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Dortmunds Hinrunde 2015

Nach sieben erfolgreichen Jahren mit zwei Meisterschaften und einem Pokalsieg verließ Jürgen Klopp den BVB im Sommer 2015. Dies bedeutete nicht nur das Ende einer Ära, sondern auch einen klaren strategischen Wechsel: nach dem Pressing- und Konterfokus der vergangenen Jahre konzentrierte sich Thomas Tuchel sofort auf strukturiertes Ballbesitzspiel. Mit Mix aus 4-2-3-1 und 4-3-3 in dem Großteil der Spiele erzielte man die meisten Hinrundentore der Bundesliga (47) und verlor nur drei Spiele – spätestens am Ende der Saison war Borussia Dortmund wieder fest als zweite Kraft des deutschen Fußballs etabliert.

In diesem Artikel soll dieser Neuanfang dargestellt werden: zu jeder Bundesligapartie gibt es eine Analyse, die den Kern des jeweiligen Spiels knapp in etwa 400 Wörtern und mit einigen Grafiken verständlich machen soll. Diese Texte können quasi als einzelne taktische Spielberichte für sich betrachtet werden. Genauso gut hätte es klar um übergreifende Entwicklungen gehen können – hier soll jedoch chronologisch Spiel für Spiel analysiert werden, mit nur einigen eingestreuten Vergleichen und Einordnungen.

Da Dortmund ein Ballbesitzteam mit einem recht konstanten Spielanteil von über 60 Prozent ist, gibt es keine generellen Formationen mit Laufwegen beider Mannschaften. Stattdesssen wird das Spiel mit Ball sowie das gegnerische Pressing dargestellt, entweder in schematischen Abläufen oder bestimmten Szenen. Dabei gibt es einen Fokus auf den BVB, weswegen die Namen der Gegenspieler nicht in den Grafiken, sondern übersichtshalber erst weiter unten auftauchen, was diese aber natürlich nicht weniger wichtig macht.

Neben Positionierung werden insbesondere Passwege, bestimmte Phasen und Chancen eingebaut. Die Daten stammen von WhoScored.com. Wechsel nach der 85. Minuten, die einen geringen Einfluss auf das Spiel haben, werden übersichtshalber nicht angegeben. Eine Mannschaftsanalyse vom ersten Monat ist übrigens bei Spielverlagerung zu finden. In diesem Artikel gibt es vier Teile und Sprunglinks, die die Navigation in der doch recht großen Zeitspanne von der Vorbereitung im Juli bis zum 17. Spieltag im Dezember 2015 erleichtern sollen, sodass abschnittsweise gelesen werden kann.

 


Teil 1

Spiel Beschreibung
Vorbereitung Zentraler Spielaufbau, späte Einbindung der Außenverteidiger.
01 – Gladbach Klarer Auftaktsieg gegen ungenaue Staffelungen Gladbachs.
02 – Ingolstadt  Viele Chancen gegen Ingolstadts Angriffspressing.
03 – Hertha  5-4-1-Mittelfeldpressing und offene Schlussphase.
weiter zu Teil 2

Vorbereitung

Thomas Tuchel legte von Anfang an einen klaren Fokus auf das Ballbesitzspiel, mit vielen verschiedenen Spielformen im Training. In den Testspielen kristallisierten sich dann relativ schnell bestimmte Aufbaumechanismen und Passmuster heraus, wie hier gegen die Johor Southern Tigers aus Malaysia (7.7.15, grob skizziert):

Die Passwege unterscheiden sich deutlich von dem recht üblichen Einbeziehen der Außenverteidiger: die Innenverteidiger spielen sich den Ball zu und wollen das Spiel mit kurzen Pässen über den Sechser eröffnen. Zudem bieten die Achter eine weitere Passoption und positionieren sich in Lücken zwischen den Linien. Die Flügel werden zum Großteil ignoriert; die Außenverteidiger haben im Spielaufbau nur selten den Ball. Also gibt es eine klare Spieleröffnung über das Zentrum und die Halbräume, durch relativ kurze, flache Pässe.

Auch der Sechser bezieht die Außenverteidiger kaum ein, sondern passt in Ball weiterhin zentral, über die Achter oder den Mittelstürmer/Zehner, der sich kurz fallenlässt. Mit geduldiger Ballzirkulation gibt es so wenige Situationen, in denen einzelne Spieler den Ball isoliert am Flügel haben. Im Laufe der Saison gab es immer wieder Flügelüberladungen, bei denen sich bewusst viele Spieler auf den Außen positionierten – aber nur sehr selten waren Außenverteidiger früh am Flügel größerem Druck ausgesetzt.

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01 – Gladbach

Dortmunds Bundesligasaison begann mit vielen Linksüberladungen. Die meisten Spieler positionierten sich regelmäßig im linken Halbraum und Flügel, während Sokratis (und Gündogan) mittig blieb und ausschließlich Piszczek rechts Breite gab. Reus – oder Mhkitaryan, bei regelmäßigen Positionswechseln – rückte von rechts extrem weit ein. Links konnte der Ball sicher zirkuliert werden. Auf lange Bälle wurde bis auf Ausnahmen verzichtet. Grundsätzlich lief der Spielaufbau von den Innenverteidigern jeweils direkt zu Weigl oder Gündogan. Weigl besetzte den Sechserraum zentral oder halblinks, während Gündogan halbrechts zwischen Sechser- und Achterraum wechselte. Kagawa spielte eine Mischung aus Zehner und linker Acht und ließ sich auch immer wieder in den Sechserraum fallen. Durch seine Bewegungen variierte die Formation zwischen 4-2-3-1 und 4-3-3.

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Gladbach trat im 4-4-2-Mittelfeldpressing an, das sich schnell zurückdrängen ließ und so zu einem Abwehrpressing wurde. Das sonst eigentlich sehr kompakte, raumorientierte Pressing Favres Mannschaft wurde durch weites, mannorientiertes Herausrücken einzelner Spieler – vor allem von Xkaka auf Gündogan – weit auseinandergezogen. Durch gleichzeitige tiefe, mannorientierte Positionierungen der Flügelspieler entstanden teilweise sehr ungewöhnliche und problematische Staffelungen mit tiefen Außen und hohen Sechsern. Dies nutzte der BVB sehr clever: Gündogan rückte rechts heraus, startete Lockangriffe, besonders mit Piszczek, die ein Verschieben Gladbachs provozierten. Anschließend verlagerte er nach links auf Hummels oder Kagawa. Beide hatten große Räume vor sich, die immer wieder – und besonders deutlich vor dem 1:0 (15.) – genutzt werden konnten, um langsame oder ungenaue Verschiebebewegungen und dadurch offene Staffellungen Gladbachs zu bespielen. Der BVB führte relativ schnell, nach etwa einer halben Stunde, mit 3:0. Eine Umstellung der Gäste auf 4-4-1-1 änderte wenig.

Gladbach hatte große Probleme damit, strukturierte Angriffe aufzubauen. Durch die Überladung des linken Flügels und Halbraums hatte der BVB im Falle des Ballverlustes eine bereits kompakte Staffelung, um gegenzupressen. Und auch Aufbauversuche nach eigenen Abstößen waren schwierig: Kagawa rückte neben Aubameyang in ein 4-4-2-Angriffspressing, mit dem beide Innenverteidiger und Sommer angelaufen wurden. Kam Gladbach über die Mittellinie, formierte sich Dortmund in einem 4-1-4-1/4-5-1-Mittelfeldpressing. Kagawa hatte also nicht nur offensiv eine Hybridrolle, sondern auch defensiv. Besonders die zentralen Mittelfeldspieler nahmen dabei immer wieder einzelne Mannorientierungen auf. Diese Abläufe blieben im Laufe der Hinrunde mit einigen Ausnahmen relativ konstant.

BVB: Bürki – Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Gündogan, Weigl, Kagawa – Mkhitaryan, Aubameyang, Reus

BMG: Sommer – Jantschke, Schulz, Christensen, Wendt – Traoré, Stindl, Xhaka, Johnson – Drmic, Raffael

BVB 4:0 (3:0) BMG – 1:0 Reus (15.), 2:0 Aubameyang (21.), 3:0 Mkhitaryan (33.), 4:0 Mkhitaryan (50.)

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02 – Ingolstadt

Aufsteiger Ingolstadt spielte mit einem stark ballorientierten und kompakten 4-3-3-Angriffspressing. Zwar wurden Dortmunds Innenverteidiger meist nur von dem Mittelstürmer angelaufen, der den jeweils ballführenden zur Seite drängte, aber dahinter rückte der Rest der Mannschaft weit mannorientiert auf, sodass der BVB ab dem ersten Pass am eigenen Sechszehner vor Probleme gestellt war. Der ballferne Außen der Gastgeber rückte zudem sehr weit ein, um Dortmund auf einem Flügel mit vielen Spielern gegen die Seitenlinie zu pressen. Ingolstadt agierte dabei mannorientiert, insbesondere die Achter, die sich oft an Gündogan und Kagawa orientierten, aber auch immer wieder Weigl anliefen. Sechser Roger hatte eine recht tiefe Grundposition vor der Viererkette, was auch mannorientiertes Herausrücken seiner Mitspieler erleichterte, verließ diese jedoch regelmäßig, da er seine Gegenspieler ebenfalls weit verfolgte oder versuchte, ein Herausspielen Dortmunds aus kompakten Pressingstaffelungen direkt zu unterbinden.

Der BVB hatte einige Probleme mit dieser Spielweise und etablierte nur sehr selten Ballbesitz in der gegnerischen Hälfte. Sowohl die Viererkette als auch das Dreiermittelfeld positionierte sich recht tief, um sich herausspielen – dies gelang wechselhaft. Die Ballverluste waren jedoch meist auf den Flügeln und/oder Dortmund gewann den Ball schnell zurück, sodass Ingolstadt zu keinen Chancen kam. Für das Herausspielen waren besonders kleine Dribblings gegen das mannorientierte Pressing wichtig, die den Deckungsschatten des Gegenspielers zerstörten und Passwege zur ballfernen Seite öffneten (s. Grafik). Anschließend, einmal in Ingolstadts Hälfte, spielte der BVB meist schnell nach vorne, verlor dadurch zwar manchmal den Ball, erarbeite sich aber auch viele Chancen, besonders durch gute Spielverlagerungen gegen die starke Ballorientierung (11.), weiteren, höheren Dribblings (16., 18.) und Doppelpässen bzw. direkten Weiterleitungen (18., 28., 34.). Der Ball wurde so allerdings kaum in der gegnerischen Hälfte gehalten, wodurch das Spiel hektisch blieb.

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In der zweiten Hälfte hielt Ingolstadt zunächst immer wieder den Ball im zweiten und dritten Drittel. Nach langen Abschlägen Nylands wurden einige Bälle gewonnen und Standards oder Einwürfe rausgeholt, die zu weiteren knappen Duellen führten. So kam Ingolstadt zur einer klaren Chance (49.). Gleichzeitig konnte Dortmund viel leichter als in der ersten Halbzeit aufrücken, da die Gastgeber tiefer pressten. Es gab zwar weiterhin schnelle Rausrückbewegungen einzelner Spieler, aber nur noch selten so kompakte Staffelungen wie zuvor, da Ingolstadt sich nun recht schnell in ein tiefes Mittelfeld- oder Abwehrpressing zurückzog. Der BVB nutzte sowohl die Breite in Form der Außenverteidiger als auch das zentrale Mittelfeld, um den Ball – weiterhin relativ tororientiert – zirkulieren zu lassen. Nachdem Weigl wieder einen Deckungsschatten vor dem 1:0 entblößte (55., s. Grafik), wurde Schmelzer im Sechszehner nach direkten Pässe von Gündogan und Reus gefoult (2:0, 11m, 60.), und kurz vor Ende trafen Kagawa und Aubameyang noch zum etwas hohen 4:0.

FCI05

BVB: Bürki – Ginter, Subotic, Hummels, Schmelzer – Gündogan, Weigl, Kagawa – Reus (80. Ramos), Aubameyang, Mkhitaryan (73. Hofmann)

FCI: Nyland – Levels, Bregerie, Hübner (46. Matip), Engel (74. Suttner) – Groß, Roger, Morales – Hartmann (61. Lex), Hinterseer, Leckie

FCI 0:4 (0:0) BVB  –  0:1 Ginter (55.), 0:2 Reus (60., 11m), 0:3 Kagawa (80.), 0:4 Aubameyang (90.+1).

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03 – Hertha

Hertha BSC begann mit einem tiefen, recht positionsorientierten 5-4-1-Mittelfeldpressing. Durch die Flügelverteidiger konnten sich die (ballfernen) offensiven Außen auf die Halbräume konzentrieren, obwohl sie auch zum Doppeln bereit positioniert waren. Besonders auf Dortmunds halbrechter Seite gab es so Herausrückbewegungen von Van den Bergh – aber auch von den defensiven Mittelfeldspielern – auf Gündogan. Der BVB griff vor allem über die linke Seite an, die wie gegen Gladbach mit vielen Spielern überladen wurde. Teilweise rückte auch Hummels auf, um Angriffe einzuleiten. Allerdings machte die Hertha es den Gastgebern in Sachen Kompaktheit gleich – mit Ausnahme des ballfernen Flügelspielers, der – anfangs häufige – Bälle auf Ginter durch eine breite Positionierung ballfern erschwerte. Zudem konnten die Innen- und Halbverteidiger flexibel herausrücken. Insgesamt war Dortmunds Ballzirkulation etwas träge. Hertha presste nur gegen Dortmunds Abstöße hoch. Auf der anderen Seite lief Dortmund den Gegner ebenfalls nicht komplett hoch an, sondern die ballfernen Außen – besonders rechts – rückten aus einem hohen 4-4-2-Mittelfeldpressing immer wieder heraus auf den tiefen 4-1-4-1-Aufbau Herthas mit breiten Innenverteidigern. Hertha kam zu einer Chance nach einem einfachen flachen Pass auf der von ihnen viel bespielten linke Seiten (20.), nachdem sie schon eine Möglichkeit nach langem Ball (15.) auf Haraguchi hatten, der immer wieder schnelle Läufe hinter Dortmunds Viererkette nutzte, dafür aber defensiv passiv blieb. Nach einer kurze Ecke erzielte Hummels danach das 1:0 (27.).

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Nach der Pause spielte Aubameyang als Rechtsaußen, während Reus die Rolle des Mittelstürmers übernahm. Herthas Innenverteidiger wurden in der Folge etwas konsequenter zugestellt. Dortmund überlud nun oft die rechte Seite, auch mit dem oft einrückenden Kagawa. Zwar entstanden hieraus – wie links im ersten Durchgang – keine klaren Chancen, aber der Ball konnte sicher – und nun auch etwas höher – gehalten und anschließend regelmäßig über den auch schon in Hälfte eins aufrückenden Hummels verlagert werden. Nach einem cleveren Dribbling von halblinks in die Mitte lupfte Kagawa auf Ginter, der frei auf Aubemeyang zurücklegte (2:0, 51.), was in der ersten Hälfte noch nicht klappte. Danach wirkte Dortmund sehr sicher in der Ballzirkulation und war dem 3:0 nahe (Chancen 55. und 56.). Ein paar Minuten nachdem Dardai durch die Einwechslung Baumjohanns (58.) auf ein 4-4-1-1/4-4-2 umstellte, hatte Hertha nach längerer Zeit eine Ballbesitzphase und dann in den letzen 20 Minuten etwa gleichviele Ballkontakte wie der BVB. Nach dem 2:1 des eigewechselten Kalous (71.) wurde das Spiel offen. Dortmund hatte zwischen der 72. und 83. Minute vier Großchancen; es gab einige Konter gegen offenere Herthaner, aber es wurde kein Tor erzielt – bis Ramos in der Nachspielzeit zum 3:1 traf.

BVB: Bürki – Ginter, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Gündogan (79. Piszczek), Weigl, Kagawa – Mkhitaryan, Aubameyang (71. Hofmann), Reus (79. Ramos)

BSC: Kraft – Pekarik, Langkamp, Lustenberger, Brooks, Plattenhardt – Stocker (46. Weiser), Skjelbred (58. Baumjohann), Darida, Van der Bergh (71. Kalou) – Haraguchi

BVB 3:1 (1:0) BSC – 1:0 Hummels (27.), 2:0 Aubameyang (51.), 2:1 Kalou (78.), 3:1 Ramos (90.+3)

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Teil 2

Spiel Beschreibung
04 – Hannover Sechseckpressing gegen Dortmunds Aufbau.
05 – Leverkusen Klarer Sieg gegen tiefer pressende Leverkusener.
06 – Hoffenheim 1:1 mit ausrechenbarer rechter Seite.
07 – Darmstadt Weiteres Unterschieden, gegen tiefes 6-3-1 Pressing.
08 – Bayern Deutliche Niederlage mit Raute in München.
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04 – Hannover

Hannover presste anders als bisherige Gegner: sie ließen die Außen frei und konzentrierten sich in einem 4-3-2-1/4-1-2-2-1-Mittelfeldpressing. Es bildete sich eine Art Sechseck, gespannt über Zentrum und beiden Halbräumen. Dabei orientierte sich  Kyotake an Gündogan und Andreasen an Kagawa, wodurch diese sich nicht ohne Gegenspieler in die formative Lücke im Sechseck bewegen konnte und sich meist außen zwischen Halbraum und Flügel positionierten. Hannovers Achter, Sorg und Prib, konnten auf das mannorientierte Verfolgen reagieren, waren generell in den Halbräumen positioniert und schoben oft in die Schnittstelle der Viererkette, sodass der eigene Außenverteidiger rausrücken konnte, oder schoben selber mit raus. Besonders auf Ginter wurden wieder einmal häufig (halb)hohe und auch selten flache Diagonalbälle versucht, die dieser teilweise auf Sechszehnerhöhe zurücklegen konnte. Rückte Hannover in ein Abwehrpressing zurück, blieb Kyotake meist etwas höher, in 4-4-2-ähnlichen Strukturen.

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Hannover reagierte also recht clever auf Dortmunds zentralen Spielaufbau. Zudem gab es außerhalb des Sechsecks mit Ausnahme von Mkhitaryan keine kreativen Spieler, die den Spielaufbau von Kagawa oder Gündogan hätten übernehmen können. In Dortmunds Pressing  war es nicht mehr Kagawa auf halblinks, der mit Herausrückbewegungen die Formation von einem 4-1-4-1 zu einem 4-4-1-1/4-4-2 machte, sondern Gündogan auf halbrechts. Hannover traf nach 18 Minuten nachdem Sokratis weit auf Kyotake herausrückte, der diesen ausstiegen ließ und einen cleveren Schnittstellenpass spielte.

Nach der Halbzeit kam Dortmund gut ins Spiel und nutzte Hannovers formative Lücken besser: Weigl rückte oft vor, und auch von Hofmann gab es einige Einrückbewegungen, wenn Schmelzer, Mkhitaryan und Kagawa den Ball links hielten. Nach dem Ausgleich Hannovers (53.) gab es allerdings eine sehr hektische Phase, in der das Spiel auf der Kippe stand und 96 regelmäßig über zentrale Dribblings von Kyotake anschließender Nutzung der Flügel konterte und auch einige Standards hatte. Nach einem hohen Diagonalball von Kagawa legte Ginter den Ball quer – und Felipe traf vor Aubameyang ins eigene Tor (67.). Daraufhin spielte Hannover etwas vorsichtiger, tiefer und nicht mit der hohen Intensität der vorherige Phasen, als der Führungstreffer möglich schien. Die Gastgeber wechselten um die 80. Minute noch sehr offensiv, konnten aber gegen die nun sehr sichere Ballzirkulation Dortmunds nichts mehr ausrichten.

H96: Zieler – Sakai, Marcelo, Felipe, Albornoz – Sorg (73. Benschop), Sané, Prib (80. Erdinc) – Andreasen, Sobiech, Kyotake (80. Saint-Maximin)

BVB: Bürki – Ginter, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Gündogan, Weigl (66. Castro), Kagawa – Hofmann (60. Januzaj), Aubameyang, Mkhitaryan

H96 2:4 (1:2) BVB – 1:0 Sobiech (18.), 1:1 Aubameyang (35., 11m), 1:2 Mkhitaryan (44.), 2:2 Sobiech (53.), 2:3 Felipe (67., Eigentor), 2:4 Aubameyang (85., 11m)

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05 – Leverkusen

Die Analyse des Leverkusenspiels erschien ursprünglich auf der mittlerweile inaktiven Taktikseite Toorschuss.de.

Wird das Dortmunder Ballbesitzspiel mit dem intensiven Pressing Leverkusens zurechtkommen? – so lautete wohl die übergreifende Frage des Spitzenspiels. Bayer hatte die Möglichkeit, die 0:1-Heimniederlage gegen Darmstadt vergessen zu machen, um nach fünf Spieltagen mit mehr als nur sechs Punkten dazustehen. Der BVB sollte hingegen, nachdem es zuvor, neben dem 4:0 schwächelnden Gladbachern, ausschließlich gegen vermeitliche schwächere Vereine ging, Tuchels Fußball gegen Topclub Leverkusen unter Beweis stellen.

Die Gäste traten in einem 4-2-2-2 an, welches, wie üblich, gegen den Ball regelmäßig zu einem 4-2-4 wurde. Weniger üblich hingegen war die Höhe des Leverkusener Pressings: sie ließen Hummels, Sokratis und Bürki frei; nur selten tasteten sich Kießling oder Chicharito, mit den zentralen Mittelfeldspielern im Deckungsschatten, weiter vor. Pässe in Dortmunds Sechser- und Achterraum wurden so erfolgreich verhindert, zumindest auf Gündogan und Weigl. Letzterer wurde immer wieder mannoriertiert von Leverkusens Stürmern verfolgt, sodass der Ex-1860er aus der Innenverteidigung meist gar nicht oder nur mit Kopf zum eigenen Tor anspielbar war. Leverkusen erschwerte so den in dieser Saison sehr erfolgreiche ruhige Spielaufbau über den linken Halbraum, in dem Weigl und Hummel, mithilfe von Schmelzer, Mkhitaryan, Kagawa und Reus, das Spiel ankurbelten. Im rechten Halbraum war Gündogan, der ballfern von Calhanoglu und sonst von Kampl eng bewacht wurde, ebenfalls nur selten anspielbar.

Sokratis, Hummels und Bürki spielten sich kurz vor dem Sechzehner geduldig die Bälle zu. Sokratis bediente Ginter teilweise bereits im ersten Drittel und dieser leitete auf Gündogan oder Hofmann weiter. Letzterer zeigte, im Gegensatz zu Reus, keine weiten Einrückbewegungen in die Mitte oder in den linken Halbraum. Es wurde also nicht versucht, die Strukturen der ersten Parteien aufrechtzuerhalten, sondern Hofmann sollte seine Stärken auf dem rechten Flügel ausspielen; durch ein gewonnenes Sprintduell (19.), Nachsetzen mit anschließendem cleveren Dribbling an der Seitenauslinie (58., alles gegen Wendell), erzielte er bzw. legte die Basis für das 1:0 und das 2:0.

Teilweise spielten Sokratis und Ginter den auf rechts herauskippenden Gündogan an. Dieser isolierte sich dadurch allerdings, weil Leverkusen den halbrechten Achter relativ simpel mit vier Spielern und der Seitenauslinie pressen konnte. In diesen selten auftretenden Szenen konnte Bayer ihre Stärken im Pressing ausspielen. Die große Chance Chicharitos (20.) entstand durch eben so eine Isolation. In Schwächephasen in der Dortmunder Ballzirkulation zwischen der 20. und 45. Minute konnte Gündogan nicht für Sicherheit sorgen und spielte nur zehn Pässe, von denen nur fünf ankamen.

Der wichtigste Passspieler war Hummels: mit unglaublicher Präzision und Konstanz bediente er Kagawa, den regelmäßig zurückfallenden Aubameyang oder auch Mkhitaryan mit flachen, scharfen Pässen zwischen den Linien. Die tieferen Bewegungen Aubameyangs waren in den Spielen eher selten zu sehen; gegen Leverkusen ließ er sich im geordneten Spielaufbau immer wieder kurz für flache Ablagen fallen, wohingegen er bei Kontern schnell mittig oder (halb)links durchstartete und meist hoch angespielt wurde.

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Nachdem die Leverkusener zur Pause Brandt und Mehmedi für Kramer und Kießling einwechselten, kamen sie nach einem Konter zu einer weiteren großen Chance (52.), bei der es womöglich hätte Elfmeter geben können. Gleichzeitig war es zu diesem Zeitpunkt auch erst Bayers dritte gute Möglichkeit, da weitere Angriffe, in Halbzeit eins und zwei, von Dortmund insgesamt und von Hummels und Sokratis im speziellen vorausschauend verteidigt wurden. Nach 74 Minuten erzielte Aubameyang schließlich noch das alles entscheidende 3:0.

Dortmund: Bürki – Ginter, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Gündogan, Weigl – Kagawa – Hofmann (Januzaj 63.), Mkhitaryan (Ramos 81.) – Aubameyang

Leverkusen: Leno – Donati, Tah, Papadopoulos, Wendell – Kramer (Brandt 46.), Kampl – Bellarabi (Henrichs 76.), Calhanoglu – Hernandez, Kießling (Mehmedi 46.)

BVB 3:0 (1:0) B04– 1:0 Hofmann (19.), 2:0 Kagawa (58.), 3:0 Aubameyang (74.)

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06 – Hoffenheim

Hoffenheim begann mit einem hohen, realativ mannorientierten 4-4-2-Mittelfeldpressing. Durch Schmids tiefer und breiter Positionierung – durch seine Mannorientierung auf Ginter – ähnelte die Formation auch teilweise einem 5-3-2. Castro oder Kagawa kippten regelmäßig aus Dortmunds 4-3-3 neben die Innenverteidiger heraus, wohin Ersterer oft von Polanski oder Schwegler verfolgt wurde. Kagawa hatte halblinks etwas mehr Freiraum, den er einige Male für genaue Pässe – durch eine eigentlich kompakte Staffelung Hoffenheims – auf Reus nutzte. Lange Bälle Richtung Ginter, die besonders in der ersten halben Stunde von Kagawa, Hummels oder Castro gespielt wurden, kamen allerdings nicht an. Auch hohe Vertikalpässe in die diagonalen Laufwege Hofmanns blieben erfolglos. Am stabilsten war die Ballzirkulation halblinks; nach einer halben Stunde gab es von dort auch einige clevere Verlagerungen zu Castro, der dann zentral oder halbrechts positioniert war und schnell weiterleiten oder dynamisch aufrücken konnte (33., 37.). Rechts war die Ballzirkulation sonst mit Sokratis, Ginter und Hofmann ausrechenbar und die Positionierungen teilweise problematisch: vor der Großchance Hoffenheims (36.) gab es für Sokratis keine Anspielstation. Dortmund kontrolliert das Spiel dennoch zum Großteil, wobei sie Hoffenheim nicht einschnürten. Beim Übergang vom Angriffspressing, auf das die Gastgeber mit langen Bällen nach (halb)rechts reagierten, in ein tieferes Pressing gab es teilweise Schwierigkeiten. Kurz vor der Pause Tor traf Rudy zum 1:0 (42.).

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Nach der Pause spielte der eingewechselte Mkhitaryan auf dem linken und Reus auf dem rechten Flügel. Allerdings konnte der BVB, ähnlich wie zu Beginn des ersten Durchgangs, das Spiel zunächst nicht kontrollieren. Stattdessen setzte sich Hoffenheim phasenweise in der gegnerischen Hälfte fest und konnte fast von einem Fehler Ginters profitieren (50.). Kurz danach kam Gündogan für Reus, sodass Castro als Rechtsaußen weiterspielte. Obwohl Dortmund nach einem sehr guten Pass von Hummels ausglich, dauerte es noch bis sie das Spiel kontrollierten. Ab etwa einer Stunde rückte der BVB gut über rechts auf. Castro ließ sich immer wieder im Halbraum kurz fallen, während Gündogan kleine Dribblings ansetzte und Ginter als Anspielstation diente. Auf der anderen Seite wurde Schmelzer, der nun höher schob, von Rudy verfolgt, sodass 6-2-2-artige Staffelungen entstanden. Das begünstigte Dortmunds Achter: Hoffenheims defensive Mittelfeldspieler konnten nicht konstant herausrücken bzw. dies eröffnete Passwege zum jeweils ballfernen Achter. Als das Spiel nach Chancen für den BVB (67., 71.) abebbte, kam Ramos für Castro. BVB setzte damit nicht auf mehr Dominanz, sondern ging auf mehr Risiko. Allerdings blieb es beim 1:1: auf der einen Seite gab es eine vergebene Großchance Hoffenheims (77.) nach Fehler Ginters; auf der anderen Seite vergab Ramos unglücklich (85.).

TSG: Baumann – Kaderabek, Bicakcic, Süle, Toljan – Rudy (78. Zuber), Polanski (64. Strobl), Schwegler, Schmid – Volland, Vargas

BVB: Bürki – Ginter, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Castro (77. Ramos), Weigl, Kagawa – Hofmann (46. Mkhitaryan), Aubameyang, Reus (54. Gündogan)

TSG 1:1 (1:0) BVB –1:0 Rudy (42.), 1:1 Aubameyang (55.)

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07 – Darmstadt

Darmstadt griff in einem tiefen Mittelfeld- bzw. Abwehrpressing an: die Flügelspielern ließen sich tief fallen, sodass ein 6-3-1 entstand. Rausch spielte dabei etwas tiefer und breiter als Heller. Rosenthal nahm eine besondere Rolle rein: bei höherem Pressing rückte er bis neben Wagner vor; im tiefen Mittelfeldpressing stand er leicht versetzt vor Gondorf und Niemeyer in Dortmunds linkem Halbraum. Erst im Abwehrpressing fielen Rosenthal und Heller in eine klare 6-3-1-Struktur zurück. Vorher gab es auch 5-3-1-1- oder 5-4-1-Formationen. Anfangs setzte sich Darmstadt phasenweise – durch lange Bälle auf Wagner oder direktes Spiel – in der gegnerischen Hälfte fest. So gab es 36 zu 28 Pässe im letzten Drittel bis sie zum 0:1 trafen (17.).

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Das Tor entstand nach einer für das Spiel wichtigen Szene: ein BVB-Spieler wurde relativ zentral vor der letzten Linie Darmstadts von einem Spieler halbrechts außerhalb des 6-3-Blocks angespielt. Aufgrund des gegnerischen Pressing konnte nicht wie häufig über die halblinke Seite angegriffen werden. Auch dadurch gab es halbrechts einige Ungenauigkeiten und Missverständnisse. Durch die Sechserkette konnten immer Spieler mannorientiert auf das 4-3-3 des BVB herausrücken; der nun sehr große Ballbesitz (1. Halbzeit: 77%) endete spätestens hier, und es gab wenig Passstafetten im letzten Drittel und Probleme nach Ballverlusten durch sehr flache Staffelung. Tuchel stellte nach einer halben Stunde um: nachdem Reus rechts anfing, dann mit Mkhitaryan tauschte (22.-32.), spielte er nun bis zur Halbzeit als Mittelstürmer mit Aubameyang rechts neben sich. Nach einigen Standards des BVB und einer Verletzungsunterbrechung endeten jedoch chancenarme letzte 20 Minuten des ersten Durchgangs.

Nach der Pause verlagerte sich Dortmunds Spiel etwas nach rechts, regelmäßig mit anschließenden Verlagerungen nach links. Reus startete dort schon früh diagonale Läufe. Kagawa blieb spielte im zweiten Drittel wie zuvor, als Achter, und rückte im letzten Drittel immer wieder mit ins Zentrum auf. Gleichzeitig ließ sich Aubameyang teilweise fallen. Durch die gleichzeitige breite Positionierung Schmelzers konnte Mkhitaryan so einige Male im eins-gegen-eins angespielt werden. Das Gegenpressing war zudem auf beiden Flügeln leichter. In der 63. Minuten ließ sich Kagawa aus höherer Positon fallen, um einen – seltenen – Diagonalball auf Ginter zu spielen, der auf Aubameyang zurücklegte – 2:1 (s. Grafik unten). Danach sah es nach Dortmunder Sieg aus: die Ballzirkulation blieb ausreichend, während nun auch Konter gegen die aufrückenden Darmstädter gespielt werden konnten. Kurz vor Abpfiff gab es noch einen Freistoß von der Mittellinie für Darmstadt, den Sulu im Sechszehner verwandelte. Von Dortmund war es eine eher mittelmäßige Leistung, die aber dennoch für einen Sieg hätte ausreichen können.

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BVB: Bürki – Ginter, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Gündogan, Weigl, Kagawa – Reus (59. Januzaj), Aubameyang, Mkhitaryan

D98: Mathenia – Heller, Garics, Sulu, Caldirola, Diaz, Rausch (67. Kempe) – Rosenthal, Niemeyer (57. Jungwirth), Gondorf (83. Stroh-Engel) – Wagner

BVB 2:2 (0:1) D98 – 0:1 Heller (17.), 1:1 Aubameyang (63.), 2:1 Aubameyang (71.), 2:2 Sulu (90.)

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08 – Bayern

Gegen Bayerns 3-3-4/3-3-3-1 begann Dortmund mit einer Raute, die gegen den Ball durch Kagawas Vorrücken immer wieder zu einem 4-3-2-1 bzw. einem engen 4-3-3 wurde: Mkhitaryan und Aubameyang orientierten sich an Boateng bzw. Alaba, während Kagawa zwischen einer häufig auftretenden Mannorientierung gegen Xabi Alonso und seltenen Aufrückbewegungen Richtung Martinez pendelte. Der Innenverteidiger hatte regelmäßig Platz und Zeit, nutzte beides aber meist nur für kurze Pässe auf die Achter. Bayern konnte sich so zwar manchmal nach vorne arbeiten, aber dann ihre Angriffe nicht viel versprechend fortführen, da Dortmund durch die Positionierung der Achter Castro und Gündogan sowohl die Flügel, die mit den Außenverteidigern doppelten, sowie den Strafraum in tieferen Staffelungen gut verteidigte.

Gleichzeitig spielte Dortmund sich regelmäßig gut heraus. Kagawa blieb meist tief und setzte, wie auch teilweise Gündogan und Mkhitaryan, Dribblings an. Das Spiel fand meist in Engen statt, wobei die  Ballzirkulation des BVB solide war und es nur selten wichtige Ballverluste gab. Bürki spielte häufig die beiden Innenvertediger an, von wo aus das Spiel weiter aufgebaut wurde, spielte aber auch regelmäßig bei hohem Druck lange Bälle auf Aubameyang. Dieser wurde – meist von Hummels – anfangs nach diagonalen Läufen von halbrechts nach halblinks lang geschickt, was bereits in der dritten Minute in einer gelben Karte für Alaba resultierte. Zudem erhielt er auch immer wieder im rechten Halbraum den Ball mit Tor im Rücken, sodass Dortmund in Ballbesitz bleiben konnte. Also gab es eine recht gute Balance zwischen Ballzirkulation und langen Bällen in der Anfangsphase, in der der BVB ein Chancenplus hatte.

In der 13. Minute stellte Guardiola um: Martinez und Boateng tauschten die Positionen, sodass letzterer den beschriebenen Platz für lange Bälle nutzen konnte. Dies passierte direkt eine Minute später durch einen langen, hohen Ball auf Lewandowski und Costa. Danach gab es zunächst wenige Aufbausituationen, sodass es sich der Positionswechsel  erst später klar auswirkte: in der 23. Minute spielte Boateng einen Laserpass auf Lewandowski zwischen den Linien. Eine Minute später war Sokratis zum ersten Mal isoliert im letzten Drittel 1-gegen1 gegen Costa nach einem langen Ball Boatengs – Bayerns erste klare Chance. Drei Minuten später gab es einen weiteren hohen Ball auf Müller, der daraufhin zum 1:0 traf (s. Grafik).

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Ebenfalls konnte Bayern durch breitere Positionierungen der Halbverteidiger Mkhitaryan und Aubameyang besser auseinanderziehen und so das 4-gegen-3 besser ausspielen, und zudem durch besser getimetes Zurückfallen Thiagos oder Lahms den Ball zwischen der rechten und linken Seite besser verlagern. Nach dem Führungstreffer kam Bayern zu weiteren Chancen (30., 31.) und bekam nach einer eigentlich gut zu verteidigenden Situation einen Elfmeter, da Mkhitaryan etwas naiv gegen Thiago einstieg. Nach dem 2:0 wechselte Dortmund zurück zum üblichen 4-2-3-1/4-3-3-Hybrid, bei dem Castro als Rechtsaußen spielte, und erzielte den Anschlusstreffer. Direkt nach dem Tor stellt Bayern um auf ein asymmetrisches 4-4-2 mit Thiago als hohem Achter halblinks und Götze auf rechts im Halbraum oder Flügel. Es blieb ein ausgeglichenes Spiel bis zur Pause – nach der Bayern ein weiteres Mal nach einem langen Ball von Boateng traf (46.). Durch noch zwei weitere Treffer wurde es zu einer klaren 5:1-Niederlage für den BVB, der sich noch vor dem Spiel etwa auf Augenhöhe mit dem Rekordmeister zu befinden schien.

BVB: Bürki – Sokratis, Bender, Hummels, Piszczek – Gündogan, Weigl, Castro (53. Januzaj) – Kagawa (53. Reus) – Aubameyang, Mhkitaryan

FCB: Neuer – Boateng, Martinez, Alaba – Lahm, Alonso (76. Kimmich), Thiago (68. Vidal) – Götze, Müller (80. Coman), Lewandowski, Costa

FCB 5:1 (2:1) BVB – 1:0 Müller (26.), 2:0 Müller (35., 11m), 2:1 Aubameyang (36.), 3:1 Lewandoswki (46.), 4:1 Lewandowksi (58.), 5:1 Götze (66.)

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Teil 3

Spiel Beschreibung
Pressingidee 5-3-2/5-4-1-Vorschlag.
09 – Mainz Strategische Änderung: Konter zum 2:0-Sieg.
10 – Augsburg 5:1-Heimsieg, neues 4-3-3-Pressing.
11 – Bremen 5-3-1-1 gegen Dortmunds Aufbau.
12 – Schalke Knapper Sieg gegen Schalkes 6-2-2.
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Pressingidee

Nach den bisherigen Eindrücken der Saison soll hier eine weitere Art des Pressings vorgeschlagen werden: ein Mischung aus 5-3-2 und 5-4-1, meist als tiefes Mittelfeld- bzw. Abwehrpressing. Im asymmetrischen 5-3-2 soll auf Dortmunds zentralen Aufbau reagiert werden und das Spiel auf die Außen gelenkt werden. Im Spielaufbau soll Sokratis, dem schwächsten Aufbauspieler, mit Ball die Anspielstationen genommen werden. Speziell die nächsten Spieler, Hummels und Weigl, sollen von den Stürmern mannorientiert verfolgt werden. Dabei kann auch immer wieder der Spieler daneben, also Weigl oder Gündogan, mit dem anderen BVB-Spieler im Deckungsschatten angelaufen werden, um zu zweit mehr Druck auszuüben. Der Passweg von Sokratis auf Gündogan bleibt dabei scheinbar offen, führt aber nicht weiter, da Gündogans Drehung durch direktes Anlaufen verhindert wird. Eventuell kann man dies als klare Pressingfalle entwerfen. Gleichzeitig verschieben die Mitspieler in ein 5-4-1, um weiterhin eine große Präsenz im Zentrum und den Halbräumen zu haben. Sokratis bekommt also den Ball zurück, sodass die gleiche Situation wieder auftritt.

Spielt Sokratis nach rechts auf Ginter, wird dieser vom ballnahen Flügelverteidiger angelaufen. Gleichzeitig verschiebt das Mittelfeld, in das sich nun, wie oben, auch der rechte Stürmer einreiht, um Ginter zu doppeln und die ballnahen Passoptionen zu nehmen. Dabei kann Dortmunds Außen, hier Reus, situativ gedeckt werden. Der zentrale Stürmer schiebt zudem tiefer, sodass Gündogan als rechter Achter leicht unter Druck gesetzt werden kann. Dadurch soll entweder ein Ballverlust erzwungen werden oder zumindest hektische Pässe des BVB provoziert werden. Dortmund könnte als Reaktion mit tieferen Außenverteidiger aufbauen, um die Distanz für die gegnerischen Flügelverteidiger zu erhöhen. Außerdem könnte Gündogan tiefer im rechten Halbraum aufbauen oder sogar herauskippen, sodass er, ähnlich wie die Außenverteidiger, schwerer unter Druck zu setzen ist. Dies könnte man auch zusammen nutzen, also rechts eine tiefere Positionierung Ginters und Gündogans, mit Mkhitaryan als kreativem Spieler im rechten Halbraum. Dadurch wäre es für den Gegner schwer, auf die drei Spieler Zugriff – vor allem mit mehr als nur einem Spieler – zu bekommen. Das asymmetrische 5-3-2/5-4-1-Pressing könnte Dortmunds üblichen Spielaufbau erschweren bzw. verhindern und das Team zu einer solchen Anpassung zwingen, auf die wiederum der Gegner reagieren kann.

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09 – Mainz

In dieser Saison hatte der BVB bisher – mit Ausnahme des Bayernspiels (42,4%) – durchschnittlich 64,3% Ballbesitz, mit keinem Wert unter 58%. Gegen Mainz beträgt der Wert 46,2%, da Dortmund die strategische Ausrichtung änderte und konterte. Mainz spielte mit tieferer Ballzirkulation, vor allem am Anfang auch mit noch längeren Phasen. Das Dortmunder Pressing war zwar solide, aber Mainz spielte sich auch immer wieder raus, mit anschließenden Schnellangriffen über den Flügel – mit dem breit stehenden De Blasis – oder schnell durch die Mitte. Der Großteil des Spiels fand allerdings im zweiten Drittel mit einigen Ballbesitzwechseln statt. Nach dem Aufbaufehler Bungerts (18.), der zum Gegentor führt,  wurde Mainz im Aufbau etwas vorsichtiger bzw. ungeduldiger, versuchte aber immer noch, sich rauszuspielen.

Dortmund war ebenfalls wenig souverän im Aufbau: gegen hohes Pressing wurde versucht, sich zu befreien, wobei Hummels auch einen Fehlpass spielte, der zu einer Großchance führte (10., s. Grafik). So gab es selten längere oder gewinnbringende Passzirukulation, da Mainz sich, einmal überspielt, zwar in ein Mittelfeldpressing zurückzog, aber von da nicht, auf dem von Dortmund viel bespielten linken Flügel, weiter nach hinten gedrängt und eingeschnürt werden konnte. Gleichzeitig setzte der BVB auch eben auf Schnellangriffe und Konter. So spielten beide Mannschaften viel um die Mittellinie herum, mit je 50% Ballbesitz zur Halbzeit.

M0502

Nach einer Stunde gab zwei neue Phasen. Zuerst hatte der BVB zum ersten Mal im Spiel eine längere, etwa zehnminütige Ballbesitzphase, die jedoch wenig gewinnbringend mit nur einer Chance war, auch da oft ungeduldig gespielt wurde. Danach änderte Dortmund die Strategie: Mainz hatte den Ball und Dortmund konterte. Zwischen der 70. und dem Tor in der 82. Minute hatten die Gastgeber so 77,2% Ballbesitz. Nach einer bisher – bis auf einen Dortmunder (vergebenen) Elfmeter direkt nach der Pause – chancenarmen zweiten Hälfte gab es nun viele Chancen durch Konter über Mkhitaryan und Aubameyang (75., 77., 80.) und schließlich in der 82. Minute das 0:2. Kurz vor dem Tor hatte Tuchel bereits Bender für Reus eingewechselt, um die Führung zu verteidigen.

Diese Partie zeigte einige interessante taktikpsychologische Aspekte auf. Für ein effektives Ballbesitzspiel ist es wichtig, einerseits ruhig und geduldig auf den eigenen spielerischen Ansatz zu vertrauen (psychologisch) und andererseits dynamisch in Ballzirkulation und Positionierung zu sein (taktisch/spielerisch), um weder träge noch hektisch zu spielen. Das Spiel stellte klar, wie empfindlich Ballbesitzspiel bei fehlender Sicherheit gegen intensives Pressing sein kann. Nach den Unentschieden gegen Hoffenheim und Darmstadt sowie der klareren Niederlage in München ist Dortmund zum ersten Mal in der Saison klar von einem Ballbesitzansatz abgewichen.

BVB: Bürki – Ginter, Sokratis, Hummels, Park – Gündogan, Weigl, Kagawa (84. Castro) – Reus (79. Bender), Aubemeyang, Mkhitaryan

M05: Karius – Brosinski, Bungert, Bell, Bengtsson – Baumgartliner, Latza – Jairo (80. Klement), Malli, De Blasis – Muto (84. Niederlechner)

M05 0:2 (0:1) BVB – 0:1 Reus (18.), 0:2 Mkhitaryan (82.)

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10 – Augsburg

Augsburg trat im Westfalenstadion mit einem horizontal kompakten 4-4-2/4-4-1-1-Mittelpressing an. Hierbei spielte Trochowski meist etwas versetzt halblinks hinter Bobadilla, wo er entweder Gündogan übernahm oder etwas höher zu Bender aufrückte. Auf letztere Bewegung reagierte Linksaußen Esswein mit dem Anlaufen Gündogans, während auch Koo weit innen bei Kagawa blieb. Dadurch hatten die Gäste, mit zusätzlichen situativen Mannorientierungen der Sechser, theoretisch eine große Präsenz in den Halbräumen. Einige Male erzwangen sie so Ballverluste (7. & 22.); meist befreite sich Dortmund jedoch mit sauberen Pässen und kleinen Dribblings aus Unterzahlsituationen.

FCA01

Generell wurden mögliche lokale Kompaktheiten durch geduldige, weiträumige Ballzirkulation schon im Keim erstickt. Dafür positionierten sich die Achter tief und breit. Durch Augsburgs Fokus auf sie konnte regelmäßig Ginter auf dem rechten Flügel freigespielt werden (s. Grafik unten). Dies öffnete die Formation der Gäste, besonders wenn Esswein sehr hoch herausrückte. Der Rechtsverteidiger spielte immer wieder gute Pässe auf Castro oder Gündogan im rechten Halbraum (4., 18).

FCA02

Auch links kombinierte der BVB sich mit guter Abstimmung von Kagawa und Reus durch. Mittlerweise lief viel über links. Castro war dafür weit eingerückt. Durch die Kompaktheit wurde Augsburg auch gut festgehalten wie auch bei  bei regelmäßig versuchtem tiefem Aufbau der Gäste. Hierbei rückte nicht Kagawa ins 4-4-2 vor, sondern ein Flügelspieler – meist Reus – schob auf einen der Innenverteidiger, während sich der andere fallenließ (s. Grafik unten). Augsburg befreite sich selten; für die Fälle rückte Kagawa oder Gündogan raus. Die letzte zehn Minuten der ersten Halbzeit waren wenig ereignisreich, mit einer klaren 3:0-Führung im Rücken.

FCA03

Zur Pause wechselte Augsburg zweimal positionsgetreu und änderte die strategische Ausrichtung. Die bisherigen Pressingmechanismen blieben zwar als Basis erhalten und hier nur die Intensität erhöht, aber die Augsburger rückten nun phasenweise auf die tiefe Ballzirkulation des BVB mit weitem mannorientierten Verfolgen heraus, teilweise bis zum gegnerischen Sechzehner. Dies verhinderte einen strukturierten Aufbau. Gleichzeitig ging Augsburg im eigenen Aufbau mehr Risiko ein: gegen Dortmunds Angriffspressing blieben vor allem die Innenverteidiger geduldiger. Anschließend wurde der ballferne Flügel einige Mal gut genutzt. In der zweiten Halbzeit kam Augsburg dadurch auf etwas mehr Ballbesitz als der BVB (52%).

Der BVB spielte Konter und Schnellangriffe gegen Augsburgs höheres Pressing. Nach dem 3:1 (49.) waren sie direkt auf das nächste Tor aus statt darauf, klar Ballbesitz in der gegnerischen Hälfte zu etablieren. Teilweise gab es direkte, zentrale Kombinationen vor Augsburgs Sechszehner, aber nur selten wurde der Ball ruhiger zirkuliert. Weigls Einwechslung verbesserte etwas. Nach den Kontern in Mainz gab so wieder gute Chancen (80.). Kurz darauf erzielte Aubameyang das 4:1 (85.) nach einem weiten Pass Bürkis gegen hohes Augsburger Pressing und kurz vor Ende noch das 5:1, obwohl die zweite Halbzeit viel knapper als Ergebnis war.

BVB: Bürki – Ginter, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Gündogan, Bender (76. Weigl), Kagawa – Castro (76. Januzaj), Aubemeyang, Reus (82. Ramos)

FCA: Hitz – Feulner, Callsen-Bracker, Klavan, Max – Koo, Kohr (75. Ji), Baier, Esswein (46. Werner) – Trochowski (46. Moravek) – Bobadilla

BVB 5:1 (3:0) FCB – 1:0 Aubameyang (18.), 2:0 Reus (21.), 3:0 Reus (33.), 3:1 Bobadilla (49.), 4:1 Aubameyang (85.), 5:1 Aubameyang (90.+1)

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11 – Bremen

Werder Bremen griff in einem tiefen 5-1-3-1/5-3-1-1-Mittelfeld- bzw. Abwehrpressing an. Die Innenverteidiger in Dortmunds 2-3-5-Aufbau wurden dabei freigelassen; Ujah spielte recht tief, orientierte sich an Weigl, wenn dieser etwas aufrückte, und versperrte sonst Pässe ins Zentrum. Junuzovic presste meist etwas hinter Ujah, hatte aber eine recht flexible Rolle und rückte aber auch teilweise heraus, wodurch auch 5-3-2-artige Staffelungen entstanden. In tieferen Phasen reihte sich Junuzovic in die Mittelfeldreihe in ein 5-4-1 ein. Manchmal ließ sich zudem Ujah fallen. Bremens Achter orientierten sich klar an Gündogan und Kagawa, wodurch diese nur selten vertikale Pässe in dem jeweiligen Halbraum oder diagonale Pässe ins Zentrum spielen konnten, sondern entweder zurück oder horizontal auf außen spielen mussten, wo die Bremer weiteres Aufrücken gut verhinderten. Die Abläufe ähneln der vorgeschlagenen Pressingidee, vor allem mit Wechsel zum 5-4-1. Allerdings rückte bei Bremen der Zehner statt der zweite Stürmer heraus und zudem wurden Dortmunds Innenverteidiger freigelassen. Der BVB hatte Schwierigkeiten mit der Besetzung des Zehnerraums und – durch die Mannorientierungen – mit Spiel zwischen den Linien bzw. in Lücken. Es wurde selten klar Raum gewonnen und Bremen hinten eingeschürt. Die Gastgeber konterten in einer relativ ausgeglichenen ersten Hälfte mit sechs zu fünf Schüssen.

SVW01

In der Halbzeit stellte Thomas Tuchel um. Bislang – in diesem Spiel und den letzten Wochen – spielte der BVB in einem leicht asymmetrischem aber doch recht klarem 4-3-3 im zweiten Drittel, in dem Kagawa auch immer wieder in den linken Halbraum zwischen Innen- und Außenverteidiger herauskippte. Anstatt dieser tiefen Bewegungen entstanden in der zweiten Halbzeit durchgehend klare 4-2-1-3-Stellungen mit höherer Positionierung Kagawas, der sich zwischen Zehnerraum und den offensiven Halbräumen (vor allem links) bewegte. Dafür blieb Park tief und besetzte meist den linken Halbraum, während Mkhitaryan (oder Reus) links Breite gab. Durch situatives Ab- bzw. Herauskippen von Weigl und teilweise von Gündogan variierte der Aufbau so in der ersten Linie zwischen Dreier- und Viererkette:

SVW02

Durch diese optimierte Positionierungen und geduldige – aber nicht träge – Passzirkulation drückte der BVB die Werderaner regelmäßig in einem Halbraum/Flügel (meist rechts) nach hinten, um dann entweder auf die andere Seite zu verlagern oder, wenn möglich, direkt in zentralere Räume zu gelangen. Wenngleich Schnellangriffe durch direkte Pässe von der ersten Linie zwischen Bremens Fünfer- und Dreierkette weiterhin kaum möglich waren, kam man so durch vielen Chancen, speziell über die linke Seite: Mkhitaryan (51.) – in breiter Positionierung, nach Spielverlagerung über den zentralen Park – oder Kagawa (57. und 61.) – nach kurzem Dribbling Parks bzw. Überladung der linken Spielhälfte – konnten mit Ball vom linken Flügel/Halbraum diagonal nach innen dribbeln, in ein in diesen Situationen auseinandergezogenes Bremer Zentrum. Reus‘ Tor zum 1:3 (72.), nach einem tiefen Ballverlust der Bremer, markierte den Schlusspunkt einer sehr dominanten Dortmunder zweiten Hälfte (46.-72.: 76,8% Ballbesitz, 89% Passgenauigkeit, 1 zu 6 Schüsse).

BVB: Bürki – Ginter, Sokratis, Hummels, Park (76. Schmelzer) – Gündogan, Weigl, Kagawa – Mkhitaryan, Aubameyang, Reus (77. Castro)

SVW: Wiedwald – Bartels (83. Pizzaro), G. Selassie, Galvez, Vestergaard, Sternberg – Fritz (82. Fröde), Bargfrede, Grillitsch (77. Lorenzen) – Junuzovic – Ujah

SVW 1:3 (1:2) BVB – 0:1 Reus (9.), 1:1 Ujah (32.), 1:2 Mkhitaryan (44.), 1:3 Reus (72.)

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12 – Schalke

Schalke presste auf Höhe der Mittellinie in einem mannorientierten 4-4-2, das meist zu einem 6-2-2 wurde. Dortmunds Innenvertediger wurden hierbei meist freigelassen, sodass insbesondere Hummels viel Zeit am Ball hatte. Allerdings wurde der Sechserraum um Weigl gut abgesichtert. Neben der engen Schalker Viererkette spielten der rechte und linke Außen, die durch Dortmunds Außenverteidiger nach hinten gedrängt wurden. Teilweise orientierten sie – und vor allem Di Santo rechts – sich auch situativ an der ballferner Acht. Durch die Sechserkette konnten einzelne Spieler der Viererkette ihre Gegenspieler leichter mannorientiert verfolgen. Davor rückten Goretzka und Kolasinac immer wieder auf Kagawa und Gündogan heraus, wodurch auch situative 6-1-3-Staffellungen entstanden. Die Passwege von Dortmunds Innenverteidiger auf die Achter waren zwar regelmäßig offen, von dort ging es aber nicht weiter nach vorne, auch durch etwas ungeduldige Pässe in dem Bereich bzw. Abstimmungsproblem sowie Rückwärtspressing der beiden Stürmer. Die Ballzirkulation des BVB war sonst echt weiträumig angelegt, mit nur wenigen Überladungen: meistens waren es drei Spieler rechts (Castro, Ginter und Gündogan) und drei links (Kagawa, Schmelzer, Mkhitaryan), die sich zusammenschlossen und auf dem Flügel kombinierten. So war Dortmund eher  mittelmäßig in Ballbesitz, phasenweise weder mit Schnellangriffe noch beständiger Ballzirkulation und nutzte die potentiellen Schwächen einer stark mannorientierten Spielweise kaum.

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Der BVB presste, ähnlich wie gegen Augsburg, hoch im 4-3-3 mit Aubameyang, Castro und Mkhitaryan, wobei sich der ballferne Außen hier nicht zurückzog, sondern zentraler blieb, also klarer als 4-3-2-1. Zwar presste man bis zum gegnerischen Torhüter durch, aber die weitere Staffelungen hinter den drei vorderen Spielern war weniger mutig: es gab keine hohe Abwehrreihe, sondern man war vertikal verhältnismäßig wenig kompakt – eher im 4-3-0-3. Dies könnte bewusst so gewählt worden sein, um gegen lange, hohe Bälle auf Hunterlaar und Di Santo, mit möglichen Ablagen auf  Meyer und Sané, gewadmet zu sein und dafür einen klaren 4-3-Block zu haben. Die Knappen traten jedoch erstaunlich kombinativ und risikoreich auf und überspielten teilweise das Dortmunder Angriffspressing. Während der BVB in tieferen Phasen im 4-5-1 wieder recht sicher stand, war der Übergang von Angriffs- zu Mittelfeldpressing, durch die großen Abstände für die Außen, mangelhaft, sodass die Gäste sich Chancen herauspielten.

Nach der Pause kam Dortund zu fünf Chancen und erzielte das 3:1 (47.). In der Folge blieb Schmelzer ballfern etwas tiefer, sodass der linke Halbraum weniger offen war. Aus dem ersten Konter seit langer Zeit enstand in der 71. Minute der Anschlusstreffer zum 3:2. In der Schlussphase presste Schalke hoch, wobei der BVB kombinativ blieb, kaum hektisch wurde und das Revierderby knapp gewann.

BVB: Bürki – Ginter, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Gündogan, Weigl, Kagawa – Castro, Aubemeyang, Mkhitaryan

S04: Fährmann – Caicara, Neustädter, Matip, Aogo – Di Santo, Goretzka, Kolasinac (70. Höjbjerg), Meyer (56. Choupo-Moting) – Sané, Hunterlaar

BVB 3:2 (2:1) S04 – 1:0 Kagawa (30.), 1:1 Huntelaard (33.), 2:1 Ginter (43.), 3:1 Aubameyang (47.), 3:2 Huntelaar (71.)

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Teil 4

Spiel Beschreibung
13 – Hamburg Probleme gegen Hamburgs Pressing und Konter.
14 – Stuttgart Tiefe Außenverteidiger und viele Umstellungen.
15 – Wolfsburg 4-3-2-1-Pressing und Sieg in letzter Sekunde.
16 – Frankfurt Tiefe Frankfurter, zu zehnt noch tiefer.
17 – Köln Knappe Niederlage zum Hinrundenabschluss.
Fazit Abschließende Gedanken

 

13 – Hamburg

Nachdem die letzten Gegner mit einem (tiefen) Mittelfeldpressing antraten, obwohl Dortmund einige Probleme gegen Ingolstadt und Mainz hatte, tastete sich Hamburg aus einem mannorientierten, hohen 4-4-1-1/4-4-2 Mittelfeldpressing immer wieder vor, um einfache Raumgewinne des BVB zu verhindern und im Bestfall selber zu kontern. Hamburgs Außen Müller und Ilicevic orientierten sich hierbei an Dortmunds Achtern, was, auch in der horizontalen Kompaktheit, Augsburgs Heransgehenweise ähnelte. Sokratis wurde meist freigelassen und nur situativ auf ihn herausgerückt. Der BVB spielte von Anfang an – bereits zweimal in der ersten Minute – selbst unter wenig Bedrängnis hektische, ungenaue und auch ungewöhnlich lange Bälle.

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Hamburgs hohes Mittelfeldpressing verhinderte außerdem ein Durchkombinieren Dortmunds kleiner Linksüberladungen und pressten die Gegenspieler auf dem Flügel gegen die Außenlinie gepresst. Die Gäste kamen nicht durch und verlagerten regelmäßig nach rechts auf Ginter, der etwas Platz hatte, aber meist nur Mkhitaryan auf dem Flügel als Anspielstation hatte. In diesen Situationen, also etwa 25m in der gegnerischen Hälfte, sowie wenn er bereits tief angespielt wurde unterband der HSV den Weg in die Mitte, meist durch einen Sechser. Der Fehlpass zum 2:0 (41.) ist in diesem Kontext entstanden. Der HSV konterte regelmäßig, zirkulierte den Ball teilweise tief, spielte aber auch oft lange Bälle, flach oder hoch, auf Lasogga, und brachten Dortmund so in knappe, körperbetonte Duelle im zweiten Drittel.

Auf den 2:0-Rückstand reagierte Tuchel mit zwei Wechseln zur Halbzeit, Piszczek für Ginter sowie Castro für Kagawa. Castro starte immer wieder vertikale Läufe zentral an der Abseitsgrenze. Es gab einen starken Rechtsfokus: Mkhitaryan spielte in dieser Phase dauerhaft auf der Seite, während Reus meist weit von links einrückte und man probierte, sich auf dem Flügel und auch im Halbraum durchzuspielen. Der Spielaufbau nahm an Geschwindigkeit zu. Zudem konnte der BVB mehr zweite Bälle im Mittelfeld gewinnen und schnell angreifen. In einer Dortmunder Druckphase hielt der HSV, welcher mit vermehrt langen Bälle und Fokus auf den linken Flügel spielte, zum ersten Mal im zweiten Durchgang den Ball, erarbeite sich eine Großchance (54.) und Hummels köpfte die folgende Ecke ins eigene Tor (55.).

Nach dem 3:0 wurde das Spiel zunächst ruhiger. Statt des Rechtsfokus‘ gab es bis zum Spielende zwei Angriffsmuster beim BVB: Spielaufbau über die Außenverteidiger – zunächst rechts, dann vor allem links – und Aufrücken von Gündogan oder Hummels. Piszczek und Schmelzer wurden – sehr unüblich – bereits in frühen Phasen der Angriffe gesucht. Nach der Auswechslung Reus‘ spielte Mhkitaryan durchgehend links und wurde oft im Halbraum, von Schmelzer oder dem kurz aufrückenden Hummels, angespielt, von wo er gute Dribblings ansetzte, die zu Gündogans starkem Freistoß am Sechzehner (75.) und zum 3:1 (86.) nach einem  Pass Januzajs führten. Das Dortmunder Tor brachte noch etwas Spannung in die eigentlich schon entschiedene Partei und der BVB hatte in der 90. Minute einige Großchancen nacheinander, da der HSV, der sich in Halbzeit zwei zwar selten hinten reindringen ließ, sich aber, wenn dies doch passierte, aus tiefen Positionen mit laufender Spieldauer schlechter befreien konnte.

BVB: Bürki – Ginter (46. Piszczek), Sokratis, Hummels, Schmelzer – Gündogan, Weigl, Kagawa (46. Castro) – Mkhitaryan, Aubemeyang, Reus (69. Januzaj)

HSV: Adler – Sakai, Djourou, Spahic (29. Cleber), Ostrzolek – Jung, Kacar (71. Gregoritsch) – Müller, Holtby (82. Diaz), Ilicevic – Lasogga

HSV 3:1 (2:0) BVB – 1:0 Lasogga (19., 11m), 2:0 Holtby (41.), 3:0 Hummels (55., Eigentor), 3:1 Aubameyang (86.)

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14 – Stuttgart

Nach Dortmunder Problemen gegen früh anlaufende Mannschaften hätte dieses Spiel eine letzte Chance für Zorniger darstellen können. Stattdessen wurde dieser durch Interimstrainer Kramny und damit Angriffs- durch Mittelfeldpressing ersetzt. Gegen eine 4-4-2/4-4-1-1 mit leicht diagonal versetzten Spitzen spielte der BVB mit ungewöhlich tiefen Außenverteidiger, die nur mit Ball oder in späten Phasen der Angriffe aufrückten, wie vor dem 0:1 (3.) und einer späteren Großchance (26.). Kagawa ließ sich links regelmäßig neben Gündogan fallen, während Castro als rechter Achter höher blieb. Hier unterstützte er die die Anfangsphase prägenden Rechtsüberladungen. Reus nahm an diesen nicht oder kaum teil, sondern blieb meist links außen, von wo er Vertikalläufe startete.

Nach 18 Minuten veränderte Tuchel die Ausrichtung: Gündogan spielte fortan durchgehend im rechten Halbraum, während Kagawa sich nun auch direkt – speziell nach regelmäßigem Aufrücken Benders – halblinks zwischen die Stuttgarter Linien bewegte (s. Grafik). Dadurch konnte die erste Pressinglinie überspielt werden. Statt  Rechtsüberladungen wurde der Ball nun vermehrt über die Halbräume und das Zentrum zirkuliert. Gleichzeitig wurde Stuttgart nicht eingeschnürt. Besonders in der Viertelstunde vor der Pause erlahmte die Ballzirkulation unter fünf bis sechs tiefen Dortmundspieler; die Achter wurden kaum – oder nur durch Zurückfallen – mehr erreicht.

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In der zweiten Halbzeit spielte Castro tief im rechten Halbraum – teilweise vor Sokratis, teilweise herausgekippt, neben den beiden Stuttgarter Stürmern. Gündogan bewegte sich halblinks und zentral, sodass Bender weniger Gelegenheiten zum Aufrücken hatte, während Kagawa davor oft hoch blieb. Dadurch enstand das übliche 4-3-3/4-2-3-1-Hybrid, mit mehr Tendenzen zu letzterer Formation. Zwar gab es einige Pässe zwischen erster und letzter Linie, aber Dortmund fiel grundsätzlich der Übergang von tieferer zu den Offensivspielern schwer, und es gab keine langen Ballbesitzphasen in der gegnerischen Hälfte, sondern regelmäßige Ballbesitzwechsel. Die größte Chance war daher in dieser Phase ein Konter (50).

Nach einer Stunde ersetzte Weigl Kagawa, woraufhin die drei zentralen Spieler die Positionen tauschten, aber die bisherige Grundordnung beibehielten (Weigl – Gündogan, Castro). Durch die Wechsel verbesserte sich die Ballzirkulation des BVB, wobei Stuttgart weiterhin nur selten eingeschnürt werden konnte. Allerdings konnten die Gäste auch nur sehr selten kontern und hatten keinen einzigen Schuss im zweiten Durchgang. Dortmund hingegen erarbeite sich viele Torchancen – durch schnelle Kombinationen auf beiden Flügeln, wie links vor dem 3:1 (65.), und vor allem durch Schnellangriffe und Konter, die Mkhitaryan regelmäßig mit Ballgewinnen, Dribblings und Läufen gegen die nun vermehrt aufrückenden Gäste einleitete. In den letzten zehn Minuten spielte der BVB mit einer Sicherheitsvariante – Bender im Mittelfeld neben Weigl – und erzielte letzendlich noch den vierten Treffer (90.+1) in einem Spiel der vielen Umstellungen.

BVB: Bürki – Piszczek, Sokratis, Bender, Schmelzer – Castro, Gündogan, Kagawa (60. Weigl) – Mkhitaryan, Aubemeyang, Reus (80. Hummels)

VfB: Tyton – Schwaab, Baumgartl, Niedermeier, Insua – Maxim (70. Kruse), Rupp, Gentner, Kostic – Didavi – Werner (82. Tashchy)

BVB 4:1 (2:1) VfB – 1:0 Castro (3.), 2:0 Aubameyang (19.), 2:1 Didavi (40.), 3:1 Niedermeier (65., Eigentor), 4:1 Aubameyang (90.)

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15 – Wolfsburg

Der BVB begann in Wolfsburg mit schneller, präziser Passzirkulation durch die Mitte und beide Halbräume. In den ersten fünf Minuten konnte dies nur mit Fouls unterbunden werden. Die zwei folgenden Freistöße schoss Gündogan an die Latte (3.) bzw. legte Piszczek vor (4.). Bender traf nach einer anschließenden Ecke wieder die Latte (5.). Gegen situatives hohes Pressing – und ansonsten hohes 4-4-2-Mittelfeldpressing –Wolfsburgs konnte Dortmund sich mit Bürkis Hilfe leicht befreifen, da meist nur zwei Spieler hoch anliefen und dahinter kaum auf- und, insbesondere, schnell zurückgerückt wurde. Anfangs liefen die Spieleröffnungen Dortmunds Innenverteidung in Hummels Abwesenheit – neben üblichen kurzen Pässen (aber kaum auf Ginter) – erfolreich über lange, flache Vertikalpässe von Subotic auf Aubameyang im rechten Halbraum ab, wodurch man bereits in Mitten der Wolfsburger Formation war (1., 6., 3.) und lange, hohe Bälle für diagonale Läufe von Mkhitaryan und vor allem Reus (10., 14.). Mit einer Großchance, die Naldo auf der Linie klärt (9.) klang die Druckphase langsam ab, wobei die Passzirkulation erst noch stabil blieb.

WOB02

Dortmund presste im 4-3-2-1, in dem Mkhitaryan und Reus ballfern bis in die Mitte einrückten. Wolfsburg hatte damit vor allem anfangs Probleme und konnte sich selten – besonders aus tiefen Postionen bzw. gegen hohes Pressing – effektiv befreien. So trafen die Gäste nach einer schlechten Ballannahme Guilavogis (32.) in einer eigentlich ausgeglichenen Phase. Ballnah erzeugte Dortmund Überzahl und die Achter verhinderten eins-gegen-eins-Duelle nach hohen Diagonalverlagerungen. Allerdings setzen sich die Wölfe mit zunehmender Spieldauer – mit Flügelüberladungen – auch gegen zwei Gegenspieler durch und kamen so zum Abschluss (Schürrle 31., Caliguri 38., Vierinha 42.).

WOB03

Nach einer Stunde enstanden eine Reihe von Chancen – die größte nach einem Fehlpass Bürkis (61). – für Wolfsburg, die in Hälfte zwei einem 4-1-(0)-4-1 mit Draxler und Kruse als sehr flexible und hohe Achter bzw. Zehner spielten. Dortmund presste weiter im 4-3-2-1 und hatte in diesem wenig Zugriff. Erst nach 70 Minuten stellte Tuchel auf ein 4-4-1-1 um. In der letzten halben Stunde – genauso wie vor der Pause – konnten sich die Borussen nur noch selten befreien und die ihre Direktheit, die anfangs sehr positiv war, fiel negativ auf. Nachdem Rodriguez in der Nachspielzeit einen Elfmeter verwandelte, holte der BVB dennoch den Sieg (90.+3).

BVB: Bürki – Piszczek, Subotic, Bender, Schmelzer – Gündogan (55. Kagawa), Ginter, Castro (82. Park) – Mkhitaryan, Aubameyang (82. Hofmann), Reus

WOB: Benaglio – Vierinha, Naldo, Klose, Rodriguez – Caligiuri (57. Träsch), Guilavogui (46. Dost), Arnold, Draxler – Kruse, Schürrle

WOB 1:2 (0:1) BVB – 0:1 Reus (32.), 1:1 Rodriguez (90.+1, 11m), 1:2 Kagawa (90.+3)

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16 – Frankfurt

Frankfurt trat mit einem mannorientierten 6-3-1-Abwehrpressing im Westfalenstadion an. Die beiden Achter der Eintracht orientierten sich an Dortmunds Achtern, während Sechser Hasebe diese entweder unterstützte oder auf Weigl herausrückte, wodurch auch 6-2-1-1-Staffelungen entstehen konnten. Meist hatte Weigl aber ausreichend Platz oder konnte sich unter Druck behaupten. Castro und insbesondere Gündogan stellten durch breite Positionierungen und horizontalen Bewegungen Kontakt zu den jeweiligen Außenverteidigern und Flügelspielern her. Vor allem rechts konnte so mit kurzen Pässen aufgerückt werden. Zudem entstanden auf rechten Seite im gesamten Spiel einige Großchancen durch lange, flache Vertikalpässe von Gündogan auf Mkhitaryan, die dieser in die Mitte zurücklegte. In dieser starken Dortmunder Anfangsphase traf Frankfurt plötzlich nach einem weiten Abschlag (7.).

Mittelstürmer Seferovic positierte sich gegen den Ball im linken Halbraum; er schien Hummels‘ Aufrücken und den Passweg zwischen Weigl und Hummels im Auge zu haben. Allerdings kam er dieser Aufgabe nur wechselhaft nach, wodurch Hummels regelmäßig – vor allem in Halbzeit zwei – für Vertikalpässe – ähnlich wie Gündogan rechts – aufrücken konnte. So erreichte er – nach einer chancenarmen Phase – Aubameyang, der auf Mkihtaryan querlegte (1:1, 24.).

SGE01

Nach Medojevic‘ roter Karte (44.) spielte Frankfurt noch tiefer, im 5-3-1. Dadurch enstanden nach meist geduldigem Aufrücken des BVB mit sehr hohen Außenverteidigern in der letzten Linie 1-gegen-1-Situationen. Dies führte zu einer extrem dominanten Phase zwischen der 56. und der 64. Minute, in der zwei Dortmunder Tore entstanden. Kurz vor dem Sechszehner wurden immer wieder diagonale Lupfer auf die Außenverteidiger gespielt (s. Grafik, gestrichelte Linie). Kurz vor Ende der Partei traf der eingewechselte Ramos noch – in einem Spiel, in dem Frankfurt fast chancenlos war.

SGE02

BVB: Bürki – Piszczek, Bender, Hummels (79. Sokratis), Schmelzer – Gündogan, Weigl, Castro – Mkhitaryan (82. Ramos), Aubameyang, Reus (43. Kagawa)

SGE: Hradecky – Aigner (46. Chandler), Ignjovski, Kinsombi, Abraham, Djakpa, Oczipka – Medojevic, Hasebe, Meier – Seferovic

BVB 4:1 (1:1) SGE – 0:1 Meier (7.), 1:1 Mkhitaryen (24.), 2:1 Aubameyang (57.), 3:1 Hummes (61.), 4:1 Ramos (86.)

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17 – Köln

Gegen den Ball spielte Köln ähnlich wie Bremen oder wie im Vorschlag mit 5-3-2-Mittelfeldpressing – und nach dem Gegentor (18.) auch hohes Mittelfeld- bzw. Angriffspressing. Hierbei gab es einige Mannorientierungen, vor allem auf Hummels, Gündogan und Weigl. Die Pressingmechanismen funktionierten sehr gut, wobei Dortmund auch einige eigene Probleme in der Passzirkulation und Positionierung hatte. In einem 4-2-3-1 (auch gegen den Ball 4-4-1-1) spielte Kagawa als recht freier, ausweichender Zehner, der nicht ballfordernd agierte, sondern bestehende Strukturen gebraucht hätte. Allerdings spielten die drei Offensiven um ihn herum hoch und starteten viele Vertikalläufe. Gleichzeitig blieben die Außenverteidiger im Spielaufbau tief und wurden dort auch angespielt, sodass hinten, zusammen mit den beiden Sechsern, ein Block aus sechs Spielern entstand, mit Kagawa als umherschwirrendem aber wenig eingebundenem, ausweichendem Zehner zwischen beiden Blöcken.

Die Dortmunder Spieleröffnung bestand zum Teil ungewöhnlicherweise aus langen, hohen Vertikalbällen auf die drei vorderen Spieler, mit manchmal gute Staffelungen für zweite Bälle, aber auch mit einigen „loose balls“, die die Kölnern mitnahmen. Zudem gab es einige Mittelfeldduelle. Vor allem präsent waren allerdings kleine Rechtsüberladungen mit Ginter, Gündogan und Sokratis – vor allem am Anfang des Spiels – mit oft folgender Spielverlagerung auf den freien Park (s. Grafik). Links gab es dann teilweise kleinere Flügelüberladungen mit Hofmann, Park, Kagawa und manchmal Weigl, die allerdings nicht weit führten. Sonst war Park links regelmäßig auf sich allein gestellt. So erarbeite sich Dortmund nur wenige Chancen. Trotz 71% Ballbesitz wurden durch die Trennung von Defensive und Offensive die gegenerischen Linien selten durchbrochen und kaum Raumgewinne erzielt.

KOE02

In der zweiten Halbzeit presste Köln konstant hoch und lief Dortmunds Innenverteidiger an (s. Grafik unten). Der jeweils ballnahe Flügelverteidiger lief zudem immer wieder die gegnerischen Außenverteidiger an, während der andere in der Viererkette blieb. So wurden eins-gegen-eins-Duelle in letzter Linie vermieden, wobei Dortmund dort auch wenig kopfballstarke Spieler hatte. Köln startete stark in den zweiten Durchgang und erarbeite sich einige Chancen (46. & 48.) mit vielen Flanken. Das Spiel war relativ ausgeglichen, mit nur etwa 55% Ballbesitz für Dortmund in der zweiten Hälfte. Nach 70 Minute ging Köln auf Risiko, wechselte zweimal offensiv und spielte fortan in einem asymmetrischen 3-2-4-1 mit hohem Zoller und dadurch verwaistem linken Flügel. Der BVB war mit der verrückten Spielweise etwas überfordert, hatte nur noch eine Passgenauigkeit von 68% und kam zwar zu einigen Konterchancen, aber Köln erzielt den Ausgleich (82.) und kurz vor Ende noch das Siegtor.

KOE01

BVB: Bürki – Ginter, Sokratis, Hummels (46. Bender), Park (46. Schmelzer) – Gündogan, Weigl – Kagawa – Mkhitaryan, Aubemeyang, Hofmann (75. Ramos)

KOE: Horn – Olkowski (70. Modeste), Sörensen, Maroh, Heintz, Hector – Gerhardt, Lehmann, Svento (69. Bittencourt) – Risse, Zoller

KOE, Schlussphase: Horn – Sörensen, Maroh, Heintz – Lehmann, Hector – Risse, Bittencourt, Gerhardt, Zoller – Modeste

KOE 2:1 (0:1) BVB – 0:1 Sokratis (18.), 1:1 Zoller (83.), 2:1 Modeste (90.)

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Fazit

Thomas Tuchel formte Borussia Dortmund in kurzer Zeit zu einer sehr guten Ballbesitzmannschaft. Vor allem gegen tiefe Gegner hatte der BVB durch gute Positionierungen und genauer Ballzirkulation wenig Probleme. Sowohl durch Pässe im Zentrum und den Halbräumen wie auch bei Flügelüberladungen konnte Dortmund den Ball recht stabil halten und aufrücken. Besonders Diagonalbälle auf Ginter, die dieser auf seine Mitspieler zurücklegte, waren ein effektives Mittel im letzten Drittel gegen Mannschaften, die sich am eigenen Sechszehner aufstellten.

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