobei die  Ballzirkulation des BVB solide war und es nur selten wichtige Ballverluste gab. Bürki spielte häufig die beiden Innenvertediger an, von wo aus das Spiel weiter aufgebaut wurde, spielte aber auch regelmäßig bei hohem Druck lange Bälle auf Aubameyang. Dieser wurde – meist von Hummels – anfangs nach diagonalen Läufen von halbrechts nach halblinks lang geschickt, was bereits in der dritten Minute in einer gelben Karte für Alaba resultierte. Zudem erhielt er auch immer wieder im rechten Halbraum den Ball mit Tor im Rücken, sodass Dortmund in Ballbesitz bleiben konnte. Also gab es eine recht gute Balance zwischen Ballzirkulation und langen Bällen in der Anfangsphase, in der der BVB ein Chancenplus hatte.

In der 13. Minute stellte Guardiola um: Martinez und Boateng tauschten die Positionen, sodass letzterer den beschriebenen Platz für lange Bälle nutzen konnte. Dies passierte direkt eine Minute später durch einen langen, hohen Ball auf Lewandowski und Costa. Danach gab es zunächst wenige Aufbausituationen, sodass es sich der Positionswechsel  erst später klar auswirkte: in der 23. Minute spielte Boateng einen Laserpass auf Lewandowski zwischen den Linien. Eine Minute später war Sokratis zum ersten Mal isoliert im letzten Drittel 1-gegen1 gegen Costa nach einem langen Ball Boatengs – Bayerns erste klare Chance. Drei Minuten später gab es einen weiteren hohen Ball auf Müller, der daraufhin zum 1:0 traf (s. Grafik).

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Ebenfalls konnte Bayern durch breitere Positionierungen der Halbverteidiger Mkhitaryan und Aubameyang besser auseinanderziehen und so das 4-gegen-3 besser ausspielen, und zudem durch besser getimetes Zurückfallen Thiagos oder Lahms den Ball zwischen der rechten und linken Seite besser verlagern. Nach dem Führungstreffer kam Bayern zu weiteren Chancen (30., 31.) und bekam nach einer eigentlich gut zu verteidigenden Situation einen Elfmeter, da Mkhitaryan etwas naiv gegen Thiago einstieg. Nach dem 2:0 wechselte Dortmund zurück zum üblichen 4-2-3-1/4-3-3-Hybrid, bei dem Castro als Rechtsaußen spielte, und erzielte den Anschlusstreffer. Direkt nach dem Tor stellt Bayern um auf ein asymmetrisches 4-4-2 mit Thiago als hohem Achter halblinks und Götze auf rechts im Halbraum oder Flügel. Es blieb ein ausgeglichenes Spiel bis zur Pause – nach der Bayern ein weiteres Mal nach einem langen Ball von Boateng traf (46.). Durch noch zwei weitere Treffer wurde es zu einer klaren 5:1-Niederlage für den BVB, der sich noch vor dem Spiel etwa auf Augenhöhe mit dem Rekordmeister zu befinden schien.

BVB: Bürki – Sokratis, Bender, Hummels, Piszczek – Gündogan, Weigl, Castro (53. Januzaj) – Kagawa (53. Reus) – Aubameyang, Mhkitaryan

FCB: Neuer – Boateng, Martinez, Alaba – Lahm, Alonso (76. Kimmich), Thiago (68. Vidal) – Götze, Müller (80. Coman), Lewandowski, Costa

FCB 5:1 (2:1) BVB – 1:0 Müller (26.), 2:0 Müller (35., 11m), 2:1 Aubameyang (36.), 3:1 Lewandoswki (46.), 4:1 Lewandowksi (58.), 5:1 Götze (66.)

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Teil 3

Spiel Beschreibung
Pressingidee 5-3-2/5-4-1-Vorschlag.
09 – Mainz Strategische Änderung: Konter zum 2:0-Sieg.
10 – Augsburg 5:1-Heimsieg, neues 4-3-3-Pressing.
11 – Bremen 5-3-1-1 gegen Dortmunds Aufbau.
12 – Schalke Knapper Sieg gegen Schalkes 6-2-2.
weiter zu Teil 4

 

Pressingidee

Nach den bisherigen Eindrücken der Saison soll hier eine weitere Art des Pressings vorgeschlagen werden: ein Mischung aus 5-3-2 und 5-4-1, meist als tiefes Mittelfeld- bzw. Abwehrpressing. Im asymmetrischen 5-3-2 soll auf Dortmunds zentralen Aufbau reagiert werden und das Spiel auf die Außen gelenkt werden. Im Spielaufbau soll Sokratis, dem schwächsten Aufbauspieler, mit Ball die Anspielstationen genommen werden. Speziell die nächsten Spieler, Hummels und Weigl, sollen von den Stürmern mannorientiert verfolgt werden. Dabei kann auch immer wieder der Spieler daneben, also Weigl oder Gündogan, mit dem anderen BVB-Spieler im Deckungsschatten angelaufen werden, um zu zweit mehr Druck auszuüben. Der Passweg von Sokratis auf Gündogan bleibt dabei scheinbar offen, führt aber nicht weiter, da Gündogans Drehung durch direktes Anlaufen verhindert wird. Eventuell kann man dies als klare Pressingfalle entwerfen. Gleichzeitig verschieben die Mitspieler in ein 5-4-1, um weiterhin eine große Präsenz im Zentrum und den Halbräumen zu haben. Sokratis bekommt also den Ball zurück, sodass die gleiche Situation wieder auftritt.

Spielt Sokratis nach rechts auf Ginter, wird dieser vom ballnahen Flügelverteidiger angelaufen. Gleichzeitig verschiebt das Mittelfeld, in das sich nun, wie oben, auch der rechte Stürmer einreiht, um Ginter zu doppeln und die ballnahen Passoptionen zu nehmen. Dabei kann Dortmunds Außen, hier Reus, situativ gedeckt werden. Der zentrale Stürmer schiebt zudem tiefer, sodass Gündogan als rechter Achter leicht unter Druck gesetzt werden kann. Dadurch soll entweder ein Ballverlust erzwungen werden oder zumindest hektische Pässe des BVB provoziert werden. Dortmund könnte als Reaktion mit tieferen Außenverteidiger aufbauen, um die Distanz für die gegnerischen Flügelverteidiger zu erhöhen. Außerdem könnte Gündogan tiefer im rechten Halbraum aufbauen oder sogar herauskippen, sodass er, ähnlich wie die Außenverteidiger, schwerer unter Druck zu setzen ist. Dies könnte man auch zusammen nutzen, also rechts eine tiefere Positionierung Ginters und Gündogans, mit Mkhitaryan als kreativem Spieler im rechten Halbraum. Dadurch wäre es für den Gegner schwer, auf die drei Spieler Zugriff – vor allem mit mehr als nur einem Spieler – zu bekommen. Das asymmetrische 5-3-2/5-4-1-Pressing könnte Dortmunds üblichen Spielaufbau erschweren bzw. verhindern und das Team zu einer solchen Anpassung zwingen, auf die wiederum der Gegner reagieren kann.

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09 – Mainz

In dieser Saison hatte der BVB bisher – mit Ausnahme des Bayernspiels (42,4%) – durchschnittlich 64,3% Ballbesitz, mit keinem Wert unter 58%. Gegen Mainz beträgt der Wert 46,2%, da Dortmund die strategische Ausrichtung änderte und konterte. Mainz spielte mit tieferer Ballzirkulation, vor allem am Anfang auch mit noch längeren Phasen. Das Dortmunder Pressing war zwar solide, aber Mainz spielte sich auch immer wieder raus, mit anschließenden Schnellangriffen über den Flügel – mit dem breit stehenden De Blasis – oder schnell durch die Mitte. Der Großteil des Spiels fand allerdings im zweiten Drittel mit einigen Ballbesitzwechseln statt. Nach dem Aufbaufehler Bungerts (18.), der zum Gegentor führt,  wurde Mainz im Aufbau etwas vorsichtiger bzw. ungeduldiger, versuchte aber immer noch, sich rauszuspielen.

Dortmund war ebenfalls wenig souverän im Aufbau: gegen hohes Pressing wurde versucht, sich zu befreien, wobei Hummels auch einen Fehlpass spielte, der zu einer Großchance führte (10., s. Grafik). So gab es selten längere oder gewinnbringende Passzirukulation, da Mainz sich, einmal überspielt, zwar in ein Mittelfeldpressing zurückzog, aber von da nicht, auf dem von Dortmund viel bespielten linken Flügel, weiter nach hinten gedrängt und eingeschnürt werden konnte. Gleichzeitig setzte der BVB auch eben auf Schnellangriffe und Konter. So spielten beide Mannschaften viel um die Mittellinie herum, mit je 50% Ballbesitz zur Halbzeit.

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Nach einer Stunde gab zwei neue Phasen. Zuerst hatte der BVB zum ersten Mal im Spiel eine längere, etwa zehnminütige Ballbesitzphase, die jedoch wenig gewinnbringend mit nur einer Chance war, auch da oft ungeduldig gespielt wurde. Danach änderte Dortmund die Strategie: Mainz hatte den Ball und Dortmund konterte. Zwischen der 70. und dem Tor in der 82. Minute hatten die Gastgeber so 77,2% Ballbesitz. Nach einer bisher – bis auf einen Dortmunder (vergebenen) Elfmeter direkt nach der Pause – chancenarmen zweiten Hälfte gab es nun viele Chancen durch Konter über Mkhitaryan und Aubameyang (75., 77., 80.) und schließlich in der 82. Minute das 0:2. Kurz vor dem Tor hatte Tuchel bereits Bender für Reus eingewechselt, um die Führung zu verteidigen.

Diese Partie zeigte einige interessante taktikpsychologische Aspekte auf. Für ein effektives Ballbesitzspiel ist es wichtig, einerseits ruhig und geduldig auf den eigenen spielerischen Ansatz zu vertrauen (psychologisch) und andererseits dynamisch in Ballzirkulation und Positionierung zu sein (taktisch/spielerisch), um weder träge noch hektisch zu spielen. Das Spiel stellte klar, wie empfindlich Ballbesitzspiel bei fehlender Sicherheit gegen intensives Pressing sein kann. Nach den Unentschieden gegen Hoffenheim und Darmstadt sowie der klareren Niederlage in München ist Dortmund zum ersten Mal in der Saison klar von einem Ballbesitzansatz abgewichen.

BVB: Bürki – Ginter, Sokratis, Hummels, Park – Gündogan, Weigl, Kagawa (84. Castro) – Reus (79. Bender), Aubemeyang, Mkhitaryan

M05: Karius – Brosinski, Bungert, Bell, Bengtsson – Baumgartliner, Latza – Jairo (80. Klement), Malli, De Blasis – Muto (84. Niederlechner)

M05 0:2 (0:1) BVB – 0:1 Reus (18.), 0:2 Mkhitaryan (82.)

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10 – Augsburg

Augsburg trat im Westfalenstadion mit einem horizontal kompakten 4-4-2/4-4-1-1-Mittelpressing an. Hierbei spielte Trochowski meist etwas versetzt halblinks hinter Bobadilla, wo er entweder Gündogan übernahm oder etwas höher zu Bender aufrückte. Auf letztere Bewegung reagierte Linksaußen Esswein mit dem Anlaufen Gündogans, während auch Koo weit innen bei Kagawa blieb. Dadurch hatten die Gäste, mit zusätzlichen situativen Mannorientierungen der Sechser, theoretisch eine große Präsenz in den Halbräumen. Einige Male erzwangen sie so Ballverluste (7. & 22.); meist befreite sich Dortmund jedoch mit sauberen Pässen und kleinen Dribblings aus Unterzahlsituationen.

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Generell wurden mögliche lokale Kompaktheiten durch geduldige, weiträumige Ballzirkulation schon im Keim erstickt. Dafür positionierten sich die Achter tief und breit. Durch Augsburgs Fokus auf sie konnte regelmäßig Ginter auf dem rechten Flügel freigespielt werden (s. Grafik unten). Dies öffnete die Formation der Gäste, besonders wenn Esswein sehr hoch herausrückte. Der Rechtsverteidiger spielte immer wieder gute Pässe auf Castro oder Gündogan im rechten Halbraum (4., 18).

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Auch links kombinierte der BVB sich mit guter Abstimmung von Kagawa und Reus durch. Mittlerweise lief viel über links. Castro war dafür weit eingerückt. Durch die Kompaktheit wurde Augsburg auch gut festgehalten wie auch bei  bei regelmäßig versuchtem tiefem Aufbau der Gäste. Hierbei rückte nicht Kagawa ins 4-4-2 vor, sondern ein Flügelspieler – meist Reus – schob auf einen der Innenverteidiger, während sich der andere fallenließ (s. Grafik unten). Augsburg befreite sich selten; für die Fälle rückte Kagawa oder Gündogan raus. Die letzte zehn Minuten der ersten Halbzeit waren wenig ereignisreich, mit einer klaren 3:0-Führung im Rücken.

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Zur Pause wechselte Augsburg zweimal positionsgetreu und änderte die strategische Ausrichtung. Die bisherigen Pressingmechanismen blieben zwar als Basis erhalten und hier nur die Intensität erhöht, aber die Augsburger rückten nun phasenweise auf die tiefe Ballzirkulation des BVB mit weitem mannorientierten Verfolgen heraus, teilweise bis zum gegnerischen Sechzehner. Dies verhinderte einen strukturierten Aufbau. Gleichzeitig ging Augsburg im eigenen Aufbau mehr Risiko ein: gegen Dortmunds Angriffspressing blieben vor allem die Innenverteidiger geduldiger. Anschließend wurde der ballferne Flügel einige Mal gut genutzt. In der zweiten Halbzeit kam Augsburg dadurch auf etwas mehr Ballbesitz als der BVB (52%).

Der BVB spielte Konter und Schnellangriffe gegen Augsburgs höheres Pressing. Nach dem 3:1 (49.) waren sie direkt auf das nächste Tor aus statt darauf, klar Ballbesitz in der gegnerischen Hälfte zu etablieren. Teilweise gab es direkte, zentrale Kombinationen vor Augsburgs Sechszehner, aber nur selten wurde der Ball ruhiger zirkuliert. Weigls Einwechslung verbesserte etwas. Nach den Kontern in Mainz gab so wieder gute Chancen (80.). Kurz darauf erzielte Aubameyang das 4:1 (85.) nach einem weiten Pass Bürkis gegen hohes Augsburger Pressing und kurz vor Ende noch das 5:1, obwohl die zweite Halbzeit viel knapper als Ergebnis war.

BVB: Bürki – Ginter, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Gündogan, Bender (76. Weigl), Kagawa – Castro (76. Januzaj), Aubemeyang, Reus (82. Ramos)

FCA: Hitz – Feulner, Callsen-Bracker, Klavan, Max – Koo, Kohr (75. Ji), Baier, Esswein (46. Werner) – Trochowski (46. Moravek) – Bobadilla

BVB 5:1 (3:0) FCB – 1:0 Aubameyang (18.), 2:0 Reus (21.), 3:0 Reus (33.), 3:1 Bobadilla (49.), 4:1 Aubameyang (85.), 5:1 Aubameyang (90.+1)

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11 – Bremen

Werder Bremen griff in einem tiefen 5-1-3-1/5-3-1-1-Mittelfeld- bzw. Abwehrpressing an. Die Innenverteidiger in Dortmunds 2-3-5-Aufbau wurden dabei freigelassen; Ujah spielte recht tief, orientierte sich an Weigl, wenn dieser etwas aufrückte, und versperrte sonst Pässe ins Zentrum. Junuzovic presste meist etwas hinter Ujah, hatte aber eine recht flexible Rolle und rückte aber auch teilweise heraus, wodurch auch 5-3-2-artige Staffelungen entstanden. In tieferen Phasen reihte sich Junuzovic in die Mittelfeldreihe in ein 5-4-1 ein. Manchmal ließ sich zudem Ujah fallen. Bremens Achter orientierten sich klar an Gündogan und Kagawa, wodurch diese nur selten vertikale Pässe in dem jeweiligen Halbraum oder diagonale Pässe ins Zentrum spielen konnten, sondern entweder zurück oder horizontal auf außen spielen mussten, wo die Bremer weiteres Aufrücken gut verhinderten. Die Abläufe ähneln der vorgeschlagenen Pressingidee, vor allem mit Wechsel zum 5-4-1. Allerdings rückte bei Bremen der Zehner statt der zweite Stürmer heraus und zudem wurden Dortmunds Innenverteidiger freigelassen. Der BVB hatte Schwierigkeiten mit der Besetzung des Zehnerraums und – durch die Mannorientierungen – mit Spiel zwischen den Linien bzw. in Lücken. Es wurde selten klar Raum gewonnen und Bremen hinten eingeschürt. Die Gastgeber konterten in einer relativ ausgeglichenen ersten Hälfte mit sechs zu fünf Schüssen.

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In der Halbzeit stellte Thomas Tuchel um. Bislang – in diesem Spiel und den letzten Wochen – spielte der BVB in einem leicht asymmetrischem aber doch recht klarem 4-3-3 im zweiten Drittel, in dem Kagawa auch immer wieder in den linken Halbraum zwischen Innen- und Außenverteidiger herauskippte. Anstatt dieser tiefen Bewegungen entstanden in der zweiten Halbzeit durchgehend klare 4-2-1-3-Stellungen mit höherer Positionierung Kagawas, der sich zwischen Zehnerraum und den offensiven Halbräumen (vor allem links) bewegte. Dafür blieb Park tief und besetzte meist den linken Halbraum, während Mkhitaryan (oder Reus) links Breite gab. Durch situatives Ab- bzw. Herauskippen von Weigl und teilweise von Gündogan variierte der Aufbau so in der ersten Linie zwischen Dreier- und Viererkette:

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Durch diese optimierte Positionierungen und geduldige – aber nicht träge – Passzirkulation drückte der BVB die Werderaner regelmäßig in einem Halbraum/Flügel (meist rechts) nach hinten, um dann entweder auf die andere Seite zu verlagern oder, wenn möglich, direkt in zentralere Räume zu gelangen. Wenngleich Schnellangriffe durch direkte Pässe von der ersten Linie zwischen Bremens Fünfer- und Dreierkette weiterhin kaum möglich waren, kam man so durch vielen Chancen, speziell über die linke Seite: Mkhitaryan (51.) – in breiter Positionierung, nach Spielverlagerung über den zentralen Park – oder Kagawa (57. und 61.) – nach kurzem Dribbling Parks bzw. Überladung der linken Spielhälfte – konnten mit Ball vom linken Flügel/Halbraum diagonal nach innen dribbeln, in ein in diesen Situationen auseinandergezogenes Bremer Zentrum. Reus‘ Tor zum 1:3 (72.), nach einem tiefen Ballverlust der Bremer, markierte den Schlusspunkt einer sehr dominanten Dortmunder zweiten Hälfte (46.-72.: 76,8% Ballbesitz, 89% Passgenauigkeit, 1 zu 6 Schüsse).

BVB: Bürki – Ginter, Sokratis, Hummels, Park (76. Schmelzer) – Gündogan, Weigl, Kagawa – Mkhitaryan, Aubameyang, Reus (77. Castro)

SVW: Wiedwald – Bartels (83. Pizzaro), G. Selassie, Galvez, Vestergaard, Sternberg – Fritz (82. Fröde), Bargfrede, Grillitsch (77. Lorenzen) – Junuzovic – Ujah

SVW 1:3 (1:2) BVB – 0:1 Reus (9.), 1:1 Ujah (32.), 1:2 Mkhitaryan (44.), 1:3 Reus (72.)

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12 – Schalke

Schalke presste auf Höhe der Mittellinie in einem mannorientierten 4-4-2, das meist zu einem 6-2-2 wurde. Dortmunds Innenvertediger wurden hierbei meist freigelassen, sodass insbesondere Hummels viel Zeit am Ball hatte. Allerdings wurde der Sechserraum um Weigl gut abgesichtert. Neben der engen Schalker Viererkette spielten der rechte und linke Außen, die durch Dortmunds Außenverteidiger nach hinten gedrängt wurden. Teilweise orientierten sie – und vor allem Di Santo rechts – sich auch situativ an der ballferner Acht. Durch die Sechserkette konnten einzelne Spieler der Viererkette ihre Gegenspieler leichter mannorientiert verfolgen. Davor rückten Goretzka und Kolasinac immer wieder auf Kagawa und Gündogan heraus, wodurch auch situative 6-1-3-Staffellungen entstanden. Die Passwege von Dortmunds Innenverteidiger auf die Achter waren zwar regelmäßig offen, von dort ging es aber nicht weiter nach vorne, auch durch etwas ungeduldige Pässe in dem Bereich bzw. Abstimmungsproblem sowie Rückwärtspressing der beiden Stürmer. Die Ballzirkulation des BVB war sonst echt weiträumig angelegt, mit nur wenigen Überladungen: meistens waren es drei Spieler rechts (Castro, Ginter und Gündogan) und drei links (Kagawa, Schmelzer, Mkhitaryan), die sich zusammenschlossen und auf dem Flügel kombinierten. So war Dortmund eher  mittelmäßig in Ballbesitz, phasenweise weder mit Schnellangriffe noch beständiger Ballzirkulation und nutzte die potentiellen Schwächen einer stark mannorientierten Spielweise kaum.

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Der BVB presste, ähnlich wie gegen Augsburg, hoch im 4-3-3 mit Aubameyang, Castro und Mkhitaryan, wobei sich der ballferne Außen hier nicht zurückzog, sondern zentraler blieb, also klarer als 4-3-2-1. Zwar presste man bis zum gegnerischen Torhüter durch, aber die weitere Staffelungen hinter den drei vorderen Spielern war weniger mutig: es gab keine hohe Abwehrreihe, sondern man war vertikal verhältnismäßig wenig kompakt – eher im 4-3-0-3. Dies könnte bewusst so gewählt worden sein, um gegen lange, hohe Bälle auf Hunterlaar und Di Santo, mit möglichen Ablagen auf  Meyer und Sané, gewadmet zu sein und dafür einen klaren 4-3-Block zu haben. Die Knappen traten jedoch erstaunlich kombinativ und risikoreich auf und überspielten teilweise das Dortmunder Angriffspressing. Während der BVB in tieferen Phasen im 4-5-1 wieder recht sicher stand, war der Übergang von Angriffs- zu Mittelfeldpressing, durch die großen Abstände für die Außen, mangelhaft, sodass die Gäste sich Chancen herauspielten.

Nach der Pause kam Dortund zu fünf Chancen und erzielte das 3:1 (47.). In der Folge blieb Schmelzer ballfern etwas tiefer, sodass der linke Halbraum weniger offen war. Aus dem ersten Konter seit langer Zeit enstand in der 71. Minute der Anschlusstreffer zum 3:2. In der Schlussphase presste Schalke hoch, wobei der BVB kombinativ blieb, kaum hektisch wurde und das Revierderby knapp gewann.

BVB: Bürki – Ginter, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Gündogan, Weigl, Kagawa – Castro, Aubemeyang, Mkhitaryan

S04: Fährmann – Caicara, Neustädter, Matip, Aogo – Di Santo, Goretzka, Kolasinac (70. Höjbjerg), Meyer (56. Choupo-Moting) – Sané, Hunterlaar

BVB 3:2 (2:1) S04 – 1:0 Kagawa (30.), 1:1 Huntelaard (33.), 2:1 Ginter (43.), 3:1 Aubameyang (47.), 3:2 Huntelaar (71.)

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Teil 4

Spiel Beschreibung
13 – Hamburg Probleme gegen Hamburgs Pressing und Konter.
14 – Stuttgart Tiefe Außenverteidiger und viele Umstellungen.
15 – Wolfsburg 4-3-2-1-Pressing und Sieg in letzter Sekunde.
16 – Frankfurt Tiefe Frankfurter, zu zehnt noch tiefer.
17 – Köln Knappe Niederlage zum Hinrundenabschluss.
Fazit Abschließende Gedanken

 

13 – Hamburg

Nachdem die letzten Gegner mit einem (tiefen) Mittelfeldpressing antraten, obwohl Dortmund einige Probleme gegen Ingolstadt und Mainz hatte, tastete sich Hamburg aus einem mannorientierten, hohen 4-4-1-1/4-4-2 Mittelfeldpressing immer wieder vor, um einfache Raumgewinne des BVB zu verhindern und im Bestfall selber zu kontern. Hamburgs Außen Müller und Ilicevic orientierten sich hierbei an Dortmunds Achtern, was, auch in der horizontalen Kompaktheit, Augsburgs Heransgehenweise ähnelte. Sokratis wurde meist freigelassen und nur situativ auf ihn herausgerückt. Der BVB spielte von Anfang an – bereits zweimal in der ersten Minute – selbst unter wenig Bedrängnis hektische, ungenaue und auch ungewöhnlich lange Bälle.

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Hamburgs hohes Mittelfeldpressing verhinderte außerdem ein Durchkombinieren Dortmunds kleiner Linksüberladungen und pressten die Gegenspieler auf dem Flügel gegen die Außenlinie gepresst. Die Gäste kamen nicht durch und verlagerten regelmäßig nach rechts auf Ginter, der etwas Platz hatte, aber meist nur Mkhitaryan auf dem Flügel als Anspielstation hatte. In diesen Situationen, also etwa 25m in der gegnerischen Hälfte, sowie wenn er bereits tief angespielt wurde unterband der HSV den Weg in die Mitte, meist durch einen Sechser. Der Fehlpass zum 2:0 (41.) ist in diesem Kontext entstanden. Der HSV konterte regelmäßig, zirkulierte den Ball teilweise tief, spielte aber auch oft lange Bälle, flach oder hoch, auf Lasogga, und brachten Dortmund so in knappe, körperbetonte Duelle im zweiten Drittel.

Auf den 2:0-Rückstand reagierte Tuchel mit zwei Wechseln zur Halbzeit, Piszczek für Ginter sowie Castro für Kagawa. Castro starte immer wieder vertikale Läufe zentral an der Abseitsgrenze. Es gab einen starken Rechtsfokus: Mkhitaryan spielte in dieser Phase dauerhaft auf der Seite, während Reus meist weit von links einrückte und man probierte, sich auf dem Flügel und auch im Halbraum durchzuspielen. Der Spielaufbau nahm an Geschwindigkeit zu. Zudem konnte der BVB mehr zweite Bälle im Mittelfeld gewinnen und schnell angreifen. In einer Dortmunder Druckphase hielt der HSV, welcher mit vermehrt langen Bälle und Fokus auf den linken Flügel spielte, zum ersten Mal im zweiten Durchgang den Ball, erarbeite sich eine Großchance (54.) und Hummels köpfte die folgende Ecke ins eigene Tor (55.).

Nach dem 3:0 wurde das Spiel zunächst ruhiger. Statt des Rechtsfokus‘ gab es bis zum Spielende zwei Angriffsmuster beim BVB: Spielaufbau über die Außenverteidiger – zunächst rechts, dann vor allem links – und Aufrücken von Gündogan oder Hummels. Piszczek und Schmelzer wurden – sehr unüblich – bereits in frühen Phasen der Angriffe gesucht. Nach der Auswechslung Reus‘ spielte Mhkitaryan durchgehend links und wurde oft im Halbraum, von Schmelzer oder dem kurz aufrückenden Hummels, angespielt, von wo er gute Dribblings ansetzte, die zu Gündogans starkem Freistoß am Sechzehner (75.) und zum 3:1 (86.) nach einem  Pass Januzajs führten. Das Dortmunder Tor brachte noch etwas Spannung in die eigentlich schon entschiedene Partei und der BVB hatte in der 90. Minute einige Großchancen nacheinander, da der HSV, der sich in Halbzeit zwei zwar selten hinten reindringen ließ, sich aber, wenn dies doch passierte, aus tiefen Positionen mit laufender Spieldauer schlechter befreien konnte.

BVB: Bürki – Ginter (46. Piszczek), Sokratis, Hummels, Schmelzer – Gündogan, Weigl, Kagawa (46. Castro) – Mkhitaryan, Aubemeyang, Reus (69. Januzaj)

HSV: Adler – Sakai, Djourou, Spahic (29. Cleber), Ostrzolek – Jung, Kacar (71. Gregoritsch) – Müller, Holtby (82. Diaz), Ilicevic – Lasogga

HSV 3:1 (2:0) BVB – 1:0 Lasogga (19., 11m), 2:0 Holtby (41.), 3:0 Hummels (55., Eigentor), 3:1 Aubameyang (86.)

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14 – Stuttgart

Nach Dortmunder Problemen gegen früh anlaufende Mannschaften hätte dieses Spiel eine letzte Chance für Zorniger darstellen können. Stattdessen wurde dieser durch Interimstrainer Kramny und damit Angriffs- durch Mittelfeldpressing ersetzt. Gegen eine 4-4-2/4-4-1-1 mit leicht diagonal versetzten Spitzen spielte der BVB mit ungewöhlich tiefen Außenverteidiger, die nur mit Ball oder in späten Phasen der Angriffe aufrückten, wie vor dem 0:1 (3.) und einer späteren Großchance (26.). Kagawa ließ sich links regelmäßig neben Gündogan fallen, während Castro als rechter Achter höher blieb. Hier unterstützte er die die Anfangsphase prägenden Rechtsüberladungen. Reus nahm an diesen nicht oder kaum teil, sondern blieb meist links außen, von wo er Vertikalläufe startete.

Nach 18 Minuten veränderte Tuchel die Ausrichtung: Gündogan spielte fortan durchgehend im rechten Halbraum, während Kagawa sich nun auch direkt – speziell nach regelmäßigem Aufrücken Benders – halblinks zwischen die Stuttgarter Linien bewegte (s. Grafik). Dadurch konnte die erste Pressinglinie überspielt werden. Statt  Rechtsüberladungen wurde der Ball nun vermehrt über die Halbräume und das Zentrum zirkuliert. Gleichzeitig wurde Stuttgart nicht eingeschnürt. Besonders in der Viertelstunde vor der Pause erlahmte die Ballzirkulation unter fünf bis sechs tiefen Dortmundspieler; die Achter wurden kaum – oder nur durch Zurückfallen – mehr erreicht.

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In der zweiten Halbzeit spielte Castro tief im rechten Halbraum – teilweise vor Sokratis, teilweise herausgekippt, neben den beiden Stuttgarter Stürmern. Gündogan bewegte sich halblinks und zentral, sodass Bender weniger Gelegenheiten zum Aufrücken hatte, während Kagawa davor oft hoch blieb. Dadurch enstand das übliche 4-3-3/4-2-3-1-Hybrid, mit mehr Tendenzen zu letzterer Formation. Zwar gab es einige Pässe zwischen erster und letzter Linie, aber Dortmund fiel grundsätzlich der Übergang von tieferer zu den Offensivspielern schwer, und es gab keine langen Ballbesitzphasen in der gegnerischen Hälfte, sondern regelmäßige Ballbesitzwechsel. Die größte Chance war daher in dieser Phase ein Konter (50).

Nach einer Stunde ersetzte Weigl Kagawa, woraufhin die drei zentralen Spieler die Positionen tauschten, aber die bisherige Grundordnung beibehielten (Weigl – Gündogan, Castro). Durch die Wechsel verbesserte sich die Ballzirkulation des BVB, wobei Stuttgart weiterhin nur selten eingeschnürt werden konnte. Allerdings konnten die Gäste auch nur sehr selten kontern und hatten keinen einzigen Schuss im zweiten Durchgang. Dortmund hingegen erarbeite sich viele Torchancen – durch schnelle Kombinationen auf beiden Flügeln, wie links vor dem 3:1 (65.), und vor allem durch Schnellangriffe und Konter, die Mkhitaryan regelmäßig mit Ballgewinnen, Dribblings und Läufen gegen die nun vermehrt aufrückenden Gäste einleitete. In den letzten zehn Minuten spielte der BVB mit einer Sicherheitsvariante – Bender im Mittelfeld neben Weigl – und erzielte letzendlich noch den vierten Treffer (90.+1) in einem Spiel der vielen Umstellungen.

BVB: Bürki – Piszczek, Sokratis, Bender, Schmelzer – Castro, Gündogan, Kagawa (60. Weigl) – Mkhitaryan, Aubemeyang, Reus (80. Hummels)

VfB: Tyton – Schwaab, Baumgartl, Niedermeier, Insua – Maxim (70. Kruse), Rupp, Gentner, Kostic – Didavi – Werner (82. Tashchy)

BVB 4:1 (2:1) VfB – 1:0 Castro (3.), 2:0 Aubameyang (19.), 2:1 Didavi (40.), 3:1 Niedermeier (65., Eigentor), 4:1 Aubameyang (90.)

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15 – Wolfsburg

Der BVB begann in Wolfsburg mit schneller, präziser Passzirkulation durch die Mitte und beide Halbräume. In den ersten fünf Minuten konnte dies nur mit Fouls unterbunden werden. Die zwei folgenden Freistöße schoss Gündogan an die Latte (3.) bzw. legte Piszczek vor (4.). Bender traf nach einer anschließenden Ecke wieder die Latte (5.). Gegen situatives hohes Pressing – und ansonsten hohes 4-4-2-Mittelfeldpressing –Wolfsburgs konnte Dortmund sich mit Bürkis Hilfe leicht befreifen, da meist nur zwei Spieler hoch anliefen und dahinter kaum auf- und, insbesondere, schnell zurückgerückt wurde. Anfangs liefen die Spieleröffnungen Dortmunds Innenverteidung in Hummels Abwesenheit – neben üblichen kurzen Pässen (aber kaum auf Ginter) – erfolreich über lange, flache Vertikalpässe von Subotic auf Aubameyang im rechten Halbraum ab, wodurch man bereits in Mitten der Wolfsburger Formation war (1., 6., 3.) und lange, hohe Bälle für diagonale Läufe von Mkhitaryan und vor allem Reus (10., 14.). Mit einer Großchance, die Naldo auf der Linie klärt (9.) klang die Druckphase langsam ab, wobei die Passzirkulation erst noch stabil blieb.

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Dortmund presste im 4-3-2-1, in dem Mkhitaryan und Reus ballfern bis in die Mitte einrückten. Wolfsburg hatte damit vor allem anfangs Probleme und konnte sich selten – besonders aus tiefen Postionen bzw. gegen hohes Pressing – effektiv befreien. So trafen die Gäste nach einer schlechten Ballannahme Guilavogis (32.) in einer eigentlich ausgeglichenen Phase. Ballnah erzeugte Dortmund Überzahl und die Achter verhinderten eins-gegen-eins-Duelle nach hohen Diagonalverlagerungen. Allerdings setzen sich die Wölfe mit zunehmender Spieldauer – mit Flügelüberladungen – auch gegen zwei Gegenspieler durch und kamen so zum Abschluss (Schürrle 31., Caliguri 38., Vierinha 42.).

WOB03

Nach einer Stunde enstanden eine Reihe von Chancen – die größte nach einem Fehlpass Bürkis (61). – für Wolfsburg, die in Hälfte zwei einem 4-1-(0)-4-1 mit Draxler und Kruse als sehr flexible und hohe Achter bzw. Zehner spielten. Dortmund presste weiter im 4-3-2-1 und hatte in diesem wenig Zugriff. Erst nach 70 Minuten stellte Tuchel auf ein 4-4-1-1 um. In der letzten halben Stunde – genauso wie vor der Pause – konnten sich die Borussen nur noch selten befreien und die ihre Direktheit, die anfangs sehr positiv war, fiel negativ auf. Nachdem Rodriguez in der Nachspielzeit einen Elfmeter verwandelte, holte der BVB dennoch den Sieg (90.+3).

BVB: Bürki – Piszczek, Subotic, Bender, Schmelzer – Gündogan (55. Kagawa), Ginter, Castro (82. Park) – Mkhitaryan, Aubameyang (82. Hofmann), Reus

WOB: Benaglio – Vierinha, Naldo, Klose, Rodriguez – Caligiuri (57. Träsch), Guilavogui (46. Dost), Arnold, Draxler – Kruse, Schürrle

WOB 1:2 (0:1) BVB – 0:1 Reus (32.), 1:1 Rodriguez (90.+1, 11m), 1:2 Kagawa (90.+3)

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16 – Frankfurt

Frankfurt trat mit einem mannorientierten 6-3-1-Abwehrpressing im Westfalenstadion an. Die beiden Achter der Eintracht orientierten sich an Dortmunds Achtern, während Sechser Hasebe diese entweder unterstützte oder auf Weigl herausrückte, wodurch auch 6-2-1-1-Staffelungen entstehen konnten. Meist hatte Weigl aber ausreichend Platz oder konnte sich unter Druck behaupten. Castro und insbesondere Gündogan stellten durch breite Positionierungen und horizontalen Bewegungen Kontakt zu den jeweiligen Außenverteidigern und Flügelspielern her. Vor allem rechts konnte so mit kurzen Pässen aufgerückt werden. Zudem entstanden auf rechten Seite im gesamten Spiel einige Großchancen durch lange, flache Vertikalpässe von Gündogan auf Mkhitaryan, die dieser in die Mitte zurücklegte. In dieser starken Dortmunder Anfangsphase traf Frankfurt plötzlich nach einem weiten Abschlag (7.).

Mittelstürmer Seferovic positierte sich gegen den Ball im linken Halbraum; er schien Hummels‘ Aufrücken und den Passweg zwischen Weigl und Hummels im Auge zu haben. Allerdings kam er dieser Aufgabe nur wechselhaft nach, wodurch Hummels regelmäßig – vor allem in Halbzeit zwei – für Vertikalpässe – ähnlich wie Gündogan rechts – aufrücken konnte. So erreichte er – nach einer chancenarmen Phase – Aubameyang, der auf Mkihtaryan querlegte (1:1, 24.).

SGE01

Nach Medojevic‘ roter Karte (44.) spielte Frankfurt noch tiefer, im 5-3-1. Dadurch enstanden nach meist geduldigem Aufrücken des BVB mit sehr hohen Außenverteidigern in der letzten Linie 1-gegen-1-Situationen. Dies führte zu einer extrem dominanten Phase zwischen der 56. und der 64. Minute, in der zwei Dortmunder Tore entstanden. Kurz vor dem Sechszehner wurden immer wieder diagonale Lupfer auf die Außenverteidiger gespielt (s. Grafik, gestrichelte Linie). Kurz vor Ende der Partei traf der eingewechselte Ramos noch – in einem Spiel, in dem Frankfurt fast chancenlos war.

SGE02

BVB: Bürki – Piszczek, Bender, Hummels (79. Sokratis), Schmelzer – Gündogan, Weigl, Castro – Mkhitaryan (82. Ramos), Aubameyang, Reus (43. Kagawa)

SGE: Hradecky – Aigner (46. Chandler), Ignjovski, Kinsombi, Abraham, Djakpa, Oczipka – Medojevic, Hasebe, Meier – Seferovic

BVB 4:1 (1:1) SGE – 0:1 Meier (7.), 1:1 Mkhitaryen (24.), 2:1 Aubameyang (57.), 3:1 Hummes (61.), 4:1 Ramos (86.)

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17 – Köln

Gegen den Ball spielte Köln ähnlich wie Bremen oder wie im Vorschlag mit 5-3-2-Mittelfeldpressing – und nach dem Gegentor (18.) auch hohes Mittelfeld- bzw. Angriffspressing. Hierbei gab es einige Mannorientierungen, vor allem auf Hummels, Gündogan und Weigl. Die Pressingmechanismen funktionierten sehr gut, wobei Dortmund auch einige eigene Probleme in der Passzirkulation und Positionierung hatte. In einem 4-2-3-1 (auch gegen den Ball 4-4-1-1) spielte Kagawa als recht freier, ausweichender Zehner, der nicht ballfordernd agierte, sondern bestehende Strukturen gebraucht hätte. Allerdings spielten die drei Offensiven um ihn herum hoch und starteten viele Vertikalläufe. Gleichzeitig blieben die Außenverteidiger im Spielaufbau tief und wurden dort auch angespielt, sodass hinten, zusammen mit den beiden Sechsern, ein Block aus sechs Spielern entstand, mit Kagawa als umherschwirrendem aber wenig eingebundenem, ausweichendem Zehner zwischen beiden Blöcken.

Die Dortmunder Spieleröffnung bestand zum Teil ungewöhnlicherweise aus langen, hohen Vertikalbällen auf die drei vorderen Spieler, mit manchmal gute Staffelungen für zweite Bälle, aber auch mit einigen „loose balls“, die die Kölnern mitnahmen. Zudem gab es einige Mittelfeldduelle. Vor allem präsent waren allerdings kleine Rechtsüberladungen mit Ginter, Gündogan und Sokratis – vor allem am Anfang des Spiels – mit oft folgender Spielverlagerung auf den freien Park (s. Grafik). Links gab es dann teilweise kleinere Flügelüberladungen mit Hofmann, Park, Kagawa und manchmal Weigl, die allerdings nicht weit führten. Sonst war Park links regelmäßig auf sich allein gestellt. So erarbeite sich Dortmund nur wenige Chancen. Trotz 71% Ballbesitz wurden durch die Trennung von Defensive und Offensive die gegenerischen Linien selten durchbrochen und kaum Raumgewinne erzielt.

KOE02

In der zweiten Halbzeit presste Köln konstant hoch und lief Dortmunds Innenverteidiger an (s. Grafik unten). Der jeweils ballnahe Flügelverteidiger lief zudem immer wieder die gegnerischen Außenverteidiger an, während der andere in der Viererkette blieb. So wurden eins-gegen-eins-Duelle in letzter Linie vermieden, wobei Dortmund dort auch wenig kopfballstarke Spieler hatte. Köln startete stark in den zweiten Durchgang und erarbeite sich einige Chancen (46. & 48.) mit vielen Flanken. Das Spiel war relativ ausgeglichen, mit nur etwa 55% Ballbesitz für Dortmund in der zweiten Hälfte. Nach 70 Minute ging Köln auf Risiko, wechselte zweimal offensiv und spielte fortan in einem asymmetrischen 3-2-4-1 mit hohem Zoller und dadurch verwaistem linken Flügel. Der BVB war mit der verrückten Spielweise etwas überfordert, hatte nur noch eine Passgenauigkeit von 68% und kam zwar zu einigen Konterchancen, aber Köln erzielt den Ausgleich (82.) und kurz vor Ende noch das Siegtor.

KOE01

BVB: Bürki – Ginter, Sokratis, Hummels (46. Bender), Park (46. Schmelzer) – Gündogan, Weigl – Kagawa – Mkhitaryan, Aubemeyang, Hofmann (75. Ramos)

KOE: Horn – Olkowski (70. Modeste), Sörensen, Maroh, Heintz, Hector – Gerhardt, Lehmann, Svento (69. Bittencourt) – Risse, Zoller

KOE, Schlussphase: Horn – Sörensen, Maroh, Heintz – Lehmann, Hector – Risse, Bittencourt, Gerhardt, Zoller – Modeste

KOE 2:1 (0:1) BVB – 0:1 Sokratis (18.), 1:1 Zoller (83.), 2:1 Modeste (90.)

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Fazit

Thomas Tuchel formte Borussia Dortmund in kurzer Zeit zu einer sehr guten Ballbesitzmannschaft. Vor allem gegen tiefe Gegner hatte der BVB durch gute Positionierungen und genauer Ballzirkulation wenig Probleme. Sowohl durch Pässe im Zentrum und den Halbräumen wie auch bei Flügelüberladungen konnte Dortmund den Ball recht stabil halten und aufrücken. Besonders Diagonalbälle auf Ginter, die dieser auf seine Mitspieler zurücklegte, waren ein effektives Mittel im letzten Drittel gegen Mannschaften, die sich am eigenen Sechszehner aufstellten.

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