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Dortmunds Rückrunde 2016

Nachdem Thomas Tuchel den BVB ab Sommer 2015 zu einer dominanten Ballbesitzmannschaft formte, die eine beachtliche Hinrunde spielte, war die Rückrunde sogar noch erfolgreicher: 40 Punkte, nur vier Unentschieden und eine Niederlage – und wieder die meisten erzielten Toren der Liga (35). In diesem Artikel soll besonders die Entwicklung des 3-2-4-1 nachgezeichnet werden, welches die Rückrunde prägte. Die Vorgehensweise ist dabei ist ähnlich wie die der Analyse der Hinrunde, wobei es diesmal nicht alle, sondern nur einige Spiele in zwei Teilen gibt, dafür aber mit detaillierteren Einzelteilen.


Teil 1

Spiel Beschreibung
Vorbereitung Dreierkettenideen mit Park
19 – Ingolstadt Schwierigkeiten gegen intensives Pressing
22 – Leverkusen Knapper 1:0-Sieg mit Unterbrechung
EL – Porto Debüt einer klaren 3-2-4-1-Formation
23 – Hoffenheim Später Sieg gegen zehn Hoffenheimer
 weiter zu Teil 2

Vorbereitung

In der Vorbereitung gab es einige auffällige Positionierungen im Vergleich zur Hinrunde zu sehen. Die Grundformation blieb weiterhin 4-2-3-1, 4-3-3 oder Mischformen dazwischen. Im Spielaufbau kippten die Achter aber seltener zwischen Innen- und Außenverteidiger heraus, sondern spielten zentraler. Selbst wenn Innenverteidiger bis zum Mittelkreis aufrücken konnten, blieben die Außenverteidiger nur etwas vor ihnen. Also gab es statt des 2-3-5/2-3-4-1-artigen Aufbaus der Hinrunde nun eine tiefe Viererkette zu sehen. Dies hing jedoch auch von der Personalwahl ab: Schmelzer spielte wie zuvor höher als Piszczek. Ginter hingegen bekam keine Minuten als Rechtsverteidiger, sondern war ausschließlich im zentralen Mittelfeld zu finden.

Am auffälligsten war allerdings Joo-Ho Park, der bislang, seit seinem Wechsel im Sommer aus Mainz, nur selten auflief. Der Südkoreaner spielte in der Vorbereitung generell schon tief, ließ sich dann aber zudem situativ auf die Höhe der Innenverteidiger fallen und rückte in den Halbraum, wie im Testspiel gegen Frankfurt:

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Vergleichbare Bewegungen gab es – besonders, wenn es wenig Anspielstationen im Zentrum gab – auch rechts von Piszczek. Dadurch ist entweder ein einfacher Pass möglich oder das Fallenlassen wird verfolgt, sodass das gegnerische Pressing auseinandergezogen wird. Während die Innenverteidiger dabei ihre Position dabei hielten, kam es auch zu klaren Dreierkettenbildungen in tieferen Phasen:

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Diese situative Umformung bot Torwart Bonmann eine weitere Anspielstation gegen hohes Pressing Frankfurts. Im Laufe der Saison sollte eine klare Formation aus dieser Idee werden – allerdings mit tiefem Piszczek halbrechts, während Schmelzer links weit aufrückte.

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19 – Ingolstadt

Im ersten Heimspiel der Rückrunde hatte Dortmund von Spielbeginn an große Probleme mit der Passzirkulation auf nassem Rasen gegen Ingolstadts mannorientiertes, zentrumsfokussiertes, leicht asymmetrisches Angriffspressing, das aus einer 4-3-3/4-3-2-1-Grundordnung gegen den Ball rautenartig mit tiefem Mittelstürmer und hohen Flügelspielern in den Halbräumen gespielt wurde und den einzig freien Passgebern, Bürki und Sokratis, wenig Möglichkeiten – nur situativ die Außenverteidiger – ließ. Daher wurden sehr häufig lange, hohe Pässe gespielt: regelmäßig auf Ramos, der von rechts in den Halbraum ein- und aufrückte. Speziell die Mannorientierungen auf Weigl, Kagawa und Hummels unterbanden die zentrale Spieleröffnung. Ganz selten konnten Mkhitaryan und Kagawa (halb)links kominieren, während die ohnehin relativ spielschwache rechte Seite nicht durch Gündogan aufgefangen werden konnte, der diesmal fehlte.

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Gleichzeitig gab es weniger klare Aufbausituationen als normalerweise; Ingolstadt gelang es, den BVB mit langen, hohen Bällen in dessen eigenen Hälfte – meist auf dem linken Flügel – in Kopfballduelle und Zweikämpfe zu verwickeln. Zwar konnten sich die Gäste kaum durchsetzen, aber sie erarbeiten sich immer wieder zweite Bälle und Einwürfe, wodurch sie ein Aufrücken Dortmunds verhinderten. Konnte sich der BVB doch befreien, rückte Piszczek regelmäßig relativ unbedrängt auf, spielte aber oft hastige Pässe auf Ramos oder in Richtung Sechzehner. Hier wurde die Chance verpasst, den Gegner nach einer schnellen Befreiung mit Pässen einzuschnüren statt Durchbrüche zu suchen. Zur Pause hatte Dortmund nach einer chancenarmen Hälfte nur eine Passgenauigkeit von 67%, im letzten Drittel gleichviele Pässe wie Ingolstadt sowie nur fünf bzw. zwei angekommene Pässe von Ramos und Aubameyang.

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Im zweiten Durchgang wagte der BVB zwar vermehrt tiefere Passzirkulation und verlagerte den Fokus zudem von links nach rechts, aber hatte dennoch kaum Konstanz im Herausspielen, sodass nach zehn Minuten Kagawa und Weigl durch Castro und Leitner (beide als Achter) ersetzt wurden, die sehr passsicher wirkten. Nun wurde wieder meist der rechte Flügel bespielt, wohin Mkhitaryan weit einrückte und später ganz wechselte. Allerdings konnten von dort kein Cut-Backs oder Lupfer gespielt werden, sondern es wurden simple, hohe Flanken versucht, die fast durchgehend nicht ankamen oder bereits beim Versuch geblockt wurden. Das Spiel lief so weiter, bis es nach etwa 70 Minuten hitziger wurde und vor allem im zweiten Drittel stattfand, mit nur wenig Spielfluss.

Kurze Zeit später orientierter sich Rechtsaußen Leckie vermehrt an Durm, während Dortmunds rechte Seite offenener war. Vor dem 1:0 (77.) dribbelte Hummels vor, um Piszczek rechts freizuspielen, mit weiten Wegen für Ingolstadts Achter und diesmal einer Flanke, die ankam: bei Aubameyang. Vor dem 2:0 (86.) war es ein weiter Ball auf Mkhitaryan, den dieser ins Zentrum legte, wo Castro Aubameyang in Szene setzte. Nach vielen schwierigen Phasen gewann der BVB doch mit zwei Toren Unterschied.

BVB: Bürki – Piszczek, Sokratis, Hummels, Durm – Ginter, Weigl (55. Castro), Kagawa (55. Leitner) – Ramos (68. Pulisic), Aubameyang, Mhkitaryan

FCI: Özcan – da Costa, Matip, Hübner, Bauer – Christiansen, Roger, Morales – Hartmann (71. Lex), Lezcano (88. Cohen), Leckie (81. Bregerie)

BVB 2:0 (0:0) FCI – 1:0 Aubameyang (77.), 2:0 Aubameyang (86.)

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22 – Leverkusen

Dortmund startete in Leverkusen mit einer sehr ungewöhnlichen Aufstellung: Bender spielte als Sechser in einem 4-3-3 hinter den Achtern Leitner und Ginter, während Pulisic sein Startelfdebüt auf dem linken Flügel feierte. Bender und Ginter sind eine außergewöhnlich zweikampfstarke aber auch wenig spielstarke Variante, also eine Entscheidung, Leverkusens Pressing nicht mit besonders viel Spielstärke entgegenzutreten, sondern sich auf Duelle einzulassen. Im Spielaufbau ließ sich Bender konstant zwischen die beiden Innenverteidiger fallen, die daraufhin breit bis sehr breit auffächerten. Dadurch entstanden 3-4-3-artige Staffelungen. Die Außen- bzw. Flügelverteidiger spielten dabei verhältnismäßig tief, und der Raum vor der Dreierkette wurde nicht ballfordernd von zurückfallenden Achtern besetzt, sondern blieb nach Benders Abkippen regelmäßig frei (rot in Grafik).

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Gegen diesen Aufbau pressten Kießling und Chicharito etwas nach rechts versetzt in Leverkusens 4-4-2/4-2-2-2- Angriffspressing, wodurch Hummels nur selten anspielbar war. Stattdessen bekam höchstens Sokratis Bälle. Dieser wurde dann zwar meist schon von Kießling verfolgt, aber Linksaußen Bellarabi rückte ebenfalls raus: er positionierte sich zwischen Piszczek und Sokratis und lief den Griechen regelmäßig an. Währenddessen rückte Rechtsaußen Mehmedi weit ein, sodass 4-3-3-artige Staffelungen entstanden. Diese Asymmetrie mit hohem ballnahen und tiefem, eingerückten ballfernen Außen gab es später auch andersherum bei Angriffen über Dortmunds linke Seite. Rechts spielte Sokratis oft lange, hohe Bälle Richtung Mkhitaryan oder auch Aubameyang. Diese wurden zwar relativ selten festgemacht, aber Leverkusen konnte auch nicht klar aufbauen, sondern kämpfte um zweite Bälle. Zudem waren in einigen Situationen flache Bälle von Sokratis auf Piszczek möglich, die Letzterer oft ebenfalls flach den rechten Flügel zu Mkhitaryan oder Aubameyang runterspielte. Hatte Bender den Ball, glichen dessen Passmuster denen von Sokratis. Die linke Seite wurde weniger eingebunden. Hier gab es selten – meist flache – Pässe von Durm auf Pulisic auf dem Flügel. Diese Bälle auf den Außen waren auf beiden Seiten besonders effektiv, wenn die gegnerischen Außenverteidiger zuvor rausrückten und daher die Innenverteidiger den angespielten Spieler verfolgen mussten und so weit rausgezogen wurden. Allerdings wurden die Ballstafetten insgesamt durch den beschriebenen Aufbau nur kurz gehalten. Daraus sollte außerdem klar sein, dass das zentrale Mittelfeld kaum in die Ballzirkulation eingebunden war.

Dortmund lief Leverkusen meist in einem hohen Mittelfeldpressing an. Aubameyang orientierte sich an dem ballführenden Innenverteidiger, während Leitner zwischen dem tieferen zentralen Mittelfeldspieler und dem anderen Innenverteidiger variierte. Dadurch entstanden defensiv 4-4-1-1-artige Staffelungen. Teilweise liefen die Flügelspieler die situativ herauskippenden Mittelfeldspieler oder teilweise tiefen Außenverteidiger an. Leverkusen versuchte es mit Ansätzen von tiefer Ballzirkulation, spielte sich aber nicht aus den meist auftretenen 3-gegen-2-Situationen heraus. Stattdessen schlug meist ein Innenverteidiger oder Leno mit zunehmenden Druck einen langen Ball. Manchmal landeten diese auf dem linken Flügel; meist war jedoch Kießling der Zielspieler. Dieser machte einige Bälle fest und setzte das Spiel dann regelmäßig auf dem linken Flügel fort. Jedoch gab es auch sehr viele knappe Duelle, woraufhin keine der beiden Teams den Ball klar festmachen konnte. Diese häufigen Ballbesitzwechsel und Zweikämpfe im zweiten Drittel waren typisch für das gesamte Spiel. Oft endeten kurze Kombinationen auf den Flügeln, wo nach Einwürfen erneut knappe Duelle um den Ball begannen. Ab der Mittellinie und tiefer presste Dortmund in ihrem für Viererketten üblichen 4-1-4-1, in dem Leitner als linker Achter in die Mittelfeldreihe zurückrückte. In den letzten zehn Minuten des ersten Durchgangs tauschten Bellarabi und Mehmedi die Seiten, woraufhin sich auch die Leverkusener Ballzirkulation mit Bellarabi etwas nach rechts verschob. Gleichzeitig konnte sich Dortmund nun auch durch Pässe von Hummels auf Durm befreien, die Letzterer auf Leitner ablegte. Anschließend konnte der oft offene rechte Flügel für Verlagerungen genutzt werden. In einer ähnlichen Situation kurz vor der Pause vergab Aubameyang nach einigen Abprallern frei aus etwa zehn Metern – in einer ansonsten sehr chancenarmen Halbzeit.

Nach der Pause hatte Dortmund etwa zwanzig Minuten lang deutlich mehr Ballbesitz als die Gastgeber: etwa zwei Drittel. Mit der Einwechslung Reus‘ für Pulisic (46.) änderte sich die Formation und der Spielaufbau. Hummels, Sokratis und Piszczek bauten vor der Doppelsechs Bender-Ginter in einer klaren 3-2-Struktur das Spiel auf. Leitner nahm eine eigentümliche Rolle ein. Defensiv spielte er zwar als rechte Acht (Wechsel von links) und offensiv im Laufe der Angriffe zentral (gestrichelte Linie in Grafik), aber – insbesondere im tieferen – Spielaufbau positionierte er sich in der Nähe Mkhitaryans auf dem rechten Flügel, entweder etwas tiefer als der Armenier oder etwas weiter innen. Dadurch hatte man, sollte einer der beiden erfolgreich angespielt werden, eine 2-gegen-1-Situation gegen Wendell. Der Ball bleib jedoch zum Großteil bei der Dreierkette. Leverkusens Stürmer spielten weiterhin etwas versetzt und mit asymmetrischen 4-3-3-Tendenzen, wobei sie sich mehr auf den Sechserraum konzentrierten und so Sokratis mehr Zeit am Ball hatte, die er allerdings wenig nutzen konnte. Dies lag aber auch an den beiden zentralen Mittelfeldspieler Ginter und Bender, die den Spielaufbau nicht erleichterten; besonders bei hohem Druck sind beide anfällig für Ballverluste und generell auch wenig beweglich oder pressingresistent. Dadurch hatte auch Hummels Probleme, Anspielstationen vor ihm zu finden. Im Laufe der – seltenen – Angriffe konnte Dortmund aber mehr Druck über den eingewechselten Reus auf links ausüben. Zudem rückte Leitner dann ins Zentrum. Trotz des großen Ballbesitzes blieb das Spiel jedoch relativ ausgeglichen.

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Währenddessen nutzte Leverkusen den wenigen Ballbesitz hauptsächlich auf den Flügeln. Links hatte man mit Bellarabi und Wendell zwei extrem dribbelstarke Spieler, die teilweise in für Dortmund gefährliche 2-gegen-2-Situationen kommen konnten. So – mit anschließendem Doppelpass mit Chicharito – entstand die erste große Chance des Spiels (51.). Beim BVB spielte Bender unter Gegnerdruck einen Fehlpass, gewann den Ball jedoch gerade noch zurück (64.). Den anschließend schnell ausgeführten Freistoß nutzen Reus, Durm und Aubameyang für einen blitzschnellen Konter. Diese Szenen steht gewissermaßen symbolisch für das Spiel des BVB: dieser Besetzung liegt temporeiche Angriffe mehr als Spielaufbau gegen einen Gegner mit starkem Pressing.

Nach dem Tor verwies Schiedsrichter Zwayer Leverkusens Trainer Roger Schmidt wegen Reklamierens auf die Tribüne. Dieser blieb jedoch unten, woraufhin Zwayer das Spiel für knapp zehn Minuten unterbrach. Dadurch war der Spielfluss raus; kurz danach wurde Weigl für Bender eingewechselt (69.). Allerdings gab es nur noch wenig klare Aufbausituationen. Leverkusen hatte bis zum Ende über 60% Ballbesitz, während Dortmund relativ tief in einem 4-4-1-1 verteidigte. Weiterhin waren kaum Chance im Spiel. Als der BVB einmal auf die Innenverteidiger presste, spielte Ramalho einen Fehlpass und Dortmund konterte: Reus vergab im 1-gegen-1 gegen Leno (87.). Eine Minute später gab es einen weiteren Konter. Kurz vor Abpiff konnte kein Borusse den Ball auf der linken Seite klären, sodass Leverkusen eine Gleichzahlsituation hatte. Chicharito schoss aus etwa 11 Metern knapp vorbei. So reichte es für einen knappen Dortmunder Sieg in einem von vielen Mittelfeldduellen geprägten Spiel.

BVB: Bürki – Piszczek, Sokratis (77. Subotic), Hummels, Durm – Ginter, Bender (69. Weigl), Leitner – Mkhitaryan, Aubameyang, Pulisic (46. Reus)

B04: Leno – Jedvaj (57. Hilbert), Tah, Toprak (46. Papadopoulos), Wendell – Bellarabi, Kramer, Kampl (46. Ramalho), Mehmedi – Chicharito, Kießling

B04 0:1 (0:0) BVB – 0:1 Aubameyang (64.)

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EL – Porto

Im anschließenden Spiel gegen Porto in der Zwischenrunde der Europa League spielte Dortmund zum ersten Mal mit einer klaren 3-2-4-1-Formation, die große Teile der Rückrunde prägen sollte. Nachdem bereits in der Vorbereitung mit Dreierkettenbildungen durch Park experimentiert und der BVB in Leverkusen mit einer Art 3-4-3 durch Abkippen Benders agierte, gab es in Porto zum ersten Mal eine Umformung mit Schmelzer. Der Linksverteidiger spielte defensiv in der Viererkette und rückte offensiv weit vor, auf die Höhe des offensiven Mittelfelds. Das ist mit sehr hoher Laufarbeit verbunden, was Schmelzer aber liegt. Gleichzeitig rückte Reus in den linken Halbraum ein, um neben Kagawa als eine Art Doppelzehn zu spielen. Hummels schob in den linken Halbraum oder auf den Flügel, während Ginter rechts eine ähnliche Position einnahm. Mkhitaryan blieb auf rechts breit, sodass eine klare 3-2-4-1-Staffelung entstand.

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Vereinfacht kann man sagen, dass rein formativ aus dem 2-3-4-1-Aufbau der Hinrunde nun ein 3-2-4-1-Aufbau wurde, also ein Tausch der ersten und zweiten Linie. Sowohl von den Anspielmöglichkeiten und Bewegungen unterscheiden sich beide Formationen aber natürlich stark. Ein Vorteil ist der erschwerte Zugriff auf Dortmunds Halbverteidiger, besonders bei breiter Positionierung. In den letzten Jahren hat man bei einigen Vereinen regelmäßiges Abkippen eines Sechsers gesehen, während der ballführende Innenverteidiger unter Druck aufrückt, und, leicht nach außen gedrängt, höchstens einen Flügelspieler, isoliert in der Seitenlinie, anspielen kann. Der Aufbau des BVB hingegen setzt bewusst auf die Spielstärke der Verteidiger und kommt besonders Hummels entgegen: der Rechtsfuß kann aus bereits breiter Positionierung nach innen gerichtet aufrücken und hat den Großteil des Spielfelds im Sichtfeld, wodurch er Mitspieler durch genaue Pässe im Zwischenlinienraum oder anderen Lücken erreichen kann.

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23 – Hoffenheim

Gegen Dortmunds neuem 3-2-4-1/3-2-5-Aufbau rückte der ballnahe Hoffenheimer Stürmer aus einem hohen 5-2-1-2/5-2-3-Mittelfeldpressing diagonal auf den jeweiligen Halbverteidiger raus, während der andere zwischen Halbraum und Zentrum den einen defensiven Mittelfeldspieler übernahm und Amiri den anderen. Subotic zentral wurde freigelassen. Selten rückte einer der Hoffenheimer Sechser (meist Strobl) ebenfalls raus; meist orientierten sie sich klar an Kagawa und Reus. Diese Pressingmechanismen (und der generelle Halbraum- und Zentrumsfokus davon) leiteten Dortmund auf die Außen: nach häufiger tiefer Passzirkulation nahm Piszczek regelmäßig etwas Dynamik für Flügelangriffe auf. Diese wurden alternativ durch seltene diagonale flache Pässe aus dem defensiven Mittelfeld in den rechten Halbraum auf Kagawa ermöglicht. Dadurch gab es rechts kleinere Kombinationsansätze von beiden mit dem hervorragenden Mhkitaryan, wobei diese meist in ungenauen (aber potentiell gefährlichen) diagonalen Passversuchen hinter die Abwehr mündeten. Alternativ spielte meist Sahin weite, hohe Diagonalbälle auf Schmelzer, die dieser hineinflankte oder direkt spielte statt Hoffenheim einzuschnüren.

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Bei Hoffenheim spielte Baumann besonders anfangs viele lange, hohe Bälle, aber die Gäste bauten teilweise auch unter Druck tief auf und und kamen über die Außen zu Angriffsversuche. In einer Phase, als diese abklangen, trafen die Gäste nach einer schlechten Abwehr Bürkis (25.). Kurz darauf parierte er hervorragend nachdem eine kurze Ecke Dortmunds in einem Konter endete. Etwa in der 36. Minute stellte Tuchel auf 4-2-3-1 um, was Nagelsmann sehr schnell mit einem etwas tieferem 5-4-1 konterte und so Zugriff auf Dortmunds Aufbau behielt. Nach einem Dribbling Mkhitaryans hatte Reus die erste große Chance per Freistoß (43.), in einer ansonsten chancenarmen ersten Hälfte.

Zur Pause kam Gündogan für Kagawa, und der BVB stellte auf ein 4-3-3 um. Sechser Weigl spielte dabei recht tief, kippte situativ ab bzw. Bender rückte auf, sodass auch teilweise 3-2-4-1-ähnliche Strukturen entstanden. Sahin ging als halblinker Achter etwas unter. Der Fokus lag weiterhin auf dem starken Mkhitaryan, der auch durch direkte Pässe von Gündogan oder Subotic gesucht wurde. Hoffenheim hatte im 5-4-1 wenig Zugriff auf Dortmunds defensive Halbräume – die Außenspieler liefen eher selten durch – bei gleichzeitig regelmäßig hoher Abwehrkette, sodass der Ballführende genug Zeit und Raum hatte, um derartige Bälle zu spielen. Kurz nach der Pause gewann Weigl einen „loose ball“ am gegnerischen Sechszehner und legte ihn auf Gündogan weiter, der bis zum Elfmeterpunkte dribbelte und dann den Pfosten traf (48.). Hoffenheims Konter waren weiterhin gefährlich (z.B. 52.), wurden aber im Laufe der Zeit seltener.

Nach Rudys roter Karte (57.) spielten die Gäste im ungewöhnlichen 5-4, aus dem die zentralen Mittelfeldspieler zwar teilweise herausrückten, aber dennoch nur wenig Druck auf die Gastgeber ausgeübt werden konnte. Beim BVB gab es die 3-2-4-1-Struktur mit abgekippten Weigl immer konstantner zu sehen, mit nun auch hohem Piszczek, während Mkhitaryan und Reus den linken bzw. rechten Halbraum besetzten. Dortmund schnürrte Hoffenheim zwar ein, kam aber zu keinen Chancen. In der 74. Minute wurden daraufhin Leitner und Ramos für Sahin und Weigl eingewechselt. Daraus ergab es sich eine asymmetrische Formation. Schmelzer spielte oft wie ein Halbverteidiger, rückte aber teilweise mit auf. Sowohl Leitner als auch Reus hatten Hybridpositionen: Leitner spielte als Sechs neben Gündogan, rückte dann aber weit auf, und Reus spielte auf der Höhe der Außen im rechten Halbraum und wechselte dann regelmäßig in die letzte Linie.

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Nach einer kurzen Ecke (s. Grafik unten) gelang dem BVB der späte Ausgleich (80.) und direkt danach der Führungstreffer, durch einen Pass von Gündogan auf Piszczek, der hoch auf Ramos zurücklegte (85.). Anschließend ging Hoffenheim mit mehr Risiko auf das Unentschieden und kassierte noch das 3:1.

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BVB: Bürki – Piszczek, Subotic, Bender – Weigl (74. Ramos), Sahin (74. Leitner) – Mkhitaryan, Kagawa (46. Gündogan), Reus, Schmelzer – Aubameyang

TSG: Baumann – Kaderabek, Schär, Süle, Bicakcic, Toljan – Strobl, Rudy – Amiri (63. Polanksi) – Uth, Volland (72. Hamad)

BVB 3:1 (0:1) TSG – 0:1 Rudy (25.), 1:1 Mkhitaryan (80.), 2:1 Ramos (85.), 3:1 Aubameyang (90.+2)

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Teil 2

Spiel Beschreibung
28 – Bremen Torreicher Sieg gegen viele Mannorientierungen
29 – Schalke 2:2-Unentschieden im Revierderby
30 – Hamburg Erst absichernd, dann dominant gegen 9 Hamburger
Pokalfinale Knappe Niederlage im Elfmeterschießen
Fazit Abschließende Gedanken

28 – Bremen

Werder Bremen versuchte es in Dortmund mit tiefem, mannorientiertem und zentrumsfokussiertem 5-3-2-/5-2-1-2-Mittelfeldpressing, das durch die Mannorientierungen abhängig von den Bewegungen des BVB unterschiedlich auseinandergezogen wurde. Grillitsch verfolgte Mkhitaryan in klarer Manndeckung überall hin, während sich die Achter an Weigl und Castro orientierten. Nach einer kurzen Findungsphase, in der Schmelzer noch tief spielte, rückte dieser auf und Dortmund baute wieder in einem asymmetrischen 3-2-4-1 mit häufigen Halbraumüberladungen auf der linken Seite auf. Reus konnte sich dadurch im letzten Drittel, nach mannschaftlichem Aufrücken, komplett auf risikoreiche Durchbrüche ausrichten – auch durch die Aufrückbewegugen von Bender und die gute Positionsfindung von Castro als linkem Achter, der viele Bälle bekam und gut zwischen hohen Verlagerungen und direkten, flachen Weiterleitungen (oft Richtung Reus) variierte. Reus‘ Ausrichtung war in diesem Kontext – im starken Gegensatz zum zweiten Drittel bzw. Unterzahlsituationen (speziell zur Mitte des ersten Durchgangs) – gut eingebunden und abgesichert. Zwei Großchancen (15., 23.) folgten nach anschließenden flachen Diagonalbällen auf Durm, der, ähnlich wie Ginter in der Hinrunde, im letzten Drittel weit diagonal und torgerichtet einrückte.

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Bremen hatte einen starken Rechtsfokus (49% der Angriffe); regelmäßig spielten sie lange, hohe Bälle Richtung Yatabaré, der offensiv auf den rechten Flügel auswich. Es gab aber auch kombinative Ansätze, die jedoch gegen Dortmunds asymmetrisches 5-2-2-1-Pressing mehrmals in gefährlichen Kontern endeten (23., 39.). Währenddessen konnten die Borussen offensiv in der gesamten Halbzeit den ballfernen Werderstürmer auf beiden Seiten oft in die Mitte ziehen, durch die fünf sehr präsenten Spieler in der Dreierkette und dem defensiven Mittelfeld – je 81 bis 90 Ballkontakte; andere BVB-Spieler: alle weniger als 44 – sehr stabil immer wieder den ballfernen Halbverteidiger freispielen, der anschließend mit Ball aufrückte (siehe gestrichelte Elipsen oben). Nach etwa nach einer halben Stunde orientierte sich Junusovic stärker an Weigl, und Fritz sicherte vermehrt ab, wodurch Bremen zwar eine bessere Absicherung gegen Dortmunds Linksüberladungen und zentrale Angriffe hatte, aber, speziell nach guten Einrückbewegungen Weigls, nun noch weniger Zugriff auf den rechten Halbraum bekam, in dem Piszczek noch häufiger aufrückte. Der Halbverteidiger war hier in seinem Passspiel recht stabil, aber nicht herausragend – mit einigen Geistesblitzen – und setzte die Angriffe manchmal clever über den dann oft nach innen dribbelnden Mkhitaryan fort. Flügelangriffe zu zweit von Piszczek und Durm waren weniger erfolgreich: zusammen agierten sie entweder zu hektisch-durchbrechend oder spielten sich fest – ohne verbindenen Achter in der Nähe, der diese Situationen hätte auflösen und Angriffe fortführen können.

Die erste Viertelstunde nach der Pause war weiterhin von viel Ballbesitz des BVB (63%) geprägt. Dabei waren die Gastgeber stabil und dominant in der Ballzirkulation und Positionierung, aber nicht unbedingt druckvoll. Bremen hatte, stärker als im ersten Durchgang, kurze Phasen mit etwas höherem Pressing, besonders nach gegnerischen Einwürfen, Abstößen oder eigenen Ballverlusten. Beispielweise in der der 53. Minute gingen die Gäste nach eigenem Abschlag auf den zweiten Ball, aber nach einer direkten Weiterleitung von Reus auf Mhkitaryan konnte der Armenier Aubameyang in einer 3v4-Situation in Szene setzen – 1:0. Es war auffällig, dass Bremen zwar aufrückte, aber im situavien höheren Pressing selten mit anderen Mannschaftsteilen nachschob: in der 59. Minute konnte Dortmund eine tiefe 5v3-Situation leicht ausspielen, was in einer Großchance für Durm resultierte. Hier waren Schmelzers nun vermehrt tiefe Positionierungen von Vorteil: die Gäste müssten die Flügelverteidiger weit hochschieben, um Zugriff zu erhalten.

Nachdem Bremen nach einer Stunde mehr Ballbesitz hatte, versuchte der BVB es mit Kontern bzw. Schnellangriffen gegen die nun höhere Stellung der Gäste. Mit einem Tor hätte man das Spiel beenden können, drängte Bremen aber gleichzeitig nicht nach hinten. In der 65. Minute stellte Bremen durch einen offensiven Wechsel – Öztunali für Garcia – auf eine Viererkette um. In der ersten Ballbesitzphase der Gäste im zweiten Durchgang holen sie zwei Ecken raus, von denen Castro eine unglücklich ins eigene Tor abfälschte (69.) Einige Minuten später dribbelte Öztunili Bender aus und passte flach zu Junusovic, der zum 1:2 einschiebt (73.). Fünf Minuten später bestrafte Dortmund die Mannorientierungen Bremens: Gebre Selassie verfolgte Reus weit, der clever den Passweg für Castro öffnete. Dieser spielte einen perfekten Flachpass auf Schmelzer, der den Ball flach und scharf an die Fünferkante zu Kagawa zurücklegte – 2:2.

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Der BVB stellte in der 80. durch die Einwechslungen von Pulisic und Ramos (für Reus und Schmelzer) um. Die Besetzung der Räume ähnelte der zuvor, wobei klar offensivere Akteure diese ausfüllten. Ramos spielte zentraler und höher als Reus, Kagawa tiefer als Mkhitaryan und der Armenier fortan derweil als linker Außen- bzw. Flügelverteidiger. So wurde aus die Besetzung im Zentrum und den Halbräumen aus einem 3-2-2-1 eher ein 3-2-1-2. Pulisic konnte beim starken Rechtsfokus – im Gegensatz zu Durm – viele Dribblings und Dynamik einbringen, flanken und Ecken rausholen, von denen eine Ramos zum 3:2 verwandelte (82.) und der BVB so noch gewann.

BVB: Bürki – Piszczek, Ginter, Bender – Weigl, Castro – Durm (74. Kagawa), Mkhitaryan, Reus (80. Pulisic), Schmelzer (80. Ramos) – Aubameyang

SVW: Wiedwald – Gebre Selassie, Galvez, Vestergaard, S. Garcia (65. Öztunali), Sternberg – Yatabaré, Fritz, Grillitsch – Junusovic, Ujah

BVB 3:1 (0:0) SVW – 1:0 Aubameyang (53.), 1:1 Galvez (69.), 1:2 Junosovic (75.), 2:2 Kagawa (77.), 3:2 Ramos (82.)

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29 – Schalke

Mit acht Wechseln begann Dortmund auf Schalke in einer Grundordnung, die durch Kagawas Rolle zwischen einem 5-2-2-1 (wie in den letzten Spielen) und einem 5-3-2 varrierte. Die Formation ist hier als Fünferkette angegeben, da es nur selten Phasen gab, in denen Schalke über längere Zeit nach hinten gedrängt wurde und so klare 3-2-4-1- oder 3-3-4-Staffelungen hätten auftreten könnten. Kagawa variierte zwischen einer Rolle im linken, offensiven Halbraum – etwa auf einer Höhe mit Pulisic – und der tiefer als linker Achter neben Leitner. Schalke versuchte es dagegen in einem leicht asymmetrischen 5-2-3 / 5-4-1. Sané presste dabei höher (gegen Hummels) als Belhanda auf der anderen Seite. Höjbjerg orientierte sich an Leitner, während Geis, abhängig von Hunterlaars Bewegungen, auf Sahin herausrückte. Dann hatte im Prinzip jeder Schalker einen Gegenspieler, was es schwer für den BVB gemacht hat. Allerdings gab auch selten diese klaren Aufbausituationen, da Schalke ebenfalls die Abstöße so komplett zustellte, woraufhin Bürki weit abschlug.

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Dadurch ergab sich ein ausgegliches Spiel, in dem Schalke vor allem über rechts und der BVB über links angriff. Es gab regelmäßige Spielunterbrechungen und Ballbesitzwechsel, aber keine Konter und stattdessen viele Szenen im zweiten Drittel. Nach einer chancenarmen Anfangsphase wirbelte Pulisic das Spiel mit dynamische Läufen auf (z.B. 13.). Allerdings war die Ballzirkulation durch das Zentrum schwer, da, auch aufgrund der neuen Besetzung, Mitspieler nicht erreicht werden konnten. So konnte das Spiel nicht wie üblich aufgebaut werden. Bürki schlug oft weit Richtung Ginter, der am rechten Flügel auf Höhe der Mittellinie versuchte, Kopfballduelle zu gewinnen. Auch Ramos wurde regelmäßig adressiert. Später positionierte sich Kagawa auf dem linken Flügel (s. Grafik) und ermöglichte direkte Pässe aus der Abwehrkette, um dem Zentrum zu entkommen, worauf Schalke nicht vorbereitet war. Dennoch dominierte Dortmund das Spiel nicht wie eine Ballbesitzmannschaft; die Spielanteile waren recht ausgeglichen verteilt, mit 52 zu 48 Prozent in der ersten Hälfte.

Schalke baut mit einer breiten Dreierkette auf, die von Dortmund asymmetrisch angelaufen wurde. Zentrale Pässe auf Geis und Höjbjerg wurden durch das zentrale Fünfeck des BVB verhindert (siehe unten). Bei Pässen auf den linken Halbverteidiger (Neustädter) rückte Pulisic heraus, während Leitner den ballnahen Sechser zustellte und Kagawa ballfern einrückte. Bei Pässen auf den rechten Halbverteidiger (Riether) lief Kagawa diesen an, mit dem ballnahen Sechser im Deckungsschatten. Dortmunds ballnahe Verteidiger orientierten sich an den jeweiligen Gegenspielern. Ein Vorteil war zudem, dass Matip den Ball zwar gut hielt und verteilte, aber Fährmann dahinter schnell zu langen Bällen griff – außer bei sehr geringem Druck und sehr offenen Passwegen. Der BVB verteidigte so sehr stabil gegen Schalkes Rechtsfokus. In der 33. Minute konnte sich die Heimmannschaft ausnahmsweise durchspielen und kam zudem noch zu einer weiteren Chance (40.) in einer ansonsten ruhigen und chancenarmen erste Halbzeit.

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Zur zweiten Halbzeit kam Mkhitaryan für Hummels und spielte als rechter Flügelverteidiger. Ginter und Bender schoben eine Position nach hinten bzw. innen, als Halb- bzw. Innenverteidiger, wodurch die Formation weiterhin ein 5-2-2-1 / 5-3-2 blieb. Nun gab es vermehrt Angriffe über die rechte Seite, bei denen Kagawa sich zentral oder sogar im rechten Halbraum aufhielt und so das 1:0 (49.) sowohl einleitete als auch erzielte. Schalke spielte weiterhin mit einem Rechtsfokus und kombinierte sich in der 51. Minute durch, und Sané erzielte nach einem Abpraller den Ausgleich. Mkhitaryan und Kagawa spielten weiterhin sehr dominant, und der Armenier holte einige Ecken und Freistoße raus, wie vor dem 1:2 (56.). Danach gab es nach Vorstößen Schalkes Probleme, sich herauszuspielen; durch das Fehlen Hummels‘ mangelte es an einem klar spielmachenden Akteur in der ersten Linie. Dies wurde durch einige flache Staffelungen in der letzten Linie erschwert, wodurch der Ball teilweise nur kurz gehalten wurde. Kurz darauf stieg Sokratis ungestüm ein und verursachte den Elfmeter zum 2:2 (66.), als Schlusspunkt von in torreichen zwanzig Minuten nach der Pause.

Nach einer Stunde stellte Schalke durch die Einwechslung Meyers (für Caicara) von der Fünferkettte auf ein 4-2-3-1 um. Der BVB war in dieser Phase etwas dominanter, aber es gab insgesamt wenig Spielfluss. In der 73. Minute stellte der BVB durch einen Doppelwechsel (Gündogan und Aubameyang für Leitner und Pulisic) ebenfalls um, auf ein 4-3-3 mit Ramos auf dem linken Flügel und Ginter als Rechtsverteidiger. Gündogan spielte sehr dominant mit vielen Dribblings, was zu großen Chancen führte (77. & 84.). Zwar blieb es letztendlich beim 2:2, aber das Spiel hat wieder einmal die Bedeutung von Hummels, Gündogan und Mkhitaryan unterstrichen. Die drei Spieler sind zentral für das Dortmunder System und veränderten durch ihre Einwechslungen (bzw. bei Hummels: Auswechslung) die Spieldynamik. Zum jetzigen Zeitpunkt häufen sich die Gerüchte und es ist nicht klar, ob sie über den Sommer hinaus beim BVB bleiben werden.

S04: Caicara (60. Meyer), Riether, Matip, Neustädter, Kolasinac (75. Aogo) – Geis, Höjbjerg – Sané, Hunterlaar, Belhanda (82. Choupo-Moting)

BVB: Ginter, Bender, Sokratis, Hummels (46. Hummels), Durm – Leitner (73. Aubameyang), Sahin – Pulisic (73. Gündogan), Ramos, Kagawa

S04 2:2 (0:0) BVB – 0:1 Kagawa (49.), 1:1 Sané (51.), 1:2 Ginter (56.), 2:2 Hunterlaar (66.)

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30 – Hamburg

Gegen den HSV spielte Dortmund in einem asymmetrischen 4-2-3-1 mit tiefen Außenverteidigern. Besonders auffällig war dies links, wo Passlack auch im Laufe der Angriffe nicht aufrückte und der Flügel vor ihm konsequent von Pulisic besetzt war. Kagawa positionierte sich meist im linken offensiven Halbraum, ließ sich aber auch regelmäßig fallen oder kam Passlack und Pulisic auf dem Flügel zur Hilfe. Rechts stoß Ginter zwar mit Ball bzw. im Laufe der Angriffe vor, nahm aber sonst ebenfalls eine tiefe Position ein. Vor ihm bot sich Castro bei Angriffen über rechts teilweise kurz auf dem Flügel an; meistens war jedoch im Halbraum zu finden. Durch diese Positionierungen – besonders durch die tiefen Außenverteidiger und die doppelte Flügelbesetzung links – war der BVB auf Absicherung ausgerichtet.

Der HSV variierte gegen den Ball zwischen Mittelfeld- und Angriffspressing. Im 4-4-2-Mittelfeldpressing verperrten die Stürmer gut die Pässe ins Zentrum und insbesondere zu Sahin. Der Mittelfeldblock war dabei horizontal kompakt und öffnete Pässe auf die Außenverteidiger. Dorthin schoben die Hamburger besonders auf Dortmunds linker Seite sauber und stellte die ballnahen Passoptionen zu. Nach Verlagerungen nach rechts lief dann Ilicevic regelmäßig Gündogan an, verhinderte dessen Drehung und lief teilweise durch bis zu Bender. Dadurch gab es einige Übergänge ins Angriffspressing. Meistens wurde dies jedoch anders gespielt: besonders bei Abstößen rückte Kacar hierbei auf Sahin vor, sodass sich die Stürmer in 4-1-3-2-Staffelungen klar an Bender und Hummels orientieren konnten mit weiteren losen Mannorientierungen.

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Dortmund baute anfangs besonders über die linke Seite auf und verlagerte anschließend nach rechts auf Ginter, der sehr viel Platz hatte und sehr oft flankte (5., 6., 7., 19., 21., 36.). Links waren die Angriffe vorhersehbar; besonders Pulisic ging regelmäßig in Unterzahldribblings, die er zwar selten gewann, aber dabei abgesichert war. So wurde der HSV nur selten konstant nach hinten gedrängt. Außerdem gab es im Zentrum zwischen erster und letzter Linie wenig Präsenz – mit Ausnahme von einigen Vertikalläufen Gündogans – und zudem verperrte der HSV die Passwege gut, sodass der BVB auch zu einigen Passversuchen – flach und hoch – direkt zu Ramos griff. Meist endeten die Angriffe allerdings auf den Flügeln. Von hier befreite sich der HSV mit Verlagerungen auf den ballfernen Außenverteidiger teilweise recht gut (meist links). Zudem gab es schnelle Kombinationen im Zentrum und den Halbräumen, wie bei der Großchance der 18. Minute nach einem der erwähnten langen Bälle Richtung letzte Linie.

Der BVB presste vor der Mittellinie im 4-4-2, formte sich aber kurz dahinter zu einem tiefem 4-1-4-1-Mittelfeldpressing um, was besonders in einer Ballbesitzphase der Gäste um die 25. Minute auftrat. Das, genauso wie die Positionierung Kagawas mit Ball, erinnerte an das 4-2-3-1/4-3-3-Mischsystem der Hinrunde. Die Qualität des Hamburger Ballbesitzes fiel allerdings deutlich gegenüber den Umschaltsituationen ab. In der 36. Minute unterlag Bender ein technischer Fehler, sodass Schipplock eine Großchance vor Bürki auf dem Fuß hatte, diese allerdings vergab. Kurz darauf traf Pulisic nach einer kurzen Ecke (38.). In den zehn Minuten vor der Pause verwickelte der HSV die Dortmunder in körperliche Duelle im zweiten Drittel. Aus einer solchen Situation schickte Sahin Ramos, der nach cleverer Einzelaktion zum 2:0 traf (44.) – obwohl es auch genauso gut hätte 0:2 zur Pause stehen können.

Die zweite Halbzeit begann mit sehr vielen Umschaltsituationen und offenen Stellungen. Die Gäste rückten auf, während der BVB auf das 3-2-4-1  umgestellte und oft rechts über Bender angriff. Gleichzeitig agierter der HSV kombinativer. Nach einer roten Karte für Adler (52.) schnürrte Dortmund das Hamburger 4-4-1-0 größenteils ein. Die Passzirkulation lief gut, und Castro und Kagawa ließen sich immer wieder kurz fallen. Hummels agierte als eine Art Libero mit 1-3- oder 1-4-Staffelungen. Der HSV versuchte es mit einigen Unterzahlkontern, hatte aber nun eine sehr große Distanz bis zum gegnerischen Tor. In der 75. Minute stellte der BVB durch einen Doppelwechsel um. Zudem musste Ekdal kurz danach verletzt den Platz verlassen, wobei die Gäste schon dreimal gewechselt hatten und fortan in einem 4-4-0-0 weiterspielten. Nach vielen Dortmunder Chancen fiel am Ende noch das 3:0 durch Ramos (86.).

BVB: Bürki – Ginter (75. Schmelzer), Bender, Hummels, Passlack – Gündogan (65. Leitner), Sahin – Castro (75. Aubameyang), Kagawa, Pulisic – Ramos

HSV: Adler – Sakai, Cleber, Spahic, Ostrzolek – Ekdal, Kacar (54. Drobny) – Müller (67. Gregoritsch), Holtby, Ilicevic – Lasogga (35. Schipplock)

BVB 3:0 (0:0) HSV – 1:0 Pulisic (38.), 2:0 Ramos (44.), 3:0 Ramos (86.)

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Pokalfinale

Der BVB trat im Pokalfinale mit einem neuen 5-3-2 im Angriffs- bzw. hohem Mittelfeldpressing an. Die Fünferkette stand dabei meist auf der Höhe der Mittellinie, wobei die Flügelverteidiger durch die hohe und breite Positionierung von Costa und Ribéry sich nicht ebenfalls konstant hoch positionieren konnten. Auf Dortmund linker Seite erschwerte besonders Müllers Position das Herausrücken, da dieser nah bei Hummels, und Costa nah bei Schmelzer spielte. Durch Bayerns Asymmetrie wurde vor allem die rechte Seite bespielt. Links schob Alaba neben die beiden Innenverteidiger, sodass Piszczek keinen Zugriff hatte. Gleichzeitig gab es durch die Dreierkette Breite in der ersten Linie und Unterzahl für Reus und Aubameyang, die daher nicht ausreichend Druck ausüben konnten, um hohe Ballgewinne zu erzielen. Vidal positionierte sich vor der ersten Linie in einem formativen Loch des BVB, was zu einer schwierigen Situation führte. Wenn er frei blieb, konnten sich die Bayern über ihn gut befreien. Schieb Castro raus, war meist Lahm frei und Schmelzer hatte kaum Zugriff auf ihn. Presste Weigl hoch, gab es ungünstige 2-1-Staffelungen und ein Loch im zentral vor der Fünferkette. Und wenn Reus oder Aubameyang ballfern etwas tiefer auf Vidal schoben, war Boateng oder Alaba freizuspielen. Zudem gab es keinen Druck auf Neuer, der einige Situationen gut lösen konnte. Insgesamt hatte der BVB also eine klare Unterzahl und nicht ausreichender Zugriff für hohe Ballgewinne. Gleichzeitig verschob Dortmund recht ordentlich, zwang Bayern zu einigen langen Bällen oder Fehlpässen und ließ kaum Chancen zu – allerdings steht zur Diskussion, ob nicht eine mutigere Herangehensweise gegen Bayerns tiefen Aufbau möglich gewesen wäre.

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Die Müchener liefen den BVB in einem 4-2-3-1-Angriffspressing an. Müller orientierte sich hierbei klar an Weigl, während die Außen auf den ballnahen Halbverteidiger rausrückten. Der ballferne Außen ließ sich anschließend fallen und stärkte das Zentrum. Lewandowski orientierte sich an Sokratis und lief immer wieder Bürki an. Der Dortmunder Torwart schlug in diesen Situationen den Ball meist lang nach vorne; bei kurzen Abstöße folgte ebenfalls schnell ein langer Schlag oder der Ball ging oft auf dem Flügel verloren – außer Mkhitaryan löst Engen auf. Das ist zwar relativ üblich gegen hohes Pressing in dieser Saison, allerdings drängt sich die Frage auf, ob nicht eine klare Entscheidung für tiefe Ballzirkulation und entsprechende Strukturen und Mechanismen, besonders wenn Bayern, zum Beispiel nach Ballverlust, schlecht gestaffelt war, in diesem Spiel häufiger möglich gewesen wären. Die Schnellangriffe hingegen schienen relativ logisch: hatte Dortmund den Ball im zweiten Drittel, wurde dieser nicht gesichert, sondern versucht, Gleichzahlsituationen auszuspielen. Einige Male hätte es dadurch fast Durchbrüche gegeben, aber ebenso wie Bayern hatte der BVB in der Anfangsphase keine Chancen.

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Nach 22 Minuten stellte Tuchel auf ein 4-4-1-1 um: Bender schob ins defensive Mittelfeld links neben Weigl, die Flügelverteidiger wurden zu Außenverteidigern, während Reus auf den linken und Mkhitaryan auf den rechten Flügel wechselte und Castro als Zehner mit Aubameyang vor ihm als einzige Spitze spielte. Dadurch hatte man besonders mit Bender mehr Absicherung gegen Müller und Bayerns rechten Halbraum und Flügel. Mit der Viererkette war es jedoch schwerer, die Breite abzudecken und Zugriff auf Ribéry und Costa nach Verlagerungen zu bekommen. Dadurch konnten die Münchener Dortmund leichter nach hinten drängen. Bayern passte daraufhin ebenfalls das Pressing an: Thiago orientierte sich an Weigl, Müller stattdessen an Bender, und Costa schob neben Lewandowski, um zusammen beide Innenverteidiger anlaufen zu können. Zudem gab es nun mehr Chancen: Lewandowski verpasste nur knapp einen Abpraller nach Schuss von Costa (33.); nach einem Dribbling von Schmelzer leitet Castro auf Reus weiter (35.). Durch die Änderung gab es allerdings keine klaren Vorteile für den BVB.

Nach 38 Minuten stellte Tuchel ein weiteres Mal um: diesmal auf ein 5-4-1. Bender rückte wieder zurück in die letzte Linie, als Innenverteidiger zwischen Hummels und Sokratis, und Castro spielte eine Linie tiefer. Kurz danach hätte Ribéry nach einem Gerangel rot sehen können, was das Spiel wohl stark beeinflusst hätte. Insgesamt war die erste Halbzeit allerdings chancenarm. Bayern kontrollierte das Spiel mit 61,8% Ballbesitz, während Dortmund keine klaren Durchbrüche hatte, und beide nicht zu guten Abschlüßen kamen. In der zweiten Hälfte hatte Bayern noch mehr Ballbesitz. Während sie in Halbzeit eins mit 224 zu 112 angekommenen Pässe doppelt so viel wie der BVB hatten, waren es in Halbzeit zwei mit 283 zu 93 etwa dreimal so viel wie die Dortmunder. Die Borussen verteidigten nun tiefer als zuvor, zum Großteil in der eigenen Hälfte, wurden aber nicht konstant eingeschnürt. Eigene Konterversuche und Kombinationen brachten jedoch wenig Gefahr. Im Pressing war es nun eine Mischung aus 5-4-1 und dem 5-3-2 vom Anfang. Reus lief, insbesondere bei höherem Pressing, auch immer wieder Kimmich an, ließ sich aber einige Meter vor dem eigenen Strafraum die die Kette fallen (s. Grafik). Spätestens ab der 75. Minute nahm er durchgehend die tiefe Position ein.

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Dortmund verteidigte mit recht mannorientiertem Pressing solide, während die Münchener im Laufe des Spiels keine neue Ideen entwickelten, um einen klaren Vorteil zu haben. Nur positionierte sich Alaba regelmäßig höher und hinterlief Ribéry vereinzelt; Vidal kippte selten ab. Die verletzungsbedingten Wechsel – Durm für Schmelzer (70.) und Ginter für Hummels (78.) – änderten wenig am Spielverlauf. Nach 90 Minuten hatten beide Mannschaften einen xG-Wert von 0,6 – also etwa je ein halbes Tor. Dies spiegelt recht gut das chancenarme Spiel wider. Während Bayern einige Halbchancen hatten, von denen auch eine mit etwas Glück reingehen könnte, hatte Dortmund kurz vor Ende der regulären Spielzeit vor allem eine einzelne Großchance: nach einem Dribbling von Sokratis flankte Piszczek in die Mitte auf Aubameyang, wobei der Ball kurz vor dem Schuss aufsprang und der Gabuner über das Tor schoss. In der Verlängerung verteidigte Dortmund mit schnell schwindenen Kräften und nur 38 (zu 217) angekommenen Pässen. Das Elfmeterschießen brachte schließlich den Pokalsieg für Bayern München.

FCB: Neuer – Lahm, Kimmich, Boateng, Alaba – Vidal, Thiago – Costa, Müller, Ribéry (108. Coman) – Lewandowski

BVB: Bürki – Piszczek, Bender, Sokratis, Hummels (78. Ginter), Schmelzer (70. Durm) – Mkhitaryan, Weigl, Castro (106. Kagawa) – Aubemeyang, Reus

FCB 0:0 (0:0) BVB (n.V.), 4:3 im Elfmeterschießen.

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Fazit

Nach der erfolgreichen Hinrunde im 2-3-4-1-Aufbau mit hohen Außenverteidigern blieb Borussia Dortmund nicht auf der Stelle stehen, sondern entwickelte sich stetig weiter. In einem sehr interessanten 3-2-4-1-System und einer starken Besetzung wurden viele Gegner durch gut strukturiertes Ballbesitzspiel dominiert. In der Rückrunde landete man knapp hinter Guardiolas Bayern, gegen die man sich auch im Pokalfinale geschlagen geben musste. Und leider bleib dem BVB auch in der Europa League nach einer bitteren Halbfinalniederlage in Liverpool eine Trophäe verwehrt. Dies soll jedoch die Leistung der Saison 2015-16 nicht schmälern: Dortmund hat sich wieder als klare zweite Kraft im deutschen Fußball etabliert und sich zu einer der besten Ballbesitzmannschaften Europas entwickelt.

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